Neun Jahre Hagener Kindertafel

Hagen. (th) Seit neun Jahren stopft die „Kindertafel der Evangelischen Jugend im Kirchenkreis Hagen“ hungrige Mäuler und lebt dabei selbst von der Hand in den Mund. Jahr für Jahr müssen Spenden gesammelt werden, insgesamt 40.000 Euro werden benötigt, damit die 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zahlreichen Kindern in Schulen und Jugendzentren warme Mahlzeiten, aber auch Selbstachtung und Hoffnung auf eine bessere Zukunft bieten können.

Die Idee zur Kindertafel kam Frank Fischer, Leiter der Ev. Jugend, beim „Vaterunser“ während eines Gottesdienstes. „Unser tägliches Brot gib uns heute“, heißt es in dem Gebet. Frank Fischer musste an all diejenigen denken, für die dieser Satz eine tatsächliche Bedeutung hat, die nicht im Überfluss leben, die wirklich jeden Tag hoffen und beten müssen, wenigstens eine vernünftige Mahlzeit zu bekommen. Nicht immer werden diese Hoffnungen und Gebete erfüllt, auch für viele Kinder nicht. Und gerade diese Kinder können wenig dagegen unternehmen, und noch weniger dafür, dass sie in dieser Lage sind.

Sein zehn Jahren gibt es an Schulen den offenen Ganztag. Schulkinder mit unterschiedlichstem familiären Hintergrund verbringen neben den vielen Schulstunden auch das Mittagessen gemeinsam. Für die Kinder aus ärmeren Verhältnissen brachte das neben dem Grundproblem der Versorgung mit ausreichender und gesunder Nahrung noch weitere Schwierigkeiten mit sich. Bei den anderen zu sitzen, und doch ausgeschlossen zu sein, weil das Geld von zu Hause nicht für dasselbe Essen reicht… – ein demütigendes Gefühl. Das erschwert die ohnehin schon schlechten Ausgangsbedingungen mancher Kinder noch weiter.

Die Arbeit trägt Früchte

Genau an dieser Stelle setzt die Arbeit der Kindertafel an. Die Kinder werden nicht nur mit ausgewogenen Mahlzeiten versorgt, auch wenn das natürlich elementar wichtig ist. Sie bekommen das gleiche Essen wie die anderen Kinder und müssen sich nicht mehr minderwertig fühlen. Die Finanzierung wird direkt mit den Eltern abgeklärt, die Kinder sollen davon gar nichts mitbekommen. Im Notfall, wenn die Eltern den einen Euro Selbstbeteiligung nicht aufbringen können (oder wollen), wird geholfen. Außerdem bekommen sie Aufmerksamkeit und Hilfe beim Lernen, was heutzutage in vielen Familien leider nicht mehr gegeben ist, aus welchen Gründen auch immer.

Diese Arbeit trägt Früchte. „Kinder, die vorher still und traurig auf ihr eigenes karges Mittagessen starrten, gar nicht sehen wollten, was die anderen links und rechts von ihnen aßen, blühen jetzt auf. Sie beteiligen sich an Gesprächen und wirklich viel glücklicher,“ berichtet Frank Fischer von seinen Erfahrungen. Auch bei den schulischen Leistungen spiegelt sich das wider. In der Grundschule finanziert das Land mit, und so kann eine umfangreiche Hausaufgabenbetreuung gewährleistet werden. Das ermöglicht auch Kindern aus schwierigen Verhältnissen, ihre tatsächliche Leistungsfähigkeit abzurufen und sich auf lange Sicht selbst zu helfen. In den weiterführenden Schulen bricht die Finanzierung des Landes für die Hausaufgabenbetreuung allerdings weg.

Erleichterung und Signal

Die Kindertafel selbst finanziert sich ausschließlich über Spenden, jedes Jahr müssen 40.000 Euro gesammelt werden. Seit vier Jahren hat sich das Angebot neben Schulen auf einige Jugendzentren ausgeweitet, auch dort ist der Bedarf riesengroß. Der aktuelle Zustrom von Flüchtlingen wird die Nachfrage voraussichtlich weiter steigern, dabei gibt es bereits jetzt kaum genug Plätze. Mit ihren Leistungen steht die Kindertafel immer noch relativ alleine da, obwohl die Erfahrungen aus den neun Jahren eindeutig zeigen, dass diese Arbeit unbedingt erforderlich ist und wirklich etwas bewegen kann.

In diesem Jahr gab es glücklicherweise tatkräftige Unterstützung von der Ewald Dörken AG. Der Weihnachtsgeschenke-Etat in Höhe von 25.000 Euro, den das Unternehmen seit 1996 traditionell für gute Zwecke spendet, geht an die Kindertafel. „Das ist eine Riesen-Erleichterung und ein Riesen-Signal“, freut sich Frank Fischer. Den Kunden und vor allem den Mitarbeitern des Dörken-Unternehmens ist es ein Anliegen, mit der Spende ein Projekt in der Region zu unterstützen, besonders Kinder liegen ihnen am Herzen. Deshalb ist die Kindertafel quasi der perfekte Empfänger für das Geld und die Verantwortlichen können sich durchaus vorstellen, in Zukunft regelmäßig zu unterstützen.