Phantasie beflügelt behinderte Amy

Die in Hagen geborene Britta Kummer hat mit „Willkommen zu Hause, Amy“ ihren ersten Roman verfasst. (Foto: Frank Schmidt)

Voerde/Altenhagen. (zico) „Im Kopf hatte ich die Geschichte schon lange“, erzählt Britta Kummer, und ihre Augen leuchten dabei. Es bedurfte jedoch erst der nachhaltigen Ermutigung aus der Nachbarschaft, damit aus der Idee ein handfestes Buch werden konnte. Im direkten Umfeld der 40-jährigen, die eigentlich aus Altenhagen stammt, mittlerweile aber in Voerde wohnt, weiß man nämlich längst um die erzählerischen Qualitäten der an Multipler Sklerose erkrankten Frau. Ihre Kurzgeschichten helfen in der Nachbarschaft seit Jahren Eltern und Großeltern, die Dötze friedlich in den Schlaf zu lesen. Und so wurde Britta Kummer vom Bekanntenkreis immer wieder ermutigt, sich einmal an etwas Größerem zu versuchen. Das Ergebnis liegt jetzt vor: Der Debüt-Roman von Britta Kummer heißt „Willkommen zu Hause, Amy“!

Gehänselt und drangsaliert

Erzählt wird die Geschichte der 19-jährigen Amy, die, seit sie denken kann, in einem Heim lebt. Ihre Mutter hat sie weggegeben, weil das Mädchen wegen einer Muskelschwäche körperbehindert ist. Im Heim wird Amy von den anderen Kindern gehänselt und drangsaliert. Ihr einziger Freund ist Mischlingshund Max, der sie auf Schritt und Tritt begleitet.

Doch eines Tages meint es das Schicksal gut mit Amy: Mary, eine Freundin der Heimleiterin, holt Amy zu sich auf ihre Farm. Marys eigene Tochter, die nach einem Reitunfall ebenfalls an den Rollstuhl gefesselt war, ist verstorben, und nun soll Amy ihren Platz in der Familie einnehmen…

Große Parallele

„Die Parallele zwischen meiner Erkrankung und der Behinderung der Hauptdarstellerin ist natürlich vorhanden, und außerdem liebe auch ich Tiere“, erläutert Britta Kummer: „Ansonsten aber ist die Geschichte frei erfunden.“ Für die gebürtige Hagenerin ist Schreiben das wichtigste Hobby. Zum Schreiben ist Britta Kummer gekommen, weil es ihr Spaß macht, sich Geschichten auszudenken und sie zu Papier zu bringen. „Für mich ist das Schreiben eine Möglichkeit, überschüssige Energien loszuwerden, wie andere Menschen zum Beispiel beim Joggen“, sagt die gelernte Versicherungskauffrau, die wegen ihrer Multiple-Sklerose-Erkrankung nur noch kurze Strecken gehen kann: „Ich baue Energie ab, indem ich meinen Gedanken freien Lauf lasse.“

Am Manuskript hat Britta Kummer nur wenige Tage gearbeitet. „Die Grundidee war da, doch die Details habe ich mir während des Schreibens ausgedacht“, schildert Britta Kummer ihre Arbeitsweise. Irgendwann war dann der letzte Punkt gesetzt. Die Autorin stellte die Geschichte zunächst im persönlichen Umfeld vor, bat um Rückmeldung. Und erhielt nur positive Reaktionen. „Die Leute, die das Buch gelesen haben, lobten die gefühlvolle Erzählart“, freute sich Amys geistige Mutter sehr über die Resonanz. „Dennoch wollte meine Tochter das Projekt noch nicht so recht angehen“, ergänzt Vater Reinhold Kummer, der selbst das Seinige dazu tat, um seine Tochter entscheidend zu ermutigen. Und so machte sich Britta Kummer auf die Suche nach einem geeigneten Verlag für ihr erstes eigenes Buch…

Glücksfall

Mit „Books on demand“ fand sie schließlich einen geeigneten Vertrieb für Jungautoren, der Veröffentlichungen auch unbekannter Schriftsteller möglich macht, ohne dass diese selbst dafür tief in die Tasche greifen müssen. Statt eine bestimmte Druckauflage zu fertigen, druckt „Books on demand“ einzelne Exemplare auf Anfrage. Mit Andrea Stangl fand sie zudem eine Lektorin, von der Britta Kummer sagt, „sie ist ein Glücksfall für mich“. Denn die Lektorin identifizierte sich von Anfang an mit dem Projekt, tat nicht nur ihren Job, sondern sorgte mit viel Sensibilität für den nötigen „Feinschliff“ an Britta Kummers Erstling.

„Es ist ein Jugendbuch, das für die Toleranz zwischen Behinderten und Nichtbehinderten wirbt“, so die leidgeprüfte Frau, die weiß, dass sie selbst möglicherweise eines Tages im Rollstuhl sitzen muss. Doch mit ihren Erzählungen vermag sie es, sich selbst zu beflügeln, und sie schmiedet bereits weitere Pläne: „Ich werde weiter schreiben und möchte als nächstes ein richtiges Kinderbuch schreiben.“

Das Buch „Willkommen zu Hause, Amy“ ist parallel in zwei Ausgaben erschienen – einmal als gebundene Ausgabe für alle, die hochwertige Bücher lieben, und einmal als „Taschenbuch“ für diejenigen, die eine schlichtere Ausstattung zu einem günstigen Preis bevorzugen.

Britta Kummer: „Willkommen zu Hause, Amy“
Gebunden: 184 S., 21,90 Euro, ISBN 978-3-8423-4722-9
Paperback: 184 S., 11,90 Euro, ISBN 978-3-8423-4736-6