Noch fit am Steuer?

Hagen. (Red.) Immer wieder sorgen Senioren am Steuer für Negativschlagzeilen: Hier der 85-jährige Geisterfahrer, dort der spektakuläre Unfall, verursacht von einer 78-Jährigen. Doch handelt es sich dabei „nur“ um aufsehenerregende Einzelfälle – oder geht von Menschen im fortgeschrittenen Alter hinter dem Steuer ein allgemeines Verkehrsrisiko aus?

Eine eindeutige Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Denn nach Angaben des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) macht zwar der Bevölkerungsanteil der über 65-Jährigen rund 20 Prozent aus, an Unfällen ist diese Altersgruppe aber nur in 12 Prozent aller Fälle beteiligt. Andererseits ist klar: Mit fortschreitendem Lebensalter lässt die körperliche und geistige Fahrfitness unweigerlich nach.

Doch woran erkennt man die eigenen Defizite? Lässt sich die Fahrtüchtigkeit mit Trainings verbessern? Wann sollte man vielleicht seinen Führerschein freiwillig abgeben? Und wie bleibt man im Alter trotzdem mobil? Antworten geben die Experten am Wochenkurier-Lesertelefon.

Mitfahrer merken es oft zuerst

Sehkraft, Beweglichkeit und Reaktionsvermögen lassen im Alter früher oder später nach – allerdings nicht von heute auf morgen. Den schleichenden Verlust von Fähigkeiten, die für sicheres Fahren entscheidend sind, bemerken die Betroffenen selbst meist kaum. Es sind vielmehr die Angehörigen, denen Veränderungen zuerst auffallen: Unsicherheit beim Abbiegen, abrupte Fahrspurwechsel, Schwierigkeiten beim Einparken oder ein übervorsichtiger Fahrstil können Hinweise auf altersbedingte Einschränkungen der Fahrsicherheit sein.

Weisen Mitfahrer auf ihre Beobachtungen hin, stoßen sie nicht selten auf Unverständnis und Ablehnung, oft mit dem Hinweis auf die jahrzehntelange Fahrpraxis. Doch die bezieht sich lediglich auf das Verhaltensgedächtnis, mit dessen Hilfe erlernte Handlungsabläufe automatisch ausgeführt werden. Das Nachlassen der körperlichen Fähigkeiten gleicht die Routine hinter dem Steuer nicht aus.

Biologisches Alter zählt

Auch wenn für alle derselbe Kalender gilt: Menschen altern unterschiedlich schnell. Während die einen mit Mitte oder Ende Sechzig topfit sind, joggen, Rad fahren und anspruchsvollen Hobbys nachgehen, bauen andere schon früher ab – nicht zuletzt durch Krankheiten bedingt. Eine pauschale Aussage über den Zusammenhang von Alter und Fahrfitness ist schon deshalb kaum möglich. Dennoch sprechen die Unfallstatistiken eine deutliche Sprache.

So stellt das Statistische Bundesamt in seinem Bericht „Unfälle von Senioren im Straßenverkehr 2014“ fest: Waren über 64-jährige Pkw-Fahrer in einen Unfall verwickelt, trugen sie sehr häufig – in 66,9 Prozent der Fälle – die Hauptschuld. Bei den über 75-Jährigen waren es sogar 74,9 Prozent. Auch laut Unfallforschung der Versicherer (UDV) ist statistisch gesichert, dass Zahl und Schwere selbst verursachter Unfälle jenseits des 75. Lebensjahres deutlich zunehmen.

Am besten testen?

Anders als in anderen europäischen Ländern wie Portugal oder Italien sind Tests zur Überprüfung der Fahrsicherheit im Alter bei uns gesetzlich nicht vorgeschrieben. Organisationen wie der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) setzen auf freiwillige Gesundheits-Checks. Alters- und krankheitsbedingte Veränderungen können bei einem Arztbesuch diagnostiziert und in vielen Fällen auch erfolgreich behandelt werden. Zudem empfiehlt der DVR, alltagstypische und schwierige Fahrsituationen in speziellen Praxistrainings zu üben.

Eine verpflichtende Eignungsuntersuchung lehnt auch die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) ab: Ein Nutzen sei durch Erfahrungen in anderen Ländern bisher nicht belegt worden.

Stattdessen sollten Möglichkeiten entwickelt werden, die altersbedingte Leistungseinbußen besser ausgleichen, zum Beispiel bessere Fahrerassistenzsysteme und alternative Formen der Mobilität.

Fragen klären, sicher fahren

Wie kann ich selbst erkennen, ob meine Fahrfitness sich altersbedingt verändert hat? Wie spreche ich das Thema am besten bei meinem Partner, meiner Partnerin an? Können meine Medikamente die Fahrtüchtigkeit beeinflussen? Wo kann ich einen Fahrfitness-Check machen und was kostet dieser? Kann mir mein Arzt das Autofahren verbieten? Ich wohne auf dem Land und kann auf mein Auto nicht verzichten, welche Alternativen gibt es?

Diese und alle weiteren Fragen zum Thema beantworten unsere Experten am Donnerstag, 14. Januar, zwischen 15 und 18 Uhr am gebührenfreien Wk-Lesertelefon. Zu Antworten stehen bereit:

  • Tatjana Contzen, Pädagogische Leiterin des VK (Verkehrskolleg) Leverkusen,
    Rufnummer 0800/ 2811 811-1
  • Sandra Demuth, Referatsleiterin Öffentlichkeitsarbeit Initiativen/Veranstaltungen, Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR), Bonn,
    Rufnummer 0800/ 2811 811-2
  • Michael Heißing, Referent für Verkehrspsychologie bei der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), Bergisch Gladbach,
    Rufnummer 0800/ 2811 811-3
  • Prof. Dr. Georg Rudinger, Sprecher des Zentrums für Alternskulturen (ZAK) an der Universität Bonn, Mitglied des Expertenrats der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO), Herausgeber des Fachbuchs „Ältere Verkehrsteilnehmer – Gefährdet oder gefährlich?“,
    Rufnummer 0800/ 2811 811-4