Operieren im Urlaub

Hagen. (Red./ME) Dr. Britt Joester arbeitet als Fachärztin für Chirurgie und Handchirurgie im Altenhagener St.-Josefs-Hospital, dessen Träger die Katholische Krankenhaus Hagen gGmbH ist. Sie ist dort Oberärztin in der Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie. Seit 2009 operiert Britt Joester In ihrem Urlaub in Kamerun ehrenamtlich Menschen mit äußerlichen Verletzungen. In den dortigen Slums und Dörfern besteht ansonsten so gut wie keine medizinische Versorgung.

Die Mitglieder des Vereins Interplast-Germany führen unentgeltlich Operationen in Entwicklungsländern durch. Die behandelten Patienten leiden zum Beispiel unter Gesichtsfehlbildungen, Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten, Handfehlbildungen oder schweren Verbrennungsnarben.

Über diese Tätigkeit in Kamerun spricht Joester im Rahmen eines Vortrags am Dienstag, 29. September 2015, um 18 Uhr im Sparkassenkarree Hagen. Veranstalter ist die Stadt Hagen, Fachbereich Gesundheit und Verbraucherschutz. Der Eintritt ist frei. Im Vorfeld hat der Wk mit Dr. med. Britt Joester über ihre ehrenamtlichen Einsätze gesprochen:

Frage: Können Sie unserer Leserschaft kurz Ihren beruflichen Werdegang schildern?

Britt Joester: Schon während meines Medizinstudiums in Köln und München stand für mich fest, meine Facharztausbildung in einem chirurgischen Fach zu absolvieren. So begann ich nach meinem Studium die Ausbildung in der Allgemein- und Unfallchirurgie, zunächst in der Pfalz und später an der Schweizer Grenze. Im letzten Weiterbildungsjahr wechselte ich dann in die Plastische und Handchirurgie an einem Haus im Südschwarzwald und legte dort meine Facharztprüfung zur Chirurgin ab. Um meine Weiterbildung in der Handchirurgie zu vervollständigen, wechselte ich 2013 in die Abteilung von Dr. Kuhfuß hier in Hagen. Seit Januar 2015 bin ich Oberärztin in der Abteilung für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Handchirurgie des St.-Josefs-Hospitals.

Frage: Wann und wie kam der Kontakt zu dem gemeinnützigen Verein ’Interplast-Germany’ zustande?

Britt Joester: Im Rahmen meiner Weiterbildung war eine Rotation in einem der Häuser der dortigen GmbH vorgesehen. Hierbei lernte ich den dortigen Chef der Plastischen und Handchirurgie, Dr. A. Rudolph, kennen. Dieser engagiert sich seit Jahren für Interplast. Und so konnte ich bereits bei dem nächsten geplanten Einsatz 2009 ein Mitglied seines Teams werden.

Frage: Wie viele Einsätze hatten Sie denn bisher und in welchen Ländern?

Britt Joester: Seit 2009 habe ich an sechs Einsätzen teilgenommen. Da sich Interplast Germany auf einzelne Sektionen aufteilt, die sich bestimmten Ländern verschrieben haben, war ich bisher in Kamerun tätig.

Frage: Werden Sie denn für die Einsätze freigestellt und wer trägt die Reisekosten?

Britt Joester: Für die Einsätze nehmen die Teammitglieder in der Regel Urlaub. Ansonsten kommen auf die Teammitglieder nur die persönlichen Ausgaben während des Aufenthaltes hinzu. Die Flugkosten sowie der Transport vor Ort werden über Spendengelder und Jahresbeiträge seitens der Sektion getragen.

Frage: Wenn Sie im ’Hagener Gesundheitsforum’ von Ihrem ehrenamtlichen Einsatz als Chirurgin berichten wollen, was wollen Sie den Menschen nahe bringen?

Britt Joester: In meinem Vortrag möchte ich einen Einblick in die Arbeit vor Ort gewähren. In diesen Ländern ist die Versorgung der armen Bevölkerung nach wie vor kaum gegeben und zeigt uns immer wieder wie wichtig es ist, die Menschen dort durch unsere Arbeit zu unterstützen.

Frage: Von der Kenntnis über die Bereitschaft hin zum Handeln, wie haben Sie diesen Weg für sich gefunden?

Britt Joester: Da ich privat schon immer gerne gereist bin, um andere Kulturen und Länder kennenzulernen, war es nur ein kleiner Schritt, auch mein chirurgisches Wissen in der Ferne einzusetzen. Während der Einsätze kann ich unbürokratisch helfen und meine Kenntnisse weitergeben.

Der Wochenkurier bedankt sich für dieses Gespräch und wünscht: Britt Joesters Engagement möge durch ein großes Publikum belohnt werden.