Nicht des Geldes wegen

Lothar Wege (l.) und Friedhelm Bischoff sind Gründungsmitglieder des Sparclubs Quambusch, der seit 1968 besteht. Sie vermuten, die älteste derartige Gemeinschaft in Hagen zu sein. (Foto: Sandra Schievelbusch)

Haspe. (san) Sie sind beinahe eine ausgestorbene Spezies – die Mitglieder von Sparclubs. Um so erstaunlicher ist es, wie lange und intensiv die Spargemeinschaft auf dem Quambusch besteht. „Wir glauben, dass wir der älteste noch bestehende Sparclub in Hagen sind,“ vermutet ein Mann der ersten Stunde seines ’Vereins’: Gründungsmitglied Friedhelm Bischoff. „Spar-Club Quambusch. Gegründet 1968. Hagen-Haspe“ steht auf der Urkunde aus der Gründungszeit.

Gab es das Sparen, bei dem das Geld in blechernen Schlitzkästen landte, in Gaststätten, Einzelhandelsgeschäften oder bei Frisören zunächst als sogenanntes ’Weihnachtssparen’ bereits seit dem beginnenden 19. Jahrhundert, erlebte die Geldanlageform des kleinen Mannes nach der Währungsreform 1948 einem wahren Boom.

Nicht des Sparens willen

Den Clubgründern vom Quambusch ging es aber von Anfang an gar nicht darum, Geld zusammen zu halten. „Wir suchten nach einer Idee, wie wir unserer Gemeinschaft Bestand geben und in steter Geselligkeit bleiben konnten“, erzählt Lothar Wege von den Anfängen. Wie die meisten Hasper arbeitete er mit netten Kollegen an der Hasper Hütte. Freundschaften entstanden, zumal, wenn man auch noch in der Nachbarschaft wohnt. „Erst dachten wir daran, einen Schützenverein zu gründen,“ erinnert sich Wege, „aber das gestaltete sich als zu aufwändig.“ Da er bereits in einen anderen Sparclub einzahlte, nahm er die Idee mit in seinen Bekanntenkreis – mit diversen Veränderungen. Schnell war mit Wirt Wilhelm Polifka im Jungfernbruch die Stätte für den Sparkasten ausgeguckt, wo am 8. Oktober 1968 dann auch die erste Versammlung abgehalten wurde. „Unsere Freude über das Ereignis wurde aber gleich getrübt, denn nur zwei Tage später ist der Altwirt gestorben,“ weiß Lothar Wege noch ganz genau.

24 Mitglieder stark war der Sparclub von Beginn an, jeder Sparschrankschlitz somit belegt. Unter 10 D-Mark galt es monatlich einzuzahlen. Monatlich deshalb, weil der Clubkassierer wie die meisten – ausschließlich männlichen – Sparer seinen Drei-Schichten-Dienst an der Hütte versah, und sich einmal im Monat genügend Zeit zur Buchhaltung bot.

Sauerland erstes Ziel

Für regelmäßige gesellige Touren war das Geld von Anfang an gedacht und ist es bis heute geblieben. „Unsere allererste Fahrt war eine Tagestour ins Sauerland,“ berichtet Friedhelm Bischoff. Und seitdem sind in jedem Jahr bis heute natürlich auch immer ein paar Kröten übrig geblieben, die dann am Samstag vor dem ersten Advent mit Tombola und Musik wieder an die Sparer ausgezahlt werden – quasi doch noch Weihnachtssparen.

Mittlerweile gibt es vom hohen Norden bis in den Schwarzwald und quer durch die Republik von West nach Ost keine Region mehr, die von den Quambusch-Sparern nebst Lebensgefährtinnen noch nicht bereist wurde, absolut gesellig, versteht sich. Daneben gibt es von dem Angesparten auch jährlich die Herrentour. „Die ist nicht zwangsläufig an Himmelfahrt,“ räumt Bischoff ein.

Männer der ersten Stunde

Neben den Herren Friedhelm Bischoff und Lothar Wege sind noch zwei weitere Gründungsmitglieder dabei: Rolf Nicolassen und Willi Stricker. Mit seinen 89 Jahren ist Stricker auch das älteste Clubmitglied und lässt keine Fahrt aus. Der jüngste Sparer im Hasper Club ist übrigens gerade Mitte zwanzig. Und so manche Mitglieder sind bereits in der dritten Generation dabei. „Wir haben hier die unterschiedlichsten Charaktere versammelt und es prallen viele verschiedene Meinungen aufeinander. Aber letztlich sind wir eine lockere und beständige Gemeinschaft, von der jeder etwas Positives mitnimmt,“ beschreiben die Gründungsmitglieder den über all die Jahrzehnte aufrechtgehaltenen Zweck des ’Vereins’. Der Sparclub ist wie eine Klammer, die trotz der verschiedensten Lebenswege alle Beteiligten doch zusammenhält.

Neue willkommen

Zur Zeit befüllen noch 17 Mitglieder ihre Sparkästen, nach wie vor bei Polifka. Nur der Sparbetrag hat sich natürlich geändert: mit 50 Euro im Monat kommt bis Jahresende eine Summe zusammen, mit der sich’s gesellig leben lässt. „Wir sind aber keine so eingefleischte Gemeinschaft, als dass wir nicht offen für Neulinge wären,“ so Lothar Wege. „Wer meint, er lebe zu einsam oder brauche ein wenig mehr Gemeinschaft, der trifft in unserer Mitte garantiert die Richtigen, gleich, welchen Alters,“ lädt auch Friedhelm Bischoff zum nebensächlichen Mitsparen ein. Wer es ausprobieren mag: Jeden Dienstag um 19 Uhr trifft man etliche Mitglieder des Sparclubs Quambusch in der Gaststätte Polifka im Jungfernbruch.