Ob Erik O. Schulz: Die ersten 100 Tage

Hagen. (ME) Seit hundert Tagen ist Erik O. Schulz als Hagener Oberbürgermeister im Amt. Natürlich ging es Schulz so, wie es allen Menschen an einem neuen Arbeitsplatz geht: er musste erst einmal lernen, lernen, lernen. Da galt es, die wichtigsten Mitarbeiter im Rathaus kennenzulernen, sodann zahlreiche Kollegen und Kolleginnen aus den Nachbarstädten, den Regierungspräsidenten und seine wichtigsten Mitarbeiter, zahllose Vertreter diverser Vereine und Institutionen und nicht zuletzt die vielen neuen Ratsmitglieder.

Und noch etwas musste er lernen: Abschied zu nehmen von einer relativ angenehmen 45- bis 50-Stunden-Woche. „Abgesehen von ein paar wenigen Urlaubstagen mit meiner Familie im Sommer gab es seit meiner Wahl vor einem Vierteljahr nur einen einzigen Wochenendtag ohne dienstlichen Termin,“ verweist Schulz auf seinen neuerdings prallgefüllten Kalender. „Dass dies so kommen würde, war mir natürlich im Vorfeld klar. Aber die Wucht, mit der alles über einen hineinbricht, ist schon brutal,“ sagt Schulz.

Drei „dicke Brocken“

Insbesondere drei „dicke Brocken“ haben in den letzten Wochen seinen Tagesablauf im Rathaus maßgeblich beeinflusst:

Da waren erstens die Nachwirkungen der „Derivate-Affäre“. Vor etlichen Jahren hatte die Stadt bekanntlich unter der damaligen Stadtkämmerin Annkathrin Grehling versucht, mit Hilfe von Zinswetten ein paar hunderttausend Euro ins Stadtsäckel zu holen. Anfangs schein dies auch zu funktionieren. Doch alsbald entwickelten sich diese Wetten zum sündhaft teuren Desaster. Erst jetzt – kurz nach dem Amtsantritt von Schulz – wurde von der Stadt Hagen ein endgültiger Schlussstrich gezogen.

Der zweite „dicke Brocken“ gilt dem Haushalt. Kaum im Amt, musste Schulz bereits so manche „finanzielle Hiobsbotschaft“ verdauen. Die Einnahmen aus der Gewerbesteuer flossen im Verlauf des Jahres nicht so, wie dies bei einer früheren Prognose erhofft worden war. Knapp 90 Millionen Euro wurden einkalkuliert. Doch aufgrund verschiedener Entwicklungen wird am Ende des Jahres nur mit einem deutlich geringeren Betrag zu rechnen sein. Etwa 20 Millionen Euro werden in der Kasse fehlen. Und so musste Kämmerer Christoph Gerbersmann Anfang September eine Haushaltssperre verordnen. Unter anderem wurden die Ausgaben für diverse Dienstleistungen deutlich reduziert. „Das tat schon weh!“, bilanziert Schulz.

Und der „dritte Brocken“ hat mit der Enervie/Mark-E zu tun, deren Aufsichtsratsvorsitzender Erik O. Schulz neuerdings ist, ein Amt, das mit der Hagener OB-Funktion gekoppelt ist. Bei der Mark-E müssen aktuell grundlegende Entscheidungen für die Zukunft getroffen werden. Dies betrifft den Energiesektor ebenso wie die Wasserversorgung. Da stand Schulz mehrfach vor dem Problem, „mal eben“ über Nacht immens dicke Gutachten lesen zu müssen, um überhaupt mitreden zu können. „Um die 30 Sitzungen – meist viele Stunden lang – hat bislang allein die Mark-E verschlungen,“ berichtet Schulz.

Viel Spaß

Doch es kam in den ersten hundert Tagen nicht immer knüppeldicke. „Etliche angenehme und bereichernde Begegnungen mit Menschen der verschiedensten Art und aus den verschiedensten Bereichen haben richtig Spaß gemacht,“ weiß Schulz zu erzählen. Das „Ohr für den Bürger“ will sich Schulz denn – allem Termindruck zum Trotz – auch unbedingt erhalten. Schließlich möchte der gebürtige Hagener im Verlauf der Amtszeit erreichen, dass sich vielmehr Hagener als bislang mit ihrer Heimatstadt identifizieren.