Nicht nur kalte Winter treiben Heizkosten hoch

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Nicht nur die kalten Winter sind schuld: Fehlerhafte Heizkostenabrechnungen können Mietern teuer zu stehen kommen.(Foto: Rainer Sturm/pixelio.de)

Hagen. Im Frühjahr wird es für viele Mieter teuer. Sie bekommen Post von ihrem Vermieter, der die Betriebskosten abrechnen will. Bestandteil dieser Betriebskosten sind in vielen Fällen, wenn die Wohnung nicht – zum Beispiel mit einer Gasetagenheizung – separat beheizt wird, die Heizkosten. Der Wochenkurier befragte zu diesem Thema den Rechtsanwalt Stefan Wintersohle, der auch für die hiesigen Mietervereine arbeitet.

Wochenkurier: Herr Wintersohle, warum gehen die Kosten für Heizung meistens nur in eine Richtung – nach oben?

Stefan Wintersohle: Das hat natürlich in erster Linie mit den gestiegenen Brennstoffpreisen zu tun. Die sind zwar in der jüngsten Vergangenheit etwas gefallen; aber insbesondere der Ölpreis ist jetzt wieder kräftig in die Höhe geklettert.

Wk: Und wenn man als Mieter selbst Vertragspartner des Versorgers ist, kann man dann den Lieferanten wechseln?

SW: Das kann man tun – auch ohne Erlaubnis des Vermieters. Aber es ist Vorsicht geboten. Egal ob man den Strom- oder den Gasversorger wechseln will, vorher sollte man sich auf jeden Fall gründlich informieren. Das kann man einfach im Internet. Oder Sie fragen die Verbraucherzentrale. Auch der Mieterverein kann helfen.

Wk: Was kann man noch tun, um die Heizkosten zu senken?

SW: Es gibt viele Möglichkeiten, Energie zu sparen. Aber auch Fehler in der Heizkosten-Abrechnung können für eine zu hohe Summe verantwortlich sein.

Wk: Wie kann ich als Laie denn ein so kompliziertes Papier kontrollieren?

SW: Man muss sich natürlich gründlich mit der Materie beschäftigen. Für die Mitglieder unserer Mietervereine geben wir kostenlos Hilfestellung. Aber an dieser Stelle gebe ich ein paar Tipps, worauf man besonders achten sollte. Häufige Fehler in den Heizkosten-Abrechnung sind: Der Brennstoffverbrauch wird falsch berechnet, die Aufteilung der Kosten auf die einzelnen Mietparteien ist nicht nachvollziehbar oder die Ausgaben für den Betriebsstrom, die Wartung oder das Ablesen der Heizung sind zu hoch angesetzt.

Wk: Gibt es eine Faustregel, mit der ich schnell und einfach feststellen kann, ob mein Vermieter zuviel Geld von mir haben will?

SW: In der Tat, die gibt es. Vom Deutschen Mieterbund wird jährlich ein sogenannter Betriebskostenspiegel herausgegeben, dessen Bestandteil auch die Heizkosten sind. Das kann aber nur als grober Richtwert genutzt werden. Man rechnet – allerdings über alle Brennstoffarten – im Durchschnitt pro Quadratmeter Wohnfläche und Monat etwas mehr als einen Euro.

Wk: Wie werden die Heizkosten abgerechnet?

Mieterverein Heizkosten Wintersohle
Rechtsanwalt Stefan Wintersohle. (Foto: Mieterverein)

SW: Die Abrechnung umfasst einen Zeitraum von einem Jahr, wobei es nicht zwingend ein Kalenderjahr sein muss. Der Vermieter ist grundsätzlich verpflichtet, eine verbrauchsabhängige Abrechnung zu erstellen. Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass nur ein Teil der Kosten, nämlich zwischen 50 und 70 Prozent, nach dem Verbrauch abgerechnet werden dürfen. Die restlichen 30 bis 50 Prozent werden meist entsprechend der Wohnfläche verteilt.

Wk: Was steht auf der Rechnung?

SW: Jede Heizkostenabrechnung beginnt mit der Aufstellung aller Heizkosten. Der erste Teil umfasst die Kosten für den Brennstoffkauf, also die Ausgaben für beispielsweise Fernwärme, Gas oder Öl. Neben dem Energieverbrauch enthält die Heizkostenabrechnung auch die sogenannten Heiznebenkosten. Dazu zählen Wartungskosten der Heizung, Gebühren der Heizkostenverteilung und für den Schornsteinfeger sowie Betriebsstromkosten der Heizungsanlage.

Wk: Was sind die häufigsten Gründe für überhöhte Abrechnungen?

SW: Viele Mieter zahlen unnötig hohe Heizkosten, weil Heizungsanlagen veraltet sind und unwirtschaftlich arbeiten oder Häuser nicht ausreichend wärmegedämmt sind. Häufig sind außerdem die Heiznebenkosten (unter anderem Betriebs­strom, Gebühren für Messdienst oder Wartung für Heizungsanlage) viel zu hoch. Mit dem „Heizspiegel“, der jedes Jahr herausgegeben wird, finden Mieter heraus, ob ihre Heizkostenabrechnung zu hoch ist.

Wk: Welche Fehler treten immer wieder auf?

SW: Die Abrechnung kommt verspätet, der Verteilerschlüssel ist falsch, die Verbräuche sind zu Unrecht geschätzt worden oder bei einem Mieterwechsel sind die Kosten falsch zwischen ein- und ausziehendem Mieter verteilt worden. Außerdem setzen viele Vermieter bei der Wohnfläche zu viele Quadratmeter an. Auch dürfen Heizkosten für leerstehende Wohnungen im Haus nicht auf alle Mieter umgelegt werden. Im Zweifel sollte die Abrechnung vom örtlichen Mieterverein überprüft werden.

Wk: Können Mieter die Unterlagen einsehen, auf deren Basis der Vermieter die Heizkostenabrechnung erstellt?

SW: Ja. Sie haben das Recht, bei ihm oder der Hausverwaltung Einsicht in die Belege zu nehmen. Der Vermieter muss erlauben, dass sich Mieter Notizen machen oder die Unterlagen fotografieren. Er kann die Belege auch als Fotokopien versenden. Ein Rechtsanspruch hierauf besteht allerdings i.d.R. nicht.

Wk: Bis wann muss die Abrechnung im Briefkasten sein?

SW: Die Nebenkosten müssen spätestens ein Jahr nach dem Abrechnungszeitraum abgerechnet sein. Wenn dieser Zeitraum bis zum 31. Dezember 2018 geht, muss die Abrechnung also spätestens am 31. Dezember 2019 im Briefkasten sein. Kommt sie später, muss der Mieter nichts nachzahlen, hat aber weiterhin Anspruch auf die Abrechnung.

Wk: Wie kann man sich gegen überhöhte Rechnungen wehren?

SW: Mieter sollten bei offensichtlich überhöhten Kosten schnell vom Vermieter detaillierte Auskunft verlangen. Bei offenkundigen Fehlern kann eine Neu-Abrechnung verlangt werden. Hilfe bei der Prüfung der Rechnung bietet auch der örtliche Mieterverein kostenlos seinen Mitgliedern.

 

 

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