Phoenix: „Rechtzeitig die Reißleine gezogen“

Hagen. (hc) Nun ist es offiziell: Basketball-Bundesligist Phoenix
Hagen hat beim Amtsgericht Hagen die selbstgeführte Insolvenz beantragt. Damit
bleibt das Heft des Handels weiter in den Händen von Phoenix-Geschäftsführer
Patrick Seidel, ihm zur Seite stehen der Restrukturierungsexperte Dr. Dirk
Andres und als Sachwalter Dr. Jan Janßen.

Für Andres ist es sogar ein Wiedersehen der besonderen Art – bereits vor 13
Jahren begleitete er Brandt Hagen in die Insolvenz.
„Die Situation ist aber eine völlig andere“, erklärt Andres. „Patrick Seidel
hat früh genug die Reißleine gezogen und nicht gewartet, bis die Kasse komplett
leer war.“
Dennoch ist die momentane Lage nicht zu beschönigen – es fehlt das nötige
Geld, um die Saison zu Ende zu spielen.
Gang in die ProA
Aber genau das ist das erklärte sportliche Ziel und der Grund der Insolvenz.
„Wir wollen uns sportlich das Recht erspielen, die Lizenz für die ProA zu
beantragen“, erklärt Patrick Seidel. Das heißt: Man muss alle noch verbleibenden
Spiele absolvieren, um am Ende der Saison sportlich abzusteigen in die 2. Liga.
Andere Ambitionen halten alle Verantwortlichen für „nicht realistisch“, vor
allem, weil auf Grund des beantragten Insolvenzverfahrens die Feuervögel mit
einer Strafe von vier Punkten belegt wurden. Damit haben sie nun eine negative
Punktbilanz von minus vier Punkten vor dem morgigen Spiel gegen die Baskets aus
Bonn.
Keine vorschnellen Abgänge
Personelle Veränderung erwartet Seidel bis dahin noch nicht. „Es ist kein
Spieler aufgesprungen und hat gesagt, ich bin dann mal weg. Wir haben Spieler
mit hoher Sozialkompetenz“, berichtet Seidel von dem Moment, in dem die Spieler
über die Situation informiert wurden.
Sowieso sind den Volmestädtern die Hände rechtlich ein wenig gebunden in
personellen Dingen, denn die geschlossenen Verträge sind natürlich weiterhin
gültig. „Man hat die Chance einer verkürzten Kündigungsfrist von drei Monaten“,
erklärt Andres das rechtliche Repertoire, doch in der Situation von Phoenix
werden andere Kompromisse zielführender sein. Wenn ein Spieler weg möchte, dann
wird die Geschäftsführung sich mit ihm zusammensetzen und ihm keine Steine in
den Weg legen. Dennoch muss der Spielbetrieb natürlich laufen und zusätzlich
müssen Fans vermehrt in die Halle gelockt werden. Das wird nicht mit einer
Rumpftruppe gelingen, sondern es muss wenigstens eine in Ansätzen
konkurrenzfähige Mannschaft auf das Parkett geschickt werden. Daher sind sogar
günstigere Nachverpflichtungen möglich.
Auf Fan-Unterstützung angewiesen
Apropos Fans. Sowohl Patrick Seidel als auch Dirk Andres, sprachen mehrfach
davon, die Fans wieder mehr mit ins Boot zu holen. „Es mag ausgelutscht klingen,
aber wir wollen auf die Fans zugehen“, erklärt Seidel. Er hat die deutliche
Steigerung der Ticketpreise als einen Faktor ausgemacht, warum die
Phoenixanhänger nicht mehr so zahlreich in die Arena am Ischeland pilgerten. „An
der Preisstruktur für die Ticketpreise werden wir definitiv etwas ändern“, so
Seidel, der damit ein positives Zeichen in Richtung Fans aussenden will.
Was die Zuschauer vielleicht motivieren könnte – trotz der sportlich alles
andere als rosigen Aussichten –, war in einem Nebensatz von Seidel bereits zu
hören. „Wir wollen im nächsten Jahr eine schlagkräftige Zweitligatruppe auf die
Beine stellen – mit starken Hagener Wurzeln.“
Denn bei aller Zuversicht, die die Beteiligten ausstrahlten, ist die Rettung
von Phoenix keinesfalls eine beschlossene Sache. Im Falle einer regulären
Insolvenz könnte es im schlimmsten Fall zu einem Lizenzentzug seitens der Liga
kommen. Ein Neuanfang wäre dann nur in der 1. Regionalliga möglich.
Damit wäre der Profi-Basketball in Hagen vorerst von der Bildfläche
verschwunden.
„Ohne weiteres finanzielles Engagement von Unternehmen, die den Klub in
nächsten Wochen auf dem Sanierungskurs unterstützen, wird es keinen
Profi-Basketball mehr in Hagen geben“, ist auch Andres überzeugt.
Sportlicher Totalschaden
Das wäre eine Katastrophe für den Traditionsstandort Hagen, der nur fünf
Jahre lang nicht in der höchsten deutschen Spielklasse vertreten war.
Mit einem jungen, ehrgeizigen Team vor allem mit Eigengewächsen aus der
Region, wären sicherlich auch die Anhänger versöhnlich zu stimmen, hofft man.
Daher ist es wichtig zu betonen, dass die „Phoenix Hagen Jugend gemeinnützige
GmbH“, in der die Nachwuchsmannschaften konzentriert sind, von der vorläufigen
Eigenverwaltung der Basketball Hagen GmbH & Co. KGaA nicht betroffen ist.

Weiterer Verlauf
Zunächst einmal werden die Gehälter der Monate September bis November aus dem
Insolvenzfond der Arbeitsagentur bezahlt und bringt so den Feuervögeln eine
kleine Verschnaufpause. In dieser Zeit wird mit Hochdruck an Lösungskonzepten
gearbeitet, die mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens im November in Kraft
treten.
Anschließend soll der vorgelegte Plan in die Tat umgestetzt werden und „im
besten Fall sind wir im kommenden Sommer nicht mehr hier“, erklärte Rechtsanwalt
Andres.