Phoenix schlägt Bamberg – und wartet auf Berlin

Überragend: Die komplette Basketball-Mannschaft von Phoenix, die den deutschen Meister Bamberg sensationell schlug und die Hagener Fans, die am vergangenen Sonntag mutmaßlich einen neuen Dezibel-Rekord aufstellten. (Fotos: Jörg Laube)
Überragend: Dino Gregory, gegen Bamberg mit 11 Punkten, 8 Rebounds, 2 Blocks, 1 Steal, 1 Assist und der Energieleistung von knapp 39 Minuten Spielzeit.

Hagen. Es sind die XXL-Wochen bei Phoenix Hagen. Drei Heimspiele binnen zwölf Tagen gegen die Liga-Elite bieten Basketball vom Feinsten. Eine Woche nach der Sensation gegen Meister Bamberg (104:97 nach Verlängerung) kommt am Sonntag, 17. März 2013, um 17 Uhr nun Alba Berlin in die Enervie-Arena. Am Freitag darauf erwarten die Feuervögel Ex-Meister Oldenburg.

Die Berliner gehören mit den Bayern, Oldenburg und Ulm zum Quartett der Bamberg-Jäger. Die Mannschaft um Trainer Sasa Obradovic musste zuletzt einige sportliche Rückschläge verkraften. Das hat nicht zuletzt zwei Ursachen: Die Berliner müssen die Last in der Euroleague stemmen und darum im Laufe dieser Woche gleich zwei Spiele absolvieren. Am Dienstag hieß der Gegner in der Bundesliga Ludwigsburg, am Freitagabend geht die Reise im Europapokal nach Athen.

Überragend: Mark Dorris mit 25 Punkten gegen den Deutschen Meister bei einer Trefferquote von 50 Prozent von der Dreierlinie und über 80 Prozent aus der Nahdistanz.

Albatrosse hart getroffen

Außerdem hat es die Albatrosse personell hart getroffen. Forward Nathan Peavy zog sich vor Saisonbeginn einen Kreuzbandriss zu; Guard Vule Avdalovic, der schnell zum Vordenker der Berliner wurde, ereilte im Laufe der Hinrunde das gleiche Schicksal. Die Berliner legten personell zwar nach und verpflichteten mit Derrick Byars, Je‘Kel Foster und Ali Traoré drei gestandene Akteure. Das herausragend besetzte Team um die Top-Scorer Deon Thompson (14,4 Punkte, 6,0 Rebounds) und DaShaun Wood muss sich dennoch neu organisieren bis zu den Playoffs.

Wood kümmert sich gemeinsam mit Nationalspieler Heiko Schaffartzik um die Spielorganisation. Zwei Spieler, die körperlich in der Hagener Gewichtsklasse kämpfen. Auf den weiteren Positionen allerdings ist die Berliner Physis beeindruckend. Ob Shooting-Guard Foster, ob die Forwards Byars oder Nihad Djedovic: Sie alle sind körperlich ausgesprochen gut dabei. Das gilt sowieso für den vielseitigen Kämpfer Zach Morley, einem 2,03 m großen Flügelspieler.

Überragend: Abe Lodwick, kämpferisch sowieso immer vorneweg, mit 15 Punkten, 5 Rebounds und 75 Prozent Trefferquote aus dem Feld gegen die Franken.

Besonders imposant ist die lange Garde der Albatrosse. Power-Forward Deon Thompson ist die herausragende Figur seines Teams. Aber auch Center Yassin Idbihi spielt stark. „Seine Entwicklung ist wirklich beeindruckend, er gefällt mir sehr gut“, sagt Phoenix-Trainer Ingo Freyer. Neben Ex-Nationalspieler Sven Schultze und dem Spanier Albert Miralles ist seit einigen Wochen ein weiterer großer Spieler mit klangvollem Namen in Berlin. Der französische Nationalcenter Ali Traoré kam aus dem russischen Kasan. Ein spektakulärer Transfer, der ohne die langwierige Patellasehnenverletzung, die Traoré hinter sich hat, wohl nur schwer zu stemmen gewesen wäre.

„Sieben Zwerge“ wollen siegen

Und wieder einmal scheint es am Sonntag den eigentlich aussichtslosen Kampf der „sieben Zwerge“ gegen einen finsteren Märchenriesen zu geben. So wie am vergangenen Sonntag, als die wuseligen Hagener mit flinken Fingern die Bamberger Giganten sensationell zu Fall gebracht haben. Mit 104:97 nach Verlängerung besiegten die Feuervögel in einem mitreißenden Spiel die Bamberger Brose-Baskets. Es war ein Sieg der Disziplin und der Leidenschaft – und das freute natürlich auch Ingo Freyer: „Aus Bamberg bekommt man selten Glückwünsche. Das tut gut. Ich bin überrascht, dass wir gegen ein Top-Team wie Bamberg über 45 Minuten so konzentriert bleiben konnten. Wir haben unsere im Training ausgearbeiteten Sachen konsequent umgesetzt.“

Erreicht ist damit freilich noch nichts. „Es ist schon bedrohlich, wie die Teams im Tabellenkeller gerade punkten“, gibt Freyer zu bedenken. Es ist einfach eine gefährliche Situation: Die Playoffs in Reichweite und in den Köpfen des Umfelds, während das Abstiegsgespenst weiter an der Tür klopft. Der Erfolg gegen Bamberg war darum ebenso wichtig, wie er unerwartet kam.

Drei Fragen an Ingo Freyer

Mit Nathan Peavy und Vule Avdalovic hat Alba Berlin zwei Leistungsträger früh in der Saison durch Verletzungen verloren. Wie schwer wiegen diese Ausfälle?

Sicherlich ist das nicht leicht. Avdalovic hatte sich zum Kopf des Teams entwickelt. Und einen Mann wie Nathan Peavy hätte ich gerne in Berlin erlebt und gesehen, wie er dort zurecht kommt.

Trotz der Verletzungen haben die Berliner acht ausländische Spieler zur Auswahl. Welche beiden Akteure werden Ihrer Meinung nach am Sonntag aussetzen müssen?

Alba hat da alle Möglichkeiten. Sie sind körperlich enorm stark und können durch die Auswahl ihrer Ausländer entscheiden, ob sie gegen uns mit einer besonders großen oder eher mit einer kleinen Aufstellung auflaufen. Das ist sicherlich Luxus, aber für ein Euroleague-Team auch normal. Für diese Belastung braucht man einfach mehr Personal.

Wie sehen Sie die Entwicklung von Alba Berlin in den letzten Jahren?

Sie haben meine volle Anerkennung, auch wenn man sich in Berlin sicher den einen oder anderen Titel gewünscht hätte. Der Club hat sich gut entwickelt mit der O2-World und der Qualifikation für die Euroleague-Top-16. Wer hätte vor Jahren gedacht, dass dort mal zwei deutsche Teams stehen werden? Gleichzeitig ist die Bundesliga viel stärker geworden – mit Bamberg als dominierendem Team und einigen Herausforderern. Da ist es sehr schwer, Titel zu holen. Dafür brauchst du auch Glück und Konstanz.