Pogrom am 9. November: Gedenken in neuer Form

Pogrom-Gedenken
Die Synagoge wird zum Info-Point für die vielen Aktionen zum Pogrom-Gedenken. Für eine ganz neue Erinnerungskultur in diesem Jahr stehen u.a. (v.l.) Peter Mook (Stadt Hagen), Elena Grell (Jugendring), Lola Lecoutour (Ausstellungs-Kuratorin), Hagay Feldheim (Jüdische Kultusgemeinde), Hannah Scharlau (Jugendring) sowie Dietmar Schneider (Kooperative K). (Foto: Sandra Schievelbusch)

Hagen. Es ist der 9. November 1938: Ihre Metzgerei am Hohen Graben wird geplündert, die Privatwohnung der Familie Cohn verwüstet. Das Klavier wird aus dem Fenster geworfen und landet in der Volme. Simon Cohn wird geschlagen und stirbt an den schweren Verletzungen.
Es ist der 9. November 2018: 80 Jahre später wird ein Klavier durch Hagen transportiert, in Gelb – das Stigma für jüdische Männer und Frauen nach dem Mittelalter um 1215, das im Dritten Reich seine „Renaissance“ erlebt.

Eine ganz neue Form des Gedenkens an die Pogromnacht wird es in diesem Jahr geben. Besonders junge Menschen sollen angesprochen und eingebunden werden in einer Zeit, in der die Ausgrenzung von Andersdenkenden und Andersaussehenden immer noch und mehr denn je stattfindet. Und so haben sich die jüdische Gemeinde, der Jugendring, der Geschichtsverein, die Kooperative K, das Theater, das Rahel-Varnhagen-Kolleg sowie die Stadt Hagen zusammengeschlossen, um an vielen Orten mit außergewöhnlichen Aktionen und Installationen vom 9. bis zum 18. November zum Nachdenken einzuladen.

„Das gelbe Klavier“ ist eine solche Aktion. Wo das Piano temporär in dieser Gedenkwoche steht, kann es von den Bürgern bespielt werden. Die Max-Reger-Musikschule wird auch mit ihren Klavierlehrern anwesend sein. Eine weitere Aktion dieser Art: an elf Standorten befinden sich Info-Container, in denen mittels Audioübertragungen über Schicksale jüdischer Mitbürger informiert wird.Daneben wird es Stadtrundgänge, Kino- und Theatervorstellungen, eine Wanderausstellung und ein Konzert des Vokalensembles „Vigholin“ (10. November, 18 Uhr im Emil-Schumacher-Museum) geben.

Zentrale Info-Stelle

Ein zentraler Info-Point mit allem Wissenswerten rund um die vielfältige Gedenkprojekte befindet sich vor der Synagoge in der Potthofstraße, in der Erinnerungswoche täglich zwischen 16 und 22 Uhr besetzt. Auftakt der Gedenkveranstaltung ist am 9. November um 10.30 Uhr an der Synagoge. Oberbürgermeister Erik O. Schulz und Hagay Feldheim, Leiter der Jüdischen Gemeinde Hagen sowie Vertreter anderer Gemeinden werden Ansprachen halten.