Ob Schrott, ob Hut, bei Blindert wird‘s zur Kunst

Peter Blindert
Peter Blindert gehört zwar zu den spannendsten, aber auch zu den bescheidensten Hagener Künstlern. Jetzt sind über 110 Werke aus seinem reichhaltigen Schaffen in einer großen Schau zu bewundern. (Foto: Michael Eckhoff)

Hagen. Mitten auf dem Hüttenplatz in Haspe steht ein Denkmal, genauer: ein Kunstwerk, das an die glorreiche Zeit der Hasper Hütte erinnern soll. Als in den 1970er Jahren die größten Teile des Hüttenwerks abgerissen worden waren, entstand die Idee, im neuen Zentrum etwas zu errichten, das an den Draht- und Stahlproduzenten erinnern sollte.

Der Auftrag erging seinerzeit an den jungen Hagener Peter Blindert. Der Künstler, den man in der Volmestadt vor allem als Bühnenmaler und -plastiker des Stadttheaters und des Jugendtheaters Lutz kennt, entwarf eine Art „Hochofen“, der fortan den Hüttenplatz überragen sollte. In leicht abgespeckter Variante wurde das unter anderem aus Backsteinen bestehende Kunstwerk dann tasächlich verwirklicht.

Vorliebe für Fundstücke

Für Peter Blindert ist ein derartiges Objekt typisch. Er liebt es, mit „Alltagsmaterialien“ zu experimentieren und zu gestalten. Fundstücke und Alltagsmaterialien gibt es in unendlicher Menge – nicht mehr benötigte Schuhe gehören dazu. Oder auch „olle Hüte“, Packpapier aus dem Malersaal, ein verschrotteter Kinderholzroller. Sogar Schnittlauch – oder Sperrholz – kann ein hervorragendes Ausgangsmaterial für eine spannende Auseinandersetzung sein. Man muss nur den künstlerischen Aspekt im jeweiligen Objekt sehen.

 

Hohe Qualität

Der einzigartige Picasso hat mal gesagt „ich suche nicht, ich finde“, ähnlich ergeht es Blindert. Auch er vermag es, in banalen Gegenständen eine hohe künstlerische Qualität zu entdecken und sie in bewundernswerter Weise zu verarbeiten. „Ich habe mein Leben lang gern gespielt“, erzählt Blindert schmunzelnd. Den großen Spieltrieb und die unbändige Lust am Experiment sieht man seinen Kunstwerken überaus deutlich an. Blindert steht gewissermaßen in der Tradition des großen, 1925 geborenen Schweizer Künstlers Jean Tinguely, dessen bewegliche „Maschinen-Plastiken“ vom Betrachter meist als heiter und verspielt, oft als witzig und manchmal auch als melancholisch erlebt werden.

Blindert ist fast ein Vierteljahrhundert jünger als Tinguely,. Doch genau wie bei dem Schweizer war auch bei Peter Blindert über die Jahre hinweg nicht nur die Beschäftigung mit „Schrott“, sondern ebenso mit „beweglichen Kunstwerken“ (Kinetik) ein herausragendes Thema. Blinderts Atelier am Bergischen Ring kommt eher einer „Wundertüte“ gleich, es steckt voller Dinge, die andere Menschen längst weggeworfen hätten, die aber bei ihm nur darauf warten, zu originellen Kunstwerken verarbeitet zu werden.

Akademie Düsseldorf

Blindert ist seit 2007 Frührentner, Klebstoffe und Farbdämpfe haben seiner Lunge zugesetzt. Er stammt eigentlich aus Münstereifel, hat einst erst in Wuppertal und ab 1975 an der berühmten Kunstakademie in Düsseldorf studiert. In Hagen gehörte er lange Zeit einem Kreis junger Künstlerinnen und Künstler an, wie Karl-Friedrich Fritzsche oder Barbara Wolff, die seinerzeit für reichlich Furore in der Volmestadt sorgten.

Peter Blindert war stets ein Künstler, der lieber im Hintergrund wirkte und stillvergnügt seiner „Kunst-Arbeit“ nachging und deshalb oft etwas weniger im Fokus stand als andere. Jetzt wird ihm aber eine große „Rückschau“ gewidmet. Im „roten Haus“, das ist eine Anwaltskanzlei an der Neumarktstraße, sind ab Freitag, 30. November, über 110 Werke Blinderts ausgestellt. Zur Eröffnung spricht um 19 Uhr mit Dr. Hubert Köhler ein langjähriger Weggefährte.