Phoenix vs. Bamberg: Reichlich Ärger vor Spiel vier

Hoch her ging es in Bamberg am vergangenen Sonntag. Doch die Schiedsrichter bestraften nach einer „Rudelbildung“ nur Hagener Spieler. Während Mark Dorris (Mitte), nachdem er Karsten Tadda (Nr. 9, am Boden) mit der Schulter niedergestreckt hatte, zu Recht disqualifiziert wurde, kam der Bamberger John Goldsberry ungeschoren davon. (Foto: Jörg Laube)

Hagen. Was für eine dramatische Viertelfinalserie! In den Beko-BBL-Playoffs führen die Brose Baskets nach einem skandalösen dritten Spiel mit 2:1 gegen Phoenix Hagen. Spiel vier findet am heutigen Mittwoch, 15. Mai 2013, um 20.20 Uhr in der Enervie-Arena statt. SPORT1 überträgt live. Mit einem Sieg könnte Bamberg die Serie entscheiden. Gewänne Hagen, käme es zu Pfingsten zum entscheidenden fünften Spiel. Der Gegner im Halbfinale steht bereits fest: Es ist der FC Bayern München.

Jetzt erst recht: Nachdem die Schiedsrichter am vergangenen Sonntag in Bamberg bei Auseinandersetzungen zwischen den Spielern beider Mannschaften drei Hagener disqualifiziert hatten, rauften sich die (verbliebenen) Feuervögel noch enger zusammen und verkauften sich trotz der Zehn-Punkte-Niederlage durchaus gut. Am heutigen Mittwoch wird man – auch mit Hilfe der Zuschauer – jetzt erst recht alles geben. (Foto: Jörg Laube)

Nach einem beherzten Auftritt unterlagen die Hagener in Bamberg mit 94:104. Doch das geriet fast zur Nebensache, denn beim Stande von 27:27 kam es mit Ablauf des ersten Viertels zum Eklat. Nach einem nicht geahndeten Foul von Bambergs Sharrod Ford gegen Hagens Ole Wendt gab es die berüchtigte „Rudelbildung“. Die Folgen waren höchst einseitig: Mark Dorris wurde nach einer Auseinandersetzung mit Karsten Tadda disqualifiziert, ebenso die Hagener Ersatzspieler Bernd Kruel und Max Kramer wegen unerlaubten Betretens des Spielfeldes.

Freyer fassungslos

Phoenix-Coach Ingo Freyer war auch am Tag nach dem Spiel noch fassungslos: „Das Foul von Ford nicht zu pfeifen, war schon heftig. Statt eines Vorteils ist uns dadurch ein vielleicht spielentscheidender Nachteil entstanden. Wir haben drei Spieler verloren, das hinterlässt Spuren.“ In der Tat kassierte Phoenix im Anschluss einen 0:13-Lauf, kam aber trotzdem wieder zurück ins Spiel. „Wir hatten eine Chance, waren sehr gut drauf. Die fatalen Entscheidungen haben uns aber um diese Chance gebracht“, so Freyer. „Ich kann das nicht verstehen, denn die Schiedsrichter hatten in Abstimmung mit dem Technischen Kommissar sehr viel Zeit, um eine Entscheidung zu treffen.“

Zweierlei Maß

Auch Hagens Geschäftsführer Oliver Herkelmann kann die Ereignisse nicht nachvollziehen: „Wenn man die Szene im Nachgang noch einmal im TV betrachtet, wird es eigentlich noch schlimmer. Wir waren bestimmt nicht aggressiver als die Bamberger, auch wenn ich verstehen kann, dass die Nerven dort ebenso blank liegen. Es kann nicht sein, dass mit zweierlei Maß gemessen wird. Wir spielen hier nicht das Opferlamm, das zum Schafott geführt wird, sondern stehen ebenso im Viertelfinale wie Bamberg. Und so wollen wir auch behandelt werden. Das war nicht korrekt.“ Tatsächlich waren beileibe nicht nur mehr als fünf Hagener auf dem Feld. „Es waren vielleicht sogar mehr Bamberger – und das ist dann schon irritierend.“ Inzwischen wurde gegen die Disqualifizierung Dorris‘ Berufung eingelegt.

