Pferde bringen Whisky zur Dechenhöhle

Vierspännig kommt die Kutsche für die Bewachungs-Mannschaft des Whisky-Fasses daher. Auf dem Bock sitzt der Spediteur Peter Neuhaus aus Hagen-Dahl, dessen Großvater noch mit Pferdefuhrwerken gearbeitet hat und der seit einigen Jahren wieder Pferdefahrten anbietet. Als weiterer Kutscher steht Friedrich Burgath aus Ennepetal bereit. (Foto: privat)

Dahl. In Hagen-Dahl, in der Asmecke, gibt es die kleine, aber feine „Märkische Spezialitäten-Brennerei“. Der Ein-Mann-Betrieb hantiert mit uralten Geräten und Kupfer-Bottichen in einem historischen Bruchstein-Gemäuer. Nicht nur ein Gaumenschmaus, auch ein Augenschmaus. Inhaber Klaus Wurm hat keine Geheimnisse. Er zeigt einer immer größeren Zahl an Besuchern regelmäßig, wie feine Destillate auf der Brennblase entstehen.

Auf diesem Foto noch gestellt, aber am kommenden Samstag wird es ernst: Klaus Wurm (r.) übergibt dem Fuhrmann Karl-Heinz Lindenlaub (links) die Frachtpapiere für sein Whisky-Fass. (Foto: privat)

Zur Reife

Alle paar Wochen wird in dem lauschigen Nebental der Volme auch Whisky hergestellt. Wenn das 180-Liter-Fass voll ist, bringt es Klaus Wurm in die Dechenhöhle nach Letmathe. Dort, in einer der schönsten und größten Tropfsteinhöhlen Deutschlands, lagert der Whisky bei immer gleichbleibender Temperatur (10 Grad) in absoluter Ruhe und gleichbleibender Luftfeuchtigkeit für drei Jahre – bis zur Reife.

Vor einigen Wochen besuchten auch drei Pferde-Kutscher die Destille, Friedrich Burgath aus Ennepetal, Karl-Heinz Lindenlaub aus Hagen und Peter Neuhaus aus Dahl. Als Klaus Wurm von seinem Fass-Transport erzählte, war schnell eine Idee geboren. Wenn schon der Whisky auf vorväterliche Art hergestellt wird, wäre es dann nicht auch reizvoll, den Transport zur Lagerstätte wie in alten Zeiten durchzuführen?

Mit zwei Kutschen

Am Samstag, 25. August 2012, ist es so weit. Zwei Pferdekutschen werden benötigt: Eine Transportkutsche mit dem Eichenfass und eine weitere Kutsche mit der „Bewachungs-Mannschaft“. Schließlich ist der Whisky 12.000 Euro wert! Und der Weg führt unter anderem am Hohenlimburger Schloss vorbei, wo nicht auszuschließen ist, dass Raubritter den Weg versperren…

Ein Augenschmaus: die Kupferkessel in der Märkischen Spezialitäten-Brennerei, wo Klaus Wurm auf traditionelle Weise feine Destillate herstellt. (Foto: privat)

Die Transportkutsche wird von zwei Shire Horses gezogen, Stockmaß 1,90 m und je eine Tonne schwer, die größte Pferderasse der Welt. Vor der Kutsche mit der 14-köpfigen Bewachungs-Mannschaft gehen vier bärenstarke rheinische Kaltblüter. Als Verteidigungs-Waffen gibt es harte Mettwürste, Brot, Biergranaten und Mineralwasserbomben unterschiedlichen Kalibers.

Über Stock und Stein

Zunächst geht es von Dahl hoch in das Örtchen Hunsdiek, wo der uralte Handelweg Hagen-Siegen-Frankfurt erreicht wird. Dort sind seit Jahrhunderten von Fuhrleuten mit Pferd und Wagen alle möglichen Güter transportiert worden, „über Stock und Stein“. Nach einer Pause am Schloss geht es dann runter nach Hohenlimburg und von dort weiter entlang der Lenne bis Letmathe. Rund 17 Kilometer ist die Strecke lang, etwa drei Stunden beträgt die reine Fahrzeit. Ein guter Whisky hat es nicht eilig.

Plätze frei

Während am Ziel das Fass abgeladen wird, besichtigt die Wachmannschaft die Tropfsteinhöhle und prüft den Lagerplatz des Whisky-Fasses. Bei der ersten Fahrt am Samstag, 25. August 2012, haben sich natürlich viele Pressevertreter angesagt. Es sind aber noch drei Mitfahr-Plätze frei. Pro Person kostet das Ticket 99 Euro, Anmeldung bei Klaus Wurm, Telefon 0170 / 5260945.

Zum Abschluss werden Pferde und Anhänger und Mannschaft mit PKW zurück nach Dahl gefahren, auf zu neuen Abenteuern…