Nierentisch und Goggo

Hagen. (je) Ende der 1940er-Jahre begann im Westen Deutschlands ein ungeheurer Aufschwung. Die Währungsreform 1948 beendete den bis dahin weit verbreiteten Tauschhandel und die Schwarzmarktwirtschaft nahezu über Nacht. Die Regale füllten sich wieder mit Waren, der Wiederaufbau konnte in die Vollen gehen …

Wenn wir heute auf diese Zeit zurückschauen, sprechen wir meist von der Wirtschaftswunderzeit. Doch die 1950er-Jahre nur unter dem wirtschaftlichen Blickwinkel zu betrachten, greift zu kurz. Der Gewinn des ersten Fußball-Weltmeistertitels 1954, die neuen Urlaubsfahrten – vor allem nach „Bella Italia“ -, die abstrakte Kunst und die „Nierentische“ stehen in Deutschland ebenfalls für jene Epoche.

Eine unterhaltsame Rückschau auf die 1950er Jahre in Hagen: „Goggo, Gummibaum & Nierentisch“. Herausgeber ist der Hagener Heimatbund (HHB) in Zusammenarbeit mit dem heimischen Ardenkuverlag. Das Buch wird am Samstag vorgestellt. (Foto: Ardenku)
Eine unterhaltsame Rückschau auf die 1950er Jahre in Hagen: „Goggo, Gummibaum & Nierentisch“. Herausgeber ist der Hagener Heimatbund (HHB) in Zusammenarbeit mit dem heimischen Ardenkuverlag. Das Buch wird am Samstag vorgestellt. (Foto: Ardenku)

Die 1950er-Jahre in Hagen

In dieser Woche erscheint ein neues Buch über diese Zeit, an die zahlreiche Volmestädter und Volmestädterinnen garantiert noch beste Erinnerungen haben. Herausgeber ist der Hagener Heimatbund (HHB) in Zusammenarbeit mit dem heimischen Ardenkuverlag. Unter den Autoren sind die beiden HHB-Vorsitzenden Jens Bergmann und Michael Eckhoff ebenso wie Arne Bergmann, Dr. Ralf Blank, Claus-Uwe Derichs, Petra Holtmann und Dr. Gerhard E. Sollbach.

Ardenkuverlag und Hagener Heimatbund haben ihre unterhaltsame Rückschau unter dem Titel „Goggo, Gummibaum & Nierentisch – Die 50er-Jahre in Hagen“ vorgelegt. Erscheinen wird sie in dieser Woche. Beide – Verlag und HHB – laden daher zur offiziellen Vorstellung am Samstag, 30. November 2013, um 11 Uhr ins Thalia-Literaturcafé, Elberfelder Straße 31, ein.

Gloria, Steinhoff und Basketball

Die 50er Jahre…, das war in Hagen auch die Zeit, als die Kinos noch Gloria, Odeon, Deli, Lichtburg oder Olympia hießen, das Freibad am Ischeland entstand, am Rehsieper Weg große Erfolge im Feldhandball gefeiert wurden und man im „Parkhaus“ tanzte. Als der Kaufhof eröffnete und Emil Schumacher noch Entwürfe für die Ausschmückung von Hagener Schulen und Turnhallen schuf. Es war die Zeit des Wiederaufbaus unter Oberbürgermeister Fritz Steinhoff und Stadtbaurat Knipping. Und die Zeit, als der Basketballsport in Hagen unter Jochen Höfig seine ersten großen Schritte in eine erfolgreiche Zukunft unternahm.

Verlegerin Petra Holtmann weiß: „Wohlstand, Wirtschaftswunder und Wiederaufbau bildeten die prägenden Elemente der fünfziger Jahre; Konrad Adenauer, Kurt Schumacher und Theodor Heuss bestimmten die Geschicke der noch jungen Bundesrepublik Deutschland. In Hagen waren es Persönlichkeiten wie Fritz Steinhoff, Willi Weyer und Liselotte Funcke, die die Grundlagen für den vorbildhaften Wiederaufbau und guten Ruf der Stadt legten.“

Es war das Jahrzehnt der Käfer, Nylonstrümpfe und ersten Fernseher, die Jahre von Goggo, Gummibaum und Tütenlampe, aber auch die Zeit der Trümmerräumung, Wohnungsnot und Spätheimkehrer. Eine Zeit des Anpackens und der Zuversicht nach dem Motto „Hurra, wir leben noch!“. Das neue Buch präsentiert diese faszinierenden Jahre des Aufbruchs aus der Hagener Sicht, aus der Perspektive der Männer mit Zigarren, der Frauen in Petticoats und der Kinder in ihren Seifenkisten.

Die Fotos lassen ein lebendiges und facettenreiches Bild der Wiederaufbaujahre entstehen, und die Erinnerung an Vergessenes – vom Bunkerkaufhaus bis Villosa, von Hafri bis Helmert – wach werden. Das Buch enthält 224 Seiten und kostet 25 Euro.