Pflegestufe beantragen: Was ist wichtig?

Bei der Begutachtung wird auch gefragt

Bei der Begutachtung wird auch gefragt, ob der oder die Betreffende seine Medikamente richtig dosieren und entsprechend der Verordnung selbstständig einnehmen kann. (Foto: Andreas Brate/be.p)

Berlin (be.p) Herr L. wird seit seinem Schlaganfall von seiner Frau gepflegt. Da ihr das sehr schwer fällt, beantragte er auf Anraten seines Arztes einen Pflegegrad. Der Gutachter hat sich bereits angekündigt. Doch was geschieht bei der Begutachtung? Und wie kann man sich darauf vorbereiten?
Vorgeschichte
„Wichtig ist zunächst die Anamnese, also die pflegerelevante Vorgeschichte“, erläutert Sylke Wetstein von der bundesweiten Compass Pflegeberatung. „Dazu gehören unter anderem ärztliche Befunde, die verschriebenen Medikamente, Heil- und Hilfsmittel.“ Die entsprechenden Dokumente sollte sich Herr L. vor dem Gutachterbesuch vom Hausarzt ausstellen lassen.
Wohnbedingungen
Wichtig sind auch die Wohn- und Lebensbedingungen. Der Gutachter schaut beispielsweise, ob die Wohnung barrierefrei ist und das Badezimmer dem Pflegebedarf entspricht. Auch die Versorgungssituation des Haushaltes wird bewertet.
„Das alles gehört zum Gesamtbild, das sich der Gutachter verschafft. Entscheidend für die Feststellung der Pflegebedürftigkeit ist jedoch die Schwere der Beeinträchtigungen von Herrn L.“, so Wetstein.
Sechs Lebensbereiche
„Dabei werden im Detail sechs Lebensbereiche betrachtet: Die Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, die Selbstversorgung, der Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen sowie die Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte.“
Für jede der sechs Lebensbereiche beziehungsweise „Module“ gibt es gesetzlich vorgegebene Fragen. Etwa, ob der Betreffende sich noch selbstständig an- und auskleiden kann, ob er sich in und außerhalb der Wohnung noch zurecht findet, ob er seine Körperpflege ohne Hilfe bewerkstelligt.
Eine Stunde
Rund eine Stunde sollte man für den Termin einplanen. Je nachdem, wie stark die Beeinträchtigungen sind, ermittelt der Gutachter Punkte, aus denen sich die Empfehlung für den Pflegegrad ergibt. Die Entscheidung teilt die Pflegeversicherung Herrn L. mit. Die Leistungen werden rückwirkend zum Tag der Antragstellung bewilligt.
Pflegetagebuch
„Zur Vorbereitung auf den Besuch empfehle ich, ein Pflegetagebuch zu führen. Den Vordruck bekommt er von seiner Pflegeversicherung oder seiner Pflegeberatung“, sagt Wetstein. In dem Tagebuch sind die Themen detailliert aufgeführt, die begutachtet werden. Dabei handelt es sich um 64 einzelne Fragen.
„Der Gutachter ist zwar nicht an das Tagebuch gebunden, doch es kann bei der Entscheidungsfindung sehr hilfreich sein.“ Unter der gebührenfreien Rufnummer 08 00 / 1 01 88 00 erhalten gesetzlich wie privat Versicherte weitere Auskünfte.