OB Jörg Dehm: „Künftig mit noch mehr Kraft für Hagen“

Hagen. (ME) Eigentlich gibt es in Hagen reichlich zu tun, doch momentan – so scheint’s – interessieren sich alle Politiker und auch einige Bürger nur noch für eins: Wo wohnt der Oberbürgermeister? Darf er in Mülheim an der Ruhr leben und an der Volme arbeiten?

Oberbürgermeister Jörg Dehm: „Ich bin kein bisschen amtsmüde - im Gegenteil. Ich habe mit der Annahme meiner Wahl eine Verpflichtung übernommen und dieser Verantwortung stelle ich mich mit voller Kraft.“ (Foto: Olaf Somborn)
Oberbürgermeister Jörg Dehm: „Ich bin kein bisschen amtsmüde – im Gegenteil. Ich habe mit der Annahme meiner Wahl eine Verpflichtung übernommen und dieser Verantwortung stelle ich mich mit voller Kraft.“ (Foto: Olaf Somborn)

Ende Mai löste Jörg Dehm (CDU) seine rund 100 Quadratmeter große Wohnung in Wehringhausen auf und ließ sämtliche Möbel in seine Heimatstadt Mülheim transportieren. Das setzte die Gerüchteküche mächtig unter Dampf und mobilisierte Freund und Feind. Die daraus resultierende Schlüsselfrage umtreibt die Menschen: Kann ein Oberbürgermeister ein gutes Stadtoberhaupt sein, ohne dass er vor Ort wohnt? Man könnte den Spieß auch umdrehen: Waren Dehms Vorgänger Peter Demnitz, Wilfried Horn, Dietmar Thieser und Renate Löchter gute Oberbürgermeister, weil sie in Hagen wohnten? Sicherlich sind sich fast alle Leser einig in der Bewertung: Mindestens bei der Hälfte dieses Quartetts wird der Daumen nach unten gesenkt!

„Kein bisschen amtsmüde“

Für Jörg Dehm ist die Frage schnell beantwortet: „Klar kann man das! Denn meine Entscheidung, den Wohnsitz in der Volmestadt aufzugeben, war keine Entscheidung gegen Hagen. Und ich bin auch kein bisschen amtsmüde – im Gegenteil. Ich habe mit der Annahme meiner Wahl eine Verpflichtung übernommen und dieser Verantwortung stelle ich mich mit voller Kraft. Ich möchte mehrere Prozesse, die ich hier angestoßen habe, unbedingt bis 2015 zum Ende bringen. Bis dahin bin ich gewählt.“

Aber so sehr, wie ihm Hagen amtlich-politisch am Herzen liegt, ist ihm auch sein privates, sein familiäres Umfeld wichtig: „Um gut arbeiten zu können, brauche ich meine Familie. Sie gibt mir Kraft und hält mir den Rücken frei.“ Und er ergänzt: „Alle Welt redet von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das muss doch auch für Politiker und Spitzenbeamte gelten.“ Dehm erläutert seine Situation: „Meine Familie ist seit Generationen in Mülheim verwurzelt. Wir besitzen dort ein Eigentum – von meiner Oma erbaut mit Geld, das sie sich einst vom Munde abgespart hat. Das gibt man nicht ‚mal eben‘ auf. Das geht auch gar nicht. Das Haus ist ein Mahrfamilienhaus. Ein Mehrgenerationenhaus. Denn darin wohnen nicht nur meine Frau und ich, sondern auch meine Eltern und Schwiegereltern. Sie sind nicht mehr die jüngsten. Der Betreuungsbedarf wächst, davon ist insbesondere meine Frau betroffen. Hinzu kommt, dass meine Tochter, die mit mir in meiner Wehringhauser Wohnung gelebt hat, in Kürze eine Ausbildung nahe Mülheim antritt.“

Andere pendeln ebenfalls

All diese persönlichen Gründe zusammen haben ihn dazu bewogen, seine Wehringhauser Wohnung aufzugeben. „Ich will doch die Hagener damit nicht ärgern!“ Im Übrigen sieht Dehm persönlich überhaupt kein Problem darin, tagtäglich von der Ruhrstadt aus in die Volmestadt zu pendeln. In der Tat: Zahllose Arbeitnehmer müssen ebenfalls Tag für Tag wesentlich weitere Strecken bewältigen, um zum Arbeitsplatz zu gelangen, sie touren etwa nach Köln, Düsseldorf oder gar nach Aachen.

Auch andere Hagener Spitzenbeamte pendeln. Dehms Stellvertreter beispielsweise: Dr. Christian Schmidt – einst mit Hilfe von Grünen und SPD ins Amt gelangt – wirkt seit über 20 Jahren in Hagen als Beigeordneter, doch er hat noch nie eine Minute an der Volme gewohnt. Ähnliches gilt für einen anderen Verwaltungschef-Vorgänger Dehms – für den einstigen Oberstadtdirektor Dietrich Freudenberger (SPD). Der Mann gilt in der Rückschau als ein hervorragender, ja schon fast überragender „Rathaus-Boss“ – auch er hat nie eine Sekunde lang im Dunstkreis der Volme gelebt.

Warum darf das, was bei Schmidt & Co. niemals ein Problem darstellte, für Dehm nicht auch gelten? Die „normalen Hagener“, danach befragt, sind in ihrer Auffassung gespalten. Die einen sehen es so wie Udo W.: „Mir ist völlig egal, wo der Oberbürgermeister wohnt, solange er seine Arbeit ordentlich bewältigt.“ Oder wie Karl-Heinz L.: „Die Prügel für Jörg Dehm sind ein Zeichen von kleinlichem Denken.“ Andere Hagener legen einen emotionelleren Maßstab an, so wie Georg R.: „Der Oberbürgermeister ist nicht nur ein Manager, sondern ebenso ein Repräsentant dieser Stadt. Er muss deshalb unbedingt hier leben.“

Keine erneute Kandidatur

„Hier leben“: Diesen Blickwinkel nimmt inzwischen auch die Hagener CDU ein. „Es ist aus der Sicht der Hagener CDU eine Notwendigkeit, dass der OB während seiner Amtszeit seinen Wohnsitz in Hagen haben sollte. Gemeinsam stimmen OB Jörg Dehm und die CDU darin überein, dass eine erneute Kandidatur für das Amt des Oberbürgermeisters nach Ablauf dieser Wahlperiode nicht mehr erfolgen wird.“

Gleichwohl will die CDU gemeinsam mit OB Dehm den bisher eingeschlagenen Sparkurs bis 2015 fortsetzen. „Oberbürgermeister Jörg Dehm ist diese schwierige Aufgabe angegangen und hat in Abstimmung mit den anderen Fraktionen im Rat erreicht, dass Hagen auf dem Weg zu einem ausgeglichenen Haushalt ist.“ Die CDU wolle diese erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem OB vertrauensvoll und gemeinsam fortsetzen. Die CDU ist davon überzeugt, „dass sich Jörg Dehm weiterhin mit voller Kraft und ganzem Engagement für das Wohl der Stadt einsetzen wird“.