Parteiloser Kandidat in Hagen und dem südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis: Mutig, Herr Tropp!

Michael Tropp gehört keiner Partei an

Michael Tropp gehört keiner Partei an, kandidiert aber für den Bundestag. Die gesamten Kosten für den Wahlkampf bezahlt er aus der eigenen Schatulle. (Foto: Tropp)

Hagen/EN. (ME) In wenigen Wochen findet die Bundestagswahl statt. Insegsamt 42 Parteien treten am 24. September bundesweit an, darunter 16 „Neulinge“. Über 4800 Kandidatinnen und Kandidaten bewerben sich um die Gunst der rund 61,5 Millionen Wählerinnen und Wähler, etwa 400 mehr als bei der vorherigen Bundestagstagswahl. Die meisten Bewerber kandidieren mit einer Partei im Rücken.
Nur wenige sind wagemutig genug, es als parteilose „Einzelkämpfer“ zu versuchen, einer von ihnen ist der Hagener Michael Tropp. Er möchte den bislang von René Röspel vertretenen Wahlkreis Hagen/EN-Süd erobern. Abgesehen von Röspel hat er es hier unter anderem auch mit Cemile Giou­souf (CDU) zu tun. Das sind zwei strake Gegner. Dessen ist sich Tropp bewusst. Warum er sich den Wahlkampfstress dennoch antut?
Konfrontiert mit dieser Frage schmunzelt der 57-Jährige zunächst, um dann aber entschieden zu antworten: „Ich tue mir nichts an, ich tue etwas.“ Tropp, Vater dreier Kinder und erfolgreicher Hagener Unternehmer, will etwas für seine Heimat tun, für die Städte hier in der Region und für ihre Bürger. „Das ist mein Motor, mein Anliegen, meine Leidenschaft.“
Tropp ist kein Politprofi, er möchte auch nie einer werden. Deshalb liegt ihm am Herzen, auf einen Sachverhalt deutlich hinzuweisen: „Mich unterstützt tatsächlich keine Partei. Folglich gibt es auch keine Parteischatulle, aus der die Wahlwerbung bezahlt wird. Es ist einzig und allein mein eigenes Geld, mit dem ich Anzeigen, Plakate und dergleichen finanziere. Sogar die meisten Plakate habe ich allein aufgehängt. Auch ihre Gestaltung fußt auf meinem persönlichen Einsatz.“
Was ihn antreibt, wollen wir wissen. Die Antwort folgt wie aus der Pistole geschossen: „Ich bewerbe mich weder aus Frustration noch aus Eitelkeit um ein derart hohes Amt, sondern wirklich aus der tiefen Überzeugung, dass die seit Jahrzehnten eingefahrenen Wege endlich eine Änderung benötigen.“
Enstanden ist die Idee, sich für den Bundestag zu bewerben, aus Diskussionen mit seiner Ehefrau – hauptsächlich in Folge von Talkshows und den darin zu hörenden üblichen Floskeln. „Auch über Begriffe wie ‚alternativlos‘, als es um die Bankenrettung ging, oder Merkels lapidaren Satz ‚Wir schaffen das‘ oder die aktuelle Diesel-Hysterie habe ich mich schwarz geärgert. Letztendlich hat all‘ das in mir den Wunsch ausgelöst, als Bürgerkandidat anzutreten.“
Es gebe in Berlin zu viele Politprofis, die sich, unterstützt von zahllosen Lobbyisten, das System zu eigen gemacht hätten. Die Folge sei ein gesellschaftlicher Riss.
Eine zunehmende Altersarmut sei längst unübersehbar, gleichzeitig höre man aber ständig den Satz „nie ging es Deutschland besser“. Er fragt sich, „was denn nun stimmt“. Und er vermisst ehrliche Antworten.
Alleine gelassen
Generell empfindet er die Berliner Politik als „unfair“. Die Städte und Bürger würden zu oft alleine gelassen, etwa wenn es um Finanzierungsfragen oder um die Zuwanderungspolitik ginge. Insbesondere die Sorgen und Nöte der Bürger nähme man nicht ernst genug.
„Was wir brauchen,“ sagt Michael Tropp, „ist kein ‚Jeder gegen Jeden‘, sondern bessere Planungen und mehr Respekt. Werden die Bürger richtig motiviert, steckt in ihnen viel Power. Vor allem für das ehrenamtliche Engagement möchte ich meine Stimme im Wahlkreis und in Berlin erheben. Laut und deutlich.“ Denn: „Nur ein Miteinander von uns allen führt zum Erfolg.“
Bürgerkandidaten sehen sich keinem Fraktionszwang verpflichtet, sondern vorrangig ihrem Wahlkreis. Im hiesigen Wahlkreis („ein echter Rohdiamant, der dringend geschliffen werden muss“) kennt sich Tropp aus. Aufgewachsen in Wehringhausen, hat er seine Lehre bei der Varta absolviert. Es folgten das Fachabi, die Bundeswehrzeit und eine angestellte Tätigkeit in der Maschinenbaubranche.
1994 machte er sich selbstständig. Zunächst hat er aus dem Keller heraus gearbeitet, später dann konnte er den Betrieb ausweiten und in die Nähe des Freilichtmuseums verlagern. Eins ist in dieser langen Zeit geblieben: den Blaumann streift er immer noch regelmäßig über.
Ihm bleiben noch drei Wochen, die Gunst der Wähler zu ergattern. Am 24. September hofft er auf viele, viele Erststimmen, um gegen Röspel und Giousouf vielleicht doch ein kleines Wunder wahrzumachen.