Organspende: Hohes Alter kein Hinderungsgrund

Hagen. (mal/AnS) Viele Leser nutzten die Gelegenheit, sich bei der Wochenkurier-Telefonaktion zum Thema „Organspende“ zu informieren. Die Beraterinnen vom Infotelefon – einem Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Stiftung Organtransplantation und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung – standen Rede und Antwort. Hier die häufigsten Fragen:

Ich hatte Krebs. Könnte ich noch Organspender sein?

Ob Organe entnommen werden können, entscheidet sich erst im Falle eines Hirntodes und des Gesundheitszustandes zu diesem Zeitpunkt. Generell kann man fünf Jahre nach einer therapierten Krebserkrankung wieder Organspender sein. Es ist sinnvoll, schwere Erkrankungen – und wann sie auftraten – auf dem Ausweis kurz zu vermerken. Dafür gibt es auf der Rückseite des Ausweises die Zeile „Anmerkungen“.

Kann ich Organe spenden, wenn ich zu Hause sterbe?

Nein, eine Organspende kommt nur infrage, wenn Sie auf einer Intensivstation am Hirntod versterben. Vom Hirntod spricht man, wenn die Gehirnfunktionen bereits erloschen sind, das Herz-Kreislauf-System aber durch eine Intensivtherapie noch künstlich aufrechterhalten werden kann. Jährlich sterben in deutschen Krankenhäusern rund 400.000 Menschen, davon nur etwa ein Prozent am Hirntod.

Wie kommt es zum Hirntod?

Die wahrscheinlich bekannteste Ursache ist eine Verletzung des Kopfes und damit des Hirns. Zum Hirntod – vor dem Eintreten eines Herzstillstandes – können aber auch Hirnblutungen, Hirninfarkte, Hirntumore oder Hirnentzündungen führen.

Wenn man einen Organspendeausweis hat – würde man dann den Angehörigen im Fall eines Hirntodes die Entscheidung für oder gegen eine Organentnahme ersparen?

Ja, der Wille des Verstorbenen hat Vorrang. Die Angehörigen müssen nicht um eine Entscheidung  gebeten werden. Ist das Einverständnis des Verstorbenen dokumentiert, so ist eine Organentnahme rechtlich zulässig. Die Angehörigen werden jedoch darüber informiert.

Ich bin 82. Da bin ich wohl für eine Organspende zu alt …

Nein, der älteste Organspender war 98 Jahre alt. Die älteste Gewebespenderin war sogar 102 Jahre alt. Ob gespendete Organe oder Gewebe für eine Transplantation geeignet sind, kann immer erst im Fall einer tatsächlichen Spende medizinisch überprüft werden. Ein hohes Alter ist auf jeden Fall kein Hinderungsgrund.

Wird von sehr alten Menschen im Fall einer Organspende auch noch ein Herz transplantiert?

Organspendern, die zum Zeitpunkt des Hirntodes 65 Jahre oder älter sind, wird in der Regel das Herz nicht mehr entnommen. Anders sieht es zum Beispiel mit den Nieren und der Leber aus. Diese Filterorgane sind in der Lage sind, sich immer wieder zu regenerieren. Es bestehen gute Aussichten, dass sie noch lange problemlos arbeiten.

Könnte man nach einem Hirntod nicht vielleicht doch wieder zurück ins Leben geholt werden?

Nein, wenn alle Funktionen des Groß- und Kleinhirns sowie des Hirnstamms ausgefallen sind, ist das nach anerkanntem naturwissenschaftlich-medizinischen Erkenntnisstand ein sicheres Todeszeichen des Menschen. Auch wenn auf einer Intensivstation die anderen Organe künstlich beatmet und die Herztätigkeit aufrecht erhalten werden können – das Gehirn bleibt von der Durchblutung abgekoppelt. Seine Zellen zerfallen, auch wenn der übrige Körper noch künstlich am Leben erhalten werden kann.

Können Mediziner jetzt bestraft werden, falls sie die Wartelisten für eine Organspende manipulieren?

Ja, Manipulationen, die eine erhöhte Dringlichkeit für eine Transplantation vorgeben, können unter Strafe gestellt werden. Über die Aufnahme und Platzierung auf der Warteliste entscheiden unter anderem die Laborwerte der Patienten. Um die Transparenz dabei sicherzustellen, werden diese Untersuchungen jetzt im Sechs-Augen-Prinzip durchgeführt und erfasst.

Weitere Informationen gibt es beim gebührenfreien Infotelefon Organspende unter 0800 /9040-400. Dort können auch kostenlos Organspendeausweise und Info-Materialien angefordert werden.