Neuer Trend bei Demenz

Dahl. (ego) In einem kleinen Volme-Seitental bei Dahl – genauer: im Hemker Bachtal – befindet sich einer der ältesten Wohnplätze Hagens. Schon im 15. Jahrhundert wird ein Hof in der „Hemecke“ genannt. Ganz so alt ist das heutige Bauernhaus – das viele Ältere eher unter dem Restaurant-Namen „Dahler Schweiz“ kennen – an dieser Stelle zwar nicht, aber einige Jahrhunderte hat es durchaus auf dem Buckel. Jetzt steht dem idyllisch gelegenen, altehrwürdigen Bauwerk eine neue Zukunft bevor: Als Heimat einer ganz besonderen WG.

Das altehrwürdige Bauernhaus In der Hemke“ strahlt eine besondere Atmosphäre aus. Lange Zeit war hier ein Restaurant beheimatet - jetzt zieht eine Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz ein. (Foto: Schmitz-Hegemann)

Im einstigen Bauernhaus Am Hemker Bach 12 („Dahler Schweiz“) ist eine Wohngemeinschaft für dementiell veränderte Menschen entstanden. Demenz ist der häufigste Grund für Pflegebedürftigkeit und Versorgung in Pflegeheimen. Immer mehr Menschen leiden darunter. Sie stellt eine Herausforderung dar – sozial, gesundheitspolitisch und finanziell. Denn eine häusliche Pflege durch Angehörige ist schwierig, nicht selten unmöglich.

Doch es gibt Alternativen – etwa mittels einer Wohngemeinschaft. Das Konzept ist ebenso ungewöhnlich wie erfolgreich. Die „Hemker Wohngemeinschaft“ für neun Menschen ist fast fertiggestellt. Mit einem großen Wohnzimmer, Küche, Esszimmer, Bad und Terrassen. Alles barrierefrei eingerichtet, familiär und wohnlich.

Sehr persönlich

Ähnlich wie Studenten leben auch dementiell veränderte Menschen gemeinsam besser. Wie in einer Familie und fast wie zu Hause. Denn die Mieter dürfen hierher mehr private Dinge mitbringen als normalerweise in ein Heim. Fast alles was ihnen lieb ist: Möbel, Bilder, selbst Tiere sind erlaubt. Jeder richtet sein eigenes Zimmer ein. Auch in den Gemeinschaftsräumen befindet sich Persönliches. So sieht es oftmals aus wie in einer „Villa Kunterbunt“. Doch das schafft Orientierung, Sicherheit und gibt das Gefühl, zu Hause zu sein. Unruhe und Desorientiertheit rücken in den Hintergrund. Die Menschen fühlen sich wohl. Mutter oder Vater auf diese Weise gut versorgt zu wissen, ist auch für die Angehörigen eine Erleichterung.

Zwar können dementiell veränderte Menschen nicht mehr in ihrer eigenen Wohnung leben, doch speziell geschulte Pflegekräfte versuchen, sie – soweit es geht – in den Alltag mit einzubeziehen. Wenn es die Persönlichkeit und der gesundheitliche Zustand zulassen, wird gemeinsam eingekauft, gekocht, geputzt oder gewaschen. Indem sie alltägliche Arbeiten verrichten, bleiben Fähigkeiten erhalten, die sonst verloren gehen würden. Auch die Freizeit gestalten sie gemeinsam.

Vorlieben lassen

Wichtig ist, die richtige Beschäftigung und Ansprache zu finden. Dazu tauchen die Pflegekräfte in die ehemalige Lebenswelt des Mieters ein. Sie gehen auf ihn ein, lassen ihn seine Eigenheiten und Vorlieben ausleben. Mit Angehörigen arbeiten die Betreuer ebenso eng zusammen wie mit Ärzten oder Therapeuten. So kommt auf eine Wohngemeinschaft ein Bedarf an Pflegekräften von acht bis zehn Personen.

Dennoch ist das WG-Leben meist mit regulären Leistungen des Sozialsystems zu finanzieren. Zu Miete und Haushaltsgeld kommen die Kosten für Betreuung und Pflege hinzu. Tragen lassen sich diese meist durch Leistungen von Kranken- und Pflegeversicherung. Betreiber der Hemker Wohngemeinschaft für dementiell veränderte Menschen ist übrigens die „ANW – ALTER-nativ Wohnen GmbH & Co. KG“ aus Gelsenkirchen. Sie betreibt bereits 16 Wohngemeinschaften mit über 130 Mietern im Großraum Ruhrgebiet und hat weitere Projekte in Planung.