Hagen. Ein ausgefülltes Berufsleben, dann der lang ersehnte Ruhestand und mit ihm kommt sie oft: die Einsamkeit. Das soziale Umfeld bricht weg, der Alltagsablauf ist nicht mehr so geregelt wie früher, an die viele Freizeit muss man sich erst einmal gewöhnen.

„Viele fallen mit dem Renteneintritt erst einmal in ein tiefes Loch“, weiß Edith Weber, Gründungsmitglied der Frauen-ZWAR-Gruppe in Hagen. Alleine muss man in der Volmestadt allerdings nicht sein, sind sie und ihre Mitstreiterinnen sich einig. „Dafür gibt es unsere Gruppen sowohl für Frauen als auch gemischt.“

Über 50 Teilnehmerinnen mischen bei der rein weiblichen Gruppe mit, die vielen Interessen gerecht wird. Fotografieren, kochen, singen, wandern, Gesprächskreise, Besuche im Theater oder im Landtag – „Lebenslust statt Altersfrust“ heißt das Motto.

„Hier besteht die Möglichkeit, nette Menschen kennenzulernen und etwas gemeinsam zu unternehmen“, erklärt eine Teilnehmerin, die schon etliche Jahre dabei ist. Eine Freizeitgestaltung, die auffängt, Spaß macht und den Alltag bereichert. Manche Freundschaften sind hier bereits entstanden. Wer kein Auto hat, kann sich Fahrgemeinschaften anschließen und ist mobil. Die Gruppen geben Sicherheit und viele trauen sich etwas, was sie alleine vielleicht nicht gemacht hätten.

Vor 15 Jahren gründete sich die erste Hagener Frauen-ZWAR-Gruppe, deren Abkürzung für „Zwischen Arbeit und Ruhestand“ steht. Offen ist sie für jeden ab „50 plus“, also auch schon für Berufstätige, die sich für ihren Ruhestand wappnen wollen.

Streichung der Fördergelder

In die Wochenkurier-Redaktion sind die Frauen aber nicht nur gekommen, um ihre Aktivitäten vorzustellen, sie wollen auch protestieren. Denn die Landesregierung hat eine Streichung der Fördergelder beschlossen.

Insbesondere betroffen ist die Zentralstelle in Dortmund, die mit fest angestellten Mitarbeitern den Aufbau der Netzwerke unterstützt und begleitet. Mit Rat und Tat steht sie bei Gründungen zur Seite, gibt Hilfestellung, organisiert Fortbildungen und Seminare. Fallen die Gelder weg, so fällt auch die professionelle Hilfe weg.

Protest in Düsseldorf

Das wollen sich die ZWAR-Gruppen nicht bieten lassen. Auch die Hagener waren bereits fleißig: „ZWAR steht für gemeinsam – statt im Alter einsam“, „Alt mit ZWAR – wunderbar“ oder „ZWAR darf nicht sterben“ steht auf ihren Plakaten, die sie für die Demonstration am Mittwoch, 10. April, in Düsseldorf geschrieben haben. 500 Teilnehmer der 24 NRW-Gruppen haben sich bereits angemeldet. „Uns wird mit der Streichung der Boden unter den Füßen weggezogen, die Basis bricht weg“, befürchtet ein ZWAR-Mitglied.

Auch wenn die Hagener Gruppen autark arbeiten, so würden doch Weiterbildungen, Hilfestellungen und auch die Kontakte zu anderen Gruppen fehlen. Ebenso soll eine Petition helfen, die Interessen der Gruppen mit 10.000 Teilnehmern durchzusetzen. Die Hagener haben sich jetzt sogar an den SPD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Jörg gewandt, um ihn um Hilfe zu bitten.

Interesse?

Wer Interesse hat, bei der Demo mitzumachen (Treffpunkt ist die Landtagswiese) oder wer seinen Ruhestand bereichern möchte, ist immer willkommen: Jeden 4. Montag im Monat von 18 bis 20 Uhr trifft sich die Basisgruppe in der Villa Post in Wehringhausen. Viele weitere Informationen findet man auf der Homepage www.zwar-frauengruppe-hagen.jimdo.com oder im VHS-Heft.