Praktikum in Paraguay

Hagen. (Red./tau) Abenteuerlustig war Carina Hasenpusch immer schon. So manche Preise hat sie als junge Motorsportlerin eingeheimst. Während und auch nach ihrer Aktivenzeit war sie außerdem als Trainerin beim Hagener Automobilclub im Einsatz. Zusammen übrigens mit ihrer zweieinhalb Jahre jüngeren Schwester Kirsten, über deren Australien-Erlebnisse der wochenkurier vor einiger Zeit berichtete.

In die Ferne zog es Carina auch schon einige Male. 2010 absolvierte sie in Caracas/Venezuela ein Praktikum bei einer Menschenrechtsorganisation und 2012 ein weiteres Praktikum in Madrid bei der Deutschen Auslandshandelskammer. Im Rahmen ihres Jura-Studiums in Münster verbrachte die 24-Jährige jetzt zwei Monate im südamerikanischen Paraguay: „Neben meinem Studium habe ich die FFA (Fachspezifische Fremdsprachenausbildung für Juristen) auf Spanisch absolviert. Das ist ein gesonderter Studiengang, bei dem man die Grundzüge des spanischen Rechts erlernt“, erklärt sie. „Meine Dozentin ist Paraguayerin, weshalb sich unter anderem mein Interesse entwickelt hat, Paraguay zu bereisen. Ein Land, das kaum ein Deutscher kennt!“ Unlängst absolvierte Carina Hasenpusch ein Praktikum bei Rediex. Rediex ist Teil des Ministeriums für Industrie und Handel. Anschließend machte sie ein Praktikum bei einer Anwaltskanzlei.

In dem folgenden kleinen Bericht hat Carina Hasenpusch einige Erfahrungen während der zwei Monate in Südamerika zusammengefasst:

„Paraguay ist ein sehr kleines, aber unterschätztes tolles Land! Im Osten grenzt es an Brasilien, im Süden und Westen an Argentinien sowie im Norden und Westen an Bolivien. In Paraguay spricht man Spanisch. Es gibt allerdings auch noch die Sprache der Ur-Einwohner, das Guaraní, das sogar in der Schule unterrichtet wird.

„Während meiner Zeit in Paraguay habe ich sehr viele nette Leute kennengelernt. Ich bin sicher, dass ich wieder zurückkommen werde“, sagt Carina Hasenpusch. Hier ein Erinnerungsfoto mit der Familie, die ihr viel geholfen und mit ihr einige Touren unternommen hat. (Foto: privat)
„Während meiner Zeit in Paraguay habe ich sehr viele nette Leute kennengelernt. Ich bin sicher, dass ich wieder zurückkommen werde“, sagt Carina Hasenpusch. Hier ein Erinnerungsfoto mit der Familie, die ihr viel geholfen und mit ihr einige Touren unternommen hat. (Foto: privat)

Gelassenheit

Die Menschen sind sehr hilfsbereit Ausländern gegenüber, aber auch untereinander sehr freundlich. Ich habe selten so offene und nette Menschen getroffen. Hier hilft man sich von Herzen gerne und nimmt auch Umstände in Kauf, um jemandem etwas Gutes zu tun.

Die Menschen haben eine sehr positive Lebenseinstellung und vermitteln Lebensfreude und Herzlichkeit. Außerdem sind sie wunderbar gelassen. Es kann so ziemlich alles an Komplikationen auftreten, was uns Deutsche wohl in Stress versetzen würde – die Paraguayer bringt es nicht aus der Ruhe. Man erlebt kaum stressige, angespannte, gereizte oder ungemütliche zwischenmenschliche Stimmungen. Zu dieser unbeschwerten Lebensart und Einstellung kommt dann und wann natürlich auch der negative Beigeschmack, dass sich Planungen in einem engen Zeitfenster etwas schwierig gestalten…

Als Deutscher lernt man durch einen Aufenthalt in einem solchen Land zu schätzen, was man in der Heimat hat. Ein Beispiel: Während wir uns in Deutschland über Verspätungen von Bus und Bahn beschweren, gibt es hier überhaupt keine Fahrpläne. Man wartet auf einen Bus – und entweder man hat Glück und er kommt, oder er kommt eben nicht. Oder er bleibt zwischendurch stehen aufgrund irgendeines Defektes. Auf jeden Fall kommt er zu keinen geregelten Zeiten.

In Asunción – das ist die Hauptstadt von Paraguay, in der ich gelebt habe – war es zeitweilig sehr heiß. Wir hatten Temperaturen von über 40 Grad. Asunción wurde vor kurzem als „heißeste Stadt der Welt“ bezeichnet (laut Messungen der spanischen Zeitung „La Nación“).

Einsatz für Straßenhunde

Immer öfter sind mir in Asunción Hunde auf der Straße begegnet, die offensichtlich krank waren. Sie hatten Verletzungen, waren abgemagert und konnten oft kaum noch laufen. Ich wollte ihnen helfen, also habe ich Kontakt aufgenommen zu der paraguayischen Organisation, die sich für Straßenhunde einsetzt: „Adoptame con amor y responsabilidad“ – übersetzt: „Adoptiere mich, mit Liebe und Verantwortung“.

Ich habe bei Adoptame mitgeholfen, nachdem ich mich von deren seriöser Arbeit überzeugt hatte. Dazu gehören eine umfassende tierärztliche Untersuchung, Impfungen sowie eine Kastration/ Sterilisation. Anschließend werden die Tiere zur Adoption freigegeben, wobei die neuen Besitzer genau geprüft werden. Ich durfte eine der schönen Seiten dieser Arbeit erleben – wie ein kleiner Hund („Ojito“) in einem sehr kritischen Zustand auf der Straße gefunden wurde und später ein neues Zuhause erhielt.

Adoptame ist auf das Engagement seiner ehrenamtlichen Helfer und auf Spenden angewiesen. Zwar arbeitet die Organisation mit Tierärzten zusammen, die ihnen enorme Vergünstigungen gewähren. Jedoch müssen auch diese Kosten irgendwie getragen werden.

Viele Menschen in Paraguay empfinden die Tiere eher als Last. Dort ist es an der Tagesordnung, wenige Tage alte Welpen auf die Straße zu werfen. Adoptame hat sich zum Ziel gesetzt, Respekt gegenüber Tieren zu schaffen und einen verantwortungsbewussten Umgang mit ihnen zu vermitteln. Dank Adoptame kann man eben doch, wenn man durch die Straßen geht und ein hilfsbedürftiges Tier auffindet, etwas tun. Ich habe eine Facebook-Seite erstellt, die sich „Freunde von Adoptame“ nennt, auf der man weitere Informationen finden kann.“

„Ich komme wieder!“

Rückblickend auf alle Erfahrungen, die Carina Hasenpusch bei ihrem Aufenthalt gemacht hat, zieht die Hagenerin eine eindeutige Bilanz: „Paraguay war eines der bisher schönsten Erlebnisse in meinem Leben. Es hat mich mich nicht nur juristisch, sondern auch menschlich beeinflusst und weitergebracht. Ich plane bereits jetzt zurückzukehren!“