Pflegeleicht und daunenweich?

Für seine „Großen Fünf“ ist Südafrika bekannt: Elefant, Nashorn, Löwe, Büffel und Leopard lassen als „Big Five“ allen wilden Urlaubern sehnsüchtig das Safari-Herz aufgehen. Aber Südafrika kann auch ganz anders. Atemberaubende Freundlichkeit und überwältigende Höflichkeit, damit verblüffen die dortigen Menschen ihre Gäste immer wieder – so berichtete man uns.

Das Schimpf-Wort, das mit „Ess-Zeh-Ha“ beginnt, kommt uns hierzulande ja andauernd über die verärgerten Lippen, unabhängig von Alter, Geschlecht und Bildungsstand. In Südafrika ist das ganz unerhört. Verbale Entgleisungen seien dort völlig verpönt.

Fällt was hin oder bricht was entzwei, reißt was ab oder kleckert was daher, ließe der Südafrikaner sich höchstens ein kleines „O je“ entfahren, erzählen Besucher. Fäkalsprache, Schimpfwörter und Kraftausdrücke trieben ihm schon die Schamesröte übers Gesicht, wenn er sie nur höre.

Bestimmte Dinge sage man auch gar nicht erst, deute sie nur an. Von „Toilette“ oder gar „Klo“ sei niemals die Rede. Wer den Lokus aufsuchen wolle, frage, ob er bitte entschuldigt werden könne.

„Aber natürlich“, „immer gern“, „selbstverständlich“, „Bitte“, „Danke“, „Gern geschehen“, „Oh wie wundervoll“, „keine Ursache“, „ach, das war aber doch nicht nötig“, „wie kann ich das nur gutmachen“ und „nicht der Rede wert“– so geht es den ganzen lieben langen Tag. Ach? – Wir als eher mürrische Westfalen konnten es kaum glauben…

Aber dann haben wir den Selbstversuch gemacht und – nur mal erst spaßeshalber – diesen Tonfall aus dem südlichen Afrika einfach ausprobiert. Und? – Wahnsinn! Unbedingt empfehlenswert!

Wie soll ich diese unsere „Safari“ beschreiben? Nun, in den ersten Stunden segelte ich zwischen Ruhrpott und Sauerland auf den Schwingen der Höflichkeit nur so durch den Alltag. Und ich dachte schon, man müsse eigentlich nur im Kopf diesen einen kleinen unscheinbaren Knopf umlegen, dann verlaufe alles wie geschmiert, pflegeleicht und daunenweich. Paradiesisch geradezu.

Aber dann musste ich mit dem Bus fahren und in der Stadt ein Brot kaufen. Erst ließ der Fahrer völlig stumm alle Freundlichkeiten an sich abperlen, und anschließend bekam ich von der Verkäuferin als Antwort auf meine Charme-Offensive nur ein super-mürrisches „Was soll‘s sein?“ vor den Latz geknallt. Da wusste ich auf einen Schlag: Von wegen Südafrika – hier ist Südwestfalen.

Schönen Sonntag.