Neues Dämmprogramm für schmucke Bauwerke

Zahlreiche Wandbilder fielen in den letzten Jahren diversen Dämmmaßnahmen in Hagen zum Opfer. Betroffen sind vor allem Mosaiken oder Putzritzbilder (Sgraffiti). Zu den verschwundenen Werken gehören beispielsweise mehrere Werke des früher in Hagen recht bekannten Grafikers und Glasgestalters Hans Slavos (1900 - 1969), so auch das Beispiel auf unserer Abbildung. (Foto: Stefan Fuhrmann)

Hagen. (ME) Was macht den Reiz Wehringhausens aus? Die Vielfalt der reich geschmückten Fassaden! Schließlich gehört der Hagener Stadtteil zu den schönsten Gründerzeit-Orten Südwestfalens. Man stelle sich nun vor, das gesamte Viertel rund um den Wilhelmsplatz würde „mal eben“ gedämmt, sprich: der herrliche Stuck-Schmuck verschwände allerorten unter Styroporplatten. Der besondere Reiz dieses Stadtteils wäre futsch.

Ganz Deutschland „verpackt“?

„Wenn Hauseigentümer Geld sparen wollen, müssen sie über eine Dämmung von Kellerdecke, Dachboden und der Gebäudehülle nachdenken,“ so oder ähnlich lauten üblicherweise die Ratschläge an zahllose Häuslebesitzer im Lande. An diesen Ratschlägen ist prinzipiell etwas dran. Die Kehrseite: Ganz Deutschland würde „verpackt“ und in ein einheitliches Erscheinungsbild getaucht. Was nicht wirklich erstrebenswert sein kann.

Dabei ist die sogenannte energetische Sanierung von Wohnbauten staatlich erwünscht. Die Bundesregierung strebt an, den CO2-Ausstoß von Wohnhäusern bis 2050 drastisch zu drücken. Bei der Finanzierung spielt eine staatliche Förderbank meist eine Hauptrolle – die KfW! Im vergangenen Jahr standen ihr 900 Millionen Euro für Förderprogramme zur Verfügung, 2012 sind es sogar 1,5 Milliarden Euro, bereit gestellt von der Bundesregierung aus dem Energie- und Klima-Fonds.

Einfacher gesagt…

Die gesamte Gebäudehülle außen zu dämmen, ist aber in manchen Fällen einfacher gesagt als getan. Was ist beispielsweise, wenn das Haus von schönen Kunstwerken an der Fassade geziert wird? Die Kunst einfach zukleben? Oder was macht derjenige, der ein Baudenkmal sein Eigen nennt? In Deutschland gibt es immerhin drei Millionen Baudenkmäler, darunter auch mehrere Dutzend in Wehringhausen.

Und fasst man den Bogen der schützenswerten Bauten noch etwas weiter, sprechen wir wahrlich von keinem „Nischen-Problem“. Experten schätzen, dass untern Strich etwa ein Fünftel aller Wohnimmobilien in Deutschland betroffen sein könnte.

Von oben bis unten

Bisher galt: wer vom Staat beziehungsweise von seiner Bank KfW ein zinsgünstiges Darlehen für sein Haus zur Energieeinsparung bekommen wollte, musste häufig „in die Vollen“ gehen, sprich: er musste möglichst alle Wände außen von oben bis unten, von vorne bis hinten dämmen. Diesem „totalen Dämmzwang“ sind in Hagen in den letzten Jahren bereits zahlreiche Wandbilder zum Opfer gefallen. Betroffen sind vor allem Werke aus den 50er Jahren, etwa Mosaiken oder Putzritzbilder (Sgraffiti).

Zu den verschwundenen Werken gehören beispielsweise mehrere Putzritzbilder des früher in Hagen recht bekannten Grafikers und Glasgestalters Hans Slavos (1900 – 1969). Zu den markantesten Slavos-Werken zählten zwei Ritzbilder aus dem Jahr 1954 an der Fassade des Wohnhauses Gerichtsstraße/ Ecke Bülowstraße (direkt neben dem Landgericht). Im Jahr 2007 wurden beide Bilder mit Dämmplatten zugeklebt. Der Hauseigentümer hat anschließend zwar die gedämmte Fassade erneut mit einem Bild geschmückt, aber das ist eine rühmliche Ausnahme. Normalerweise präsentieren sich bislang schmucke Fassaden nach einer Dämmmaßnahme oft eher gesichtslos.

Vorbildlich

Dass es auch anders geht, haben insbesondere die großen Hagener Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaften mehrfach vorbildlich demonstriert. Bei der Renovierung seiner Gründerzeit-Quartiere an der Eugen-Richter-Straße sowie zwischen Heinitz- und Karl-Halle-Straße hat zum Beispiel der Wohnungsverein bewiesen, wie gut man Häuser dämmen kann, ohne ihren reizvollen Schmuck unter Plastik verschwinden zu lassen.

Generell ist für Baudenkmäler jetzt Rettung in Sicht. Noch sind nicht alle Einzelheiten unter Dach und Fach. Doch der grobe Rahmen steht bereits. Geplant ist von Seiten der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) die Schaffung einer neuen Fördereingruppierung „Denkmal“. Die Idee: die Gebäudehülle bleibt unberücksichtigt, stattdessen wird die Förderung vom sinkenden Energiebedarf abhängig gemacht. Ab dem 1. April soll dieses Förderprogramm abrufbar sein.

Zu den markantesten Slavos-Werken zählte auch ein Ritzbild an der Fassade des Wohnhauses Augustastraße/ Ecke Innenstadtring (gegenüber Schwenke-Zentrum). Im Jahr 2007 wurde es „zugekleistert“. Seitdem präsentiert sich die zuvor schmucke Fassade eher gesichtslos. (Foto: Stefan Fuhrmann)

Lange haben Denkmalschützer für ein derartiges Programm gekämpft. Fast schien dieser Kampf aussichtslos zu sein. Schon sprachen Experten – etwa von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und vom Deutschen Nationalkomitee Denkmalschutz – von der drohenden „Vernichtung wertvollen kulturellen Erbes“.

Intelligente Lösungen

Zum Glück sind endlich auch die Bundesregierung und die KfW einsichtig geworden. Die Staatsbanker haben mittlerweile wohl begriffen, dass historische Bausubstanz durchaus schützenswert sein kann. Hinzu kommt, dass man alte Häuser wahrlich nicht über einen Kamm scheren darf. An einem Fachwerkhaus sind – gerade auch bauphysikalisch – andere Dinge sinnvoll als an einem Wohnhaus des Jugendstils. Handwerker, die dies nicht beachten, schaden einem Bauwerk mitunter durch eine 08/15-Dämmung mehr als ihnen eigentlich auch aufgrund von Gewährleistungsansprüchen lieb sein kann. Deswegen – so fordern die Experten – seien „intelligente Lösungen“ vonnöten. Dafür braucht man geschulte Berater und Handwerker – ihre verbesserte Ausbildung soll jetzt parallel zum neuen Förderprogramm „Denkmal“ vorangetrieben werden.

Und noch eine erfreuliche Meldung: die KfW führt auch das Förderprogramm „Altersgerecht Umbauen“ weiter. Zwar mangelt es hierfür an Unterstützung seitens der Bundesregierung, aber die KfW will ihre Finanzhilfe angesichts der gesellschaftlichen Bedeutung aufrecht halten. Überdies sollen die technischen Anforderungen künftig verständlicher formuliert werden.