Plädoyer gegen Mauern in Köpfen: Kirchhoff-Preis für herausragende Abschlussarbeiten

Nach der Preisverleihung: (v.l.) Prorektor für Forschung und Technologietransfer Prof. Dr. Andreas Nevoigt, Rektor Prof. Dr. Claus Schuster, Preisträger Nik Biniossek, Kevin Schmitter, Stefanie Reinhardt und J. Wolfgang Kirchhoff. (Foto: Nils Lenfers)

Iserlohn/Soest. Im Rahmen des Jahresempfangs der Fachhochschule Südwestfalen, zu dem in diesem Jahr der Standort Soest eingeladen hatte, wurden drei Absolventen der Hochschule mit dem Dr. Kirchhoff-Preis ausgezeichnet. Preisträger sind in diesem Jahr Nik Biniossek, Stefanie Reinhardt und Kevin Schmitter.

Rund 200 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Hochschule und Gesellschaft begrüßte Rektor Prof. Dr. Claus Schuster zum Jahresempfang der Hochschule im Soester Audimax. In seinem Rückblick auf das vergangene Jahr wies Schuster darauf hin, dass es erstmals gelungen ist, den Frauenanteil unter den Studierenden auf über 30 Prozent zu erhöhen. Bei der Einwerbung von Forschungsdrittmitteln in Höhe von rund 10 Millionen Euro war die Hochschule ebenfalls sehr erfolgreich. Schuster betonte, dass die Fachhochschule Südwestfalen in Lehre und Forschung für die technologischen Herausforderungen der Zukunft gut gerüstet sei.

Politische Diskussion sachlich führen

Auch die derzeitigen politischen Debatten ließ Schuster in seiner Begrüßung nicht unerwähnt: „Als Jahrgang 61 zähle ich zu den Personen, die genauso lange mit der Mauer zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland gelebt haben wie ohne die Mauer. Ich bin besorgt, dass in vielen Köpfen jetzt neue Mauern errichtet und die Chancen, die eine Demokratie und der damit verbundene Diskurs birgt, nicht genutzt werden. Ich wünsche mir, auch als Rektor einer weltoffenen Hochschule, dass wir in Deutschland den Mut und die Bereitschaft haben, eine politische Diskussion sachlich zu führen und auch bei gesellschaftlichen Reizthemen nicht wegzuschauen, sondern konstruktive Lösungen zu suchen“.

Der mit je 3.000 Euro dotierte Dr. Kirchhoff-Preis wurde in diesem Jahr zum 20. Mal vom Verband der Metall- und Elektroindustrie Nordrhein-Westfalen in Würdigung der Verdienste von Dr.-Ing. Jochen F. Kirchhoff für die nord­rhein-westfälische Metall- und Elektroindustrie vergeben. Mit dem Preis werden herausragende studentische Abschlussarbeiten ausgezeichnet, die in enger Zusammenarbeit mit der Industrie erstellt wurden und aufgrund ihres Innovationsgehaltes einen wesentlichen Beitrag zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der beteiligten Unternehmen erbracht haben.

Ein Schalter für die Zukunft

Nik Biniossek ist Absolvent der Soester Studiengangs Systems Engineering and Engineering Management. Im Rahmen seiner Masterarbeit bei der Firma Albrecht Jung in Schalksmühle entwickelte er einen funktionsfähigen, Apple-HomeKit unterstützenden, Bluetooth Low-Energy-Lichtschalter für die Hausautomation. Die von Prof. Dr. Ulf Witkowski betreute Masterarbeit umfasste neben der theoretischen Einarbeitung in die HomeKit-Thematik, die Auswahl und Qualifizierung geeigneter Komponenten, die Realisierung der „Bluetooth Low Energy“-Antenne mit messtechnischer Überprüfung und auch die Programmierung der HomeKit-Firmware.

Stefanie Reinhardt absolvierte in Iserlohn den Verbundstudiengang Maschinenbau und entwickelte in Zusammenarbeit mit der Fa. KHS ein Konzept für ein modulares Führungsgeländersystem im Bereich der Fördertechnik. Ausgehend von hohen Produktions- und Montagekosten des heutigen Geländersystems zur Führung von Behältern und Gebinden in Getränkeabfüll-Anlagen dient dieses neue, modulare System einer schnelleren, einfacheren Montage bei niedrigeren Kosten und bietet eine höheren Flexibilität, um den stetig wachsenden Anforderungen der Getränkeindustrie gerecht zu werden. Das Konzept wurde inzwischen nicht nur theoretisch erprobt, sondern unter realitätsnahen Bedingungen getestet und in der Praxis erprobt. Betreut wurde die Arbeit von Prof. Dr. Asch.

In Kooperation mit der Firma Trilux in Arnsberg beschäftigte sich Kevin Schmitter in seiner Bachelorarbeit mit der Strategieentwicklung zur Digitalisierung am Beispiel von Smart Services. Durch die Erstellung von Wettbewerbsanalysen, Road­maps und die Neuskizzierung des Innovationsprozesses wurde sowohl die Ausgangssituation ganzheitlich umrissen als auch neue Wege für die strategische Weiterentwicklung aufgezeigt. Der Absolvent des Hagener Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen leistete, betreut von Prof. Dr. Evelyn Albrecht, mit seiner Idee, Preis­punkte von Produkten auf digitale Leistungspakete zu übertragen, einen Beitrag zur Weiterentwicklung der digitalen Transformation des Produktportfolios des Unternehmens.

Beeindruckt von Persönlichkeiten

In Vertretung von Dr.-Ing. Jochen F. Kirchhoff gratulierte sein Sohn J. Wolfgang Kirchhoff den Preisträgern: „Als Jurymitglied beurteilt man die Arbeiten ja immer aus sachlichen Gründen, aber wenn ich sehe, welche Persönlichkeiten hinter diesen preiswürdigen Arbeiten stehen, bin ich immer wieder beeindruckt. Alle Arbeiten zeigen Lösungswege für die technologischen Entwicklungen der Zukunft auf und belegen gleichzeitig die enge Verbindung der Hochschule zur heimischen Wirtschaft“.