Pater Beda wird Heiligabend 80

Schwerte. (NO) „Die Freude, die wir bringen, gibt mir Kraft.“ Seit fünf Jahrzehnten setzt sich Pater Beda für die Armen in Brasilien ein. Ihnen widmet der Franziskaner sein Leben. Die Saat der guten Tag geht auf. In dieser Gewissheit kann Pater Beda seinen 80. Geburtstag feiern. Am 24. Dezember – Heiligabend.

„Die Kirche muss zuallererst eine arme Kirche für die Armen sein, die an die Ränder der Gesellschaft geht.“ Worte von Papst Franziskus. Pater Beda hat diese Position schon immer vertreten und stellt die Tat vor das bloße Wort. „Wir evangelisieren nicht mit vielen Worten, sondern durch unser Verhalten.“ In solidarischem Interesse an der Entwicklung der einen Welt.

Vielfältige Hilfe

Pater Beda – dieser Name ist nicht nur den Schwertern ein Begriff. Nicht zuletzt auch wegen der alljährlichen Altkleider- und Altpapiersammlungen, deren Erlös in die Arbeit des 1984 gegründeten Aktionskreises Pater Beda fließt, der mittlerweile 27 Projekte mit den Partner in Brasilien betreibt. Im Brennpunkt stehen Gesundheit, Pastoral- und Sozialarbeit, der Einsatz für Straßenkinder, Frauenrechte, für Kleinbauern, Landlose und nicht zuletzt für Menschenrechte. 2003 erhielt Pater Beda, der mit seinem „bürgerlichen“ Namen Linus Vickermann heißt, das Bundesverdienstkreuz.

Nach Brasilien und zurück

Um seine Berufung verwirklichen zu können, brach Pater Beda, den schon in frühester Jugend eine innige Verbundenheit zur Kirche prägte, vom Kloster Bardel 1956 nach Nordostbrasilien auf – damals und heute eine Krisenprovinz, die von Dürre, Armut und Hunger heimgesucht wird. Nach theologischen und philosophischen Studien wurde der Franziskanermönch 1962 in Brasilien zum Priester geweiht, musste aber schon nach einem Jahr nach Anweisung seines Provinzials nach Deutschland zurückkehren.

Brücken gebaut

„Wenn du Brasilien liebst, kannst du es auch von Deutschland aus lieben!“, sagte dieser. Pater Beda machte aus der Not eine Tugend und baute zahlreiche Brücken zwischen beiden Ländern. 1964 legte er den Grundstein für das große Förderwerk, aus dem sich später der Aktionskreis entwickeln sollte. Ist Pater Beda hierzulande in Ordenszentren zuhause, reist er doch immer wieder in sein geliebtes Brasilien, um sich vor Ort für die Armen einzusetzen.

Armut und Korruption

Über 16 Millionen Brasilianer leben in extremer Armut. Jährlich werden dem Land und den Menschen 69 Milliarden Reais, das sind über 27 Milliarden Euro, durch Korruption gestohlen.
Doch geht es dem Land besser als noch vor etwa 20 Jahren? Das und mehr wollte der wochenkurier im Gespräch mit Pater Beda bei einem Besuch in Ergste wissen.

In Brasilien hat sich seit 16 Jahren durchaus ein Wandel vollzogen, seit sich die Regierung, zuerst Lula da Silva, jetzt Dilma Rousseff, auch mit der Problematik der Armut befasst. Die Zeit war reif. Doch den Wandel angestoßen hat vor allem die soziale Bewegung von unten.

Ist ihr Engagement auch politisch zu verstehen?

Nun ja, das bleibt nicht aus. Wenn man sich für die Armen einsetzt, muss man Position beziehen. Jetzt können wir uns darüber freuen, dass viele soziale Bewegungen den Armen eine Stimme gegeben haben. Das fließt jetzt auch immer mehr in die Politik ein.

Auch in Brasilien schießen freikirchliche Gemeinden wie Pilze aus dem Boden. Wie stehen Sie dazu?

Halleluja singen macht nicht satt.

Haben Sie Kontakte zu freikirchlichen Gemeinden?

Nun ja, man kennt schon einige Leute, aber im Großen und Ganzen haben wir nichts miteinander zu tun. Bei Freunden, die Anschluss an diese Sekten gesucht und gefunden haben, wird es schwierig. In diesen Gemeinden dreht es sich viel zu sehr um Geld.

Wird die katholische Kirche schwächer in Brasilien?

Zahlenmäßig ja. Einerseits gibt es neue Gemeinschaften, die sich als christliche Erweckungsbewegung verstehen, andererseits ist die Individualisierung auch in Brasilien zu spüren.

Warum sind sie und der Arbeitskreis nicht hier in Deutschland aktiv? Hier gibt es doch auch viel zu tun.

Deutschland und Brasilien kann doch gar nicht vergleichen. Die Realität in Brasilien ist viel härter als in Deutschland, die Leute dort haben  Hilfe viel nötiger. Hier geht es doch allen vergleichsweise gut. In Brasilien fehlt es vielen Menschen am Lebensnotwendigsten.

Was vermissen sie am meisten, wenn sie in Deutschland sind und an Brasilien denken?

Die Lebensfreude.

Gibt es eine spirituelle Leidenschaft in Brasilien, die sie besonders beindruckt?

Das Mitleiden mit dem Kreuztod von Jesus Christus am Karfreitag. Das wird ganz tief empfunden. Die Armen identifizieren sich damit und leiden mit. Für sie ist Jesus ist einer von ihnen.

Haben wir in Deutschland verlernt, spirituell zu leben?

Ich glaube, alle Menschen suchen etwas. Und spüren, dass Haben allein nicht glücklich macht.

Welchen Weihnachtswunsch möchten Sie den Schwertern gern auf den Weg geben?

Weihnachten als Geschenk an die Welt zu begreifen und die frohe Botschaft im alltäglichen Leben zu verwirklichen.