Oberverhinderer

Im Hagener Rathaus scheut man ungern Mühen und Kosten, sich lächerlich zu machen. Beispiel: die Sache mit den „Baumelbänken“ in der vergangenen Woche. Der CDU-Landtagskandidat Helmut Diegel hatte drei urige und – um ein besseres Baumeln der Beine zu ermöglichen – leicht erhöhte Holzbänke bei der Awo bestellt und sie in Absprache mit den Bezirksbürgermeistern in Helfe, Hohenlimburg und im Volkspark aufstellen lassen. Nach allem, was Tilo beobachten konnte, kam diese Spende bei den Menschen gut an. Zumindest die Baumelbank im Volkspark war tagsüber hervorragend genutzt.
Die Spende rief jedoch nach der Wochenkurier-Berichterstattung am vergangenen Mittwoch ratzfatz eine rathäusliche Beamten-Armada auf den Plan – umgehend drohte man Diegel allerlei Strafmaßnahmen an und zwang ihn zuletzt, zumindest die Volkspark-Bank „einzukassieren“.
Viele Bürger sind fassungslos über die Stadt Hagen. So schreibt Leserin Renate Rademacher: „Das Affentheater der Oberbedenkenträger und Oberverhinderer ist lachhaft, haben doch die Bezirksbürgermeister das Recht, eine Spende für die Bevölkerung anzunehmen, denn sie sind schließlich vom Volke gewählt. Die allgemeine Verwaltung muss dringend abgebaut werden, hat sie doch offenbar nichts Besseres zu tun, als ihre überflüssige Zeit zur Belästigung der Bürger zu verschwenden.“
Was hierzu der Vordenker der Linken im Hagener Rat, Ingo Hentschel, denkt, wissen wir nicht, aber auch er ist in den vergangenen Wochen auf eine breit aufgestellte Oberverhinderer-Armada im Rathaus gestoßen. Hentschel hatte vorgeschlagen, im städtischen Fuhrpark künftig ein Öldialysegerät einzusetzen – mit einem solchen Apparat könnte das bei den Stadt-Autos anfallende Altöl relativ einfach gerei­nigt und dann wieder eingefüllt werden. Das würde auf Dauer nicht nur viel Geld einsparen, sondern auch die Umwelt entlasten. In vielen großen Unternehmen – etwa bei der Rhön-Energie – kommen solche „Säuberer“ längst zum Einsatz, mit Erfolg.
Doch in Hagen wollte man dergleichen gar nicht erst in Augenschein nehmen. Die Oberbedenkenträger rund um Oberbürgermeister-Stellvertreter Christoph Gerbersmann witterten Garantieverluste und andere schlimme Dinge und warfen den Antrag des Volksvertreters Hentschel „mit Schmackes“ in den Rundordner.
So wird das mit der Volmestadt nix mehr.
Tilo