Adam Hess (hier gegen Sharrod Ford, Nr. 15) spielte auch in Bamberg am Sonntag wieder stark: 18 Punkte, 6 Rebounds und 2 Assists für den Forward. (Foto: Jörg Laube)

Bemerkenswerte Aussagen traf in diesem Zusammenhang auch Jens Staudenmayer, Leiter der Abteilung Sport der Beko-BBL und in Bamberg selbst vor Ort, gegenüber dem Liga-Portal beko-bbl.de. „Im Eishockey würde man das Foul von Ford gegen Wendt wohl als ,Cross-Check‘ bezeichnen. Das hätte man sicherlich mit einem unsportlichen Foul ahnden können.“ Und weiter: „Neben Mark Dorris hätte man auch Bambergs John Goldsberry disqualifizieren müssen.“ Dann trifft er ein hartes Urteil: „Die Wahrnehmung der Schiedsrichter war so fehlerhaft, das keine gute Lösung gefunden werden konnte. Sie hatten nach der Partie keine Erklärung für diesen ,Bock‘. Der Überblick ist verloren gegangen und auch der Technische Kommissar konnte nicht die Namen aller Spieler nennen, die das Spielfeld betreten haben. „Zumal“, so Staudenmayer, „die Regelinterpretation für das Betreten des Feldes durch Bankspieler in der Viertelpause nicht eindeutig ist.“

Viel Aufmerksamkeit

Phoenix Hagen hat im Nachgang getan, was es tun konnte. „Wir haben verschiedene Stellungnahmen bezüglich der Situation bei der Spielleitung abgegeben“, sagt Oliver Herkelmann. Auch davon wird jetzt das weitere Vorgehen bezüglich Mark Dorris abhängen: „Die TV-Bilder sind nicht für die Urteilsfindung vorgesehen.“ Bernd Kruel und Max Kramer drohen indes keine Konsequenzen.

Das eigentliche Spiel vier am Mittwoch, 15. Mai, ist fast ein wenig in den Hintergrund geraten. Dabei ist das Interesse bei Fans und Medien groß wie nie. SPORT1 überträgt ab 20.15 Uhr live. Die Hörfunksender WDR2 und Radio Bamberg sind ebenso live dabei. Auch die „WDR Lokalzeit“ und „Sky Sport News HD“ sind für eine Berichterstattung vor Ort. „Diese Aufmerksamkeit ist bemerkenswert. Ich hoffe darum umso mehr, dass die Serie am Ende nicht durch diese Fehlentscheidungen entschieden wird“, sagt Oliver Herkelmann abschließend.

Drei Fragen an Ingo Freyer

Wie ist Ihr bisheriger Eindruck von den Beko-BBL-Playoffs? Wer hat die besten Chancen im Titelrennen?

Das 3:0 von Bayern München gegen Alba Berlin war beeindruckend. Das ist aufgrund des Gegners noch einmal höher einzuschätzen als das 3:0 von Ulm gegen Quakenbrück. München ist darum derzeit der Favorit!

Ist es ein anderes Gefühl, in den Playoffs zu spielen? Oder ist das mit der Hauptrunde zu vergleichen?

Es ist ein großer Unterschied, dreimal gegen denselben Gegner zu spielen. Und es ist ein Unterschied, dies gegen das beste Team der Hauptrunde zu tun und nicht gegen durchschnittliche Gegner. Vom Druck her ist der Gegner allerdings unwichtig, es geht so oder so um alles.

Spüren Sie die große Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit?

Auf jeden Fall! Wir sind oft in den Medien, wir werden mehr wahrgenommen. Das merkt man an allen Fronten. Die Playoffs sind halt etwas Besonderes. Während der Saison wird man viel seltener angesprochen.