Opern-Star freut sich auf „Carmen“-Premiere

Sie stammt aus Köln, mag’s „multikulti“, liebt ihre Familie - und ihren Beruf! Kristine Larissa Funkhauser, seit fünf Jahren am Hagener Theater, singt und spielt jetzt eine der schönsten Opernrollen überhaupt: die „Carmen“. Am Samstag, 8. Juni, um 19.30 Uhr öffnet sich der Vorhang zur Premiere. (Foto: privat)
Sie stammt aus Köln, mag’s „multikulti“, liebt ihre Familie – und ihren Beruf! Kristine Larissa Funkhauser, seit fünf Jahren am Hagener Theater, singt und spielt jetzt eine der schönsten Opernrollen überhaupt: die „Carmen“. Am Samstag, 8. Juni, um 19.30 Uhr öffnet sich der Vorhang zur Premiere. (Foto: privat)

Hagen. (AG) Die Oper „Carmen“ feiert am kommenden Samstag, 8. Juni 2013, Premiere am Theater Hagen. In der Titelpartie zu hören und zu sehen: Kristine Larissa Funkhauser. Seit fünf Jahren ist die Mezzo-Sopranistin Ensemblemitglied am Hagener Theater. Und freut sich auf diese Traumrolle in Georges Bizets Meisterwerk.

Larissa Funkhauser ist das, was man gemeinhin eine „Sympathieträgerin“ nennt: Obwohl sie in der Nacht vor dem Interview wegen einer Magenverstimmung kaum ein Auge zumachen konnte, sitzt sie nun über einer Tasse Tee und gibt bereitwillig Auskunft über ihre Arbeit und ihr Privatleben. Schwer zu glauben, dass sie schon Ende 30 sein soll. Zu ihrer jugendlichen Erscheinung tragen zum einen ihr Kurzhaarschnitt und das fröhliche Lachen bei. Vor allem aber scheint sie sich eine prinzipielle Neugier für ihre Umwelt bewahrt zu haben: freundlich und zugewandt betrachtet sie ihren Gesprächspartner. „Dann mal los!“, sagt sie.

Singen statt malen

Über eine Karriere als Sängerin hatte die gebürtige Kölnerin nie nachgedacht. „Eher zufällig“ wurde sie eines Tages gebeten, bei einem Schulfest ein Lied vorzutragen. Die Resonanz war so überwältigend, dass sie ihren ursprünglichen Plan, Malerei zu studieren, aufgab, und stattdessen beim Singen blieb. Da war sie 18. „Eigentlich ging dann alles sehr schnell“, erzählt Kristine Larissa Funkhauser. „Ich habe direkt im Anschluss eine Aufnahmeprüfung an der Hochschule in Düsseldorf gemacht und wurde genommen.“ Selbst 20 Jahre später scheint sie ihr Glück darüber noch nicht richtig fassen zu können. Nach dem Gesangsstudium in Düsseldorf und Köln folgte unmittelbar ein Soloengagement am Landestheater Detmold. Nach einer weiteren Station am Theater Osnabrück ist sie seit der Spielzeit 2007/08 in Hagen.

Kulturschock Hagen

„Für mich als eingefleischte Kölnerin war Hagen erst einmal eine Art ,Kulturschock’“, erinnert sie sich lachend. „Aber ich habe hier schnell Dinge gefunden, die mir sehr gut gefallen.“ Schön „multikulti“ sei Hagen nämlich, ähnlich wie Köln. Und: „Die Menschen hier sind sehr herzlich und offen.“

Multikulti lebt die Sängerin auch privat: ihr Mann ist türkischer Herkunft. Mit ihm, einem Pianisten und Klavierlehrer, und dem gemeinsamen Sohn lebt sie in Köln, unterhält aber auch eine Wohnung in Hagen. Dass sie trotz der familienfeindlichen Proben- und Arbeitszeiten auch nach der Geburt des Kindes vor vier Jahren ihren Traumberuf ausüben kann, hat sie der tatkräftigen Unterstützung durch die Familie zu verdanken: „Wir wohnen mit meinen Schwiegereltern im selben Haus. Ohne die wären wir verloren!“

Auch deswegen hat sie ihre Heimatstadt Köln trotz aller Sympathie zu Hagen nicht aufgeben können. „So ein Kind stellt das Leben total auf den Kopf“, sagt Kristine Larissa Funkhauser. „Man nimmt nicht mehr jede Premierenfeier mit oder verquatscht sich nach den Proben bis spät in die Nacht. Und zu Hause gibt jetzt ein anderer die wichtigen Themen vor. Mich hat die Geburt meines Sohnes geerdet, ich nehme mich selbst und meine Arbeit nicht mehr so wichtig.“ Ein angenehmes Gefühl? „Ja, auf jeden Fall! Nicht nur für mich, auch für meine Umgebung.“ Und sie fügt augenzwinkernd hinzu: „Operndiven sind anstrengende Menschen!“

„Gegen die Wand“

Auch wegen ihres persönlichen Hintergrundes liegen Kristine Larissa Funkhauser Projekte wie „Gegen die Wand“ besonders am Herzen. Die Oper feierte vor zwei Jahren Premiere am Theater Hagen und wurde konsequent deutsch-türkisch inszeniert. Die Sängerin spielte darin eine junge Türkin. Ein anderes Mal organisierte sie einen türkischen Liederabend: „Dafür habe ich hier in Hagen echt die Werbetrommel gerührt, gerade in der türkischen Gemeinde. Aber die Resonanz war leider verhalten.“ Woran das liegen mag? „Die Leute scheinen Angst zu haben vor dem, was sie als deutsche ,Hochkultur’ begreifen. Vielleicht denken sie, dass sie nicht dazupassen, dass sie stören. Das ist natürlich Quatsch! Wenn wir in dieser Hinsicht noch Fortschritte machen könnten, wenn unser Publikum im Theater ein bisschen mehr die Struktur der Stadt widerspiegeln würde, das würde mich freuen.“

„Facettenreich“

Doch am 8. Juni steht nun erst einmal die Premiere von „Carmen“ an. „Carmen ist natürlich die Traumpartie für einen Mezzosopran“, schwärmt Kristine Larissa Funkhauser. Doch abgesehen davon, dass die Rolle gut zu ihrer Stimme passt, freut sie sich über den großen schauspielerischen Anteil, den die Oper fordert. „Carmen ist eine sehr facettenreiche und interessante Figur. Regisseur Anthony Pilavachi und ich haben auch zum Glück ähnliche Vorstellungen davon, was wir in ihrem Charakter zeigen wollen.“

Überhaupt ist sie mit der Probenarbeit sehr zufrieden. „Wir sind alle begeistert von unserem Regisseur. Er hat ein klares Konzept und bleibt nah an der Musik. Aber er hat auch neue Ideen, die man so noch nicht gesehen hat und zu denen ich jetzt natürlich noch nichts sagen kann.“ Wirklich nicht? „Nein, das muss bis zur Premiere Überraschung bleiben!“. Ein kleines Geheimnis verrät sie schließlich doch: Einmal muss sie als „Carmen“ mit einer Vespa auf die Bühne fahren. „Dabei saß ich noch nie in meinem Leben auf so einem Ding! Das ist echt aufregend für mich.“ Wir wünschen schon einmal: Toi, toi, toi!

Für die Opern-Premiere am 8. Juni 2013, 19.30 Uhr gibt es noch wenige Restkarten. Weitere Vorstellungen sind am 28. Juni, 3. Juli und 10. Juli, jeweils um 19.30 Uhr.

Einführungen zu „Carmen“ werden am 8., 11. und 14. Juni 2013, jeweils eine halbe Stunde vor der Aufführung im Theatercafé angeboten.

Tickets gibt’s unter Telefon 02331/ 207-3218, www.theater.hagen.de, an allen Hagener Bürgerämtern, Telefon 02331 / 207-5777, sowie im wochenkurier-Reisebüro, Frankfurter Straße 90.