Premiere für den Tonfilm

Hagen. (ME) Was stand bei den Hagenern vor 100 Jahren – also am Vorabend des Ersten Weltkriegs – im Mittelpunkt des Interesses? Wir setzen unsere Serie „Hagen – 1914“ mit einem letzten Blick in den Februar fort.

Autor dieses Beitrags ist auch diesmal wieder Prof. Dr. Gerhard E. Sollbach. Er schreibt:

Weltwunder in Hagen

Ende Februar 1914 gab es in Hagen nach der Vorführung des bis dahin größten Monumentalfilms und einer Deutschland-Filmpremiere im vorausgegangenen Monat eine weitere und sogar noch größere Film-Sensation zu bestaunen. Sie wurde von dem Besitzer der Viktoria-Lichtspiele in der Körnerstraße als das „größte Weltwunder des 20. Jahrhunderts“ und das „bisher Menschenunmögliche“ angekündigt.

In der betreffenden Anzeige in der „Hagener Zeitung“ vom 21. Februar 1914 heißt es, dass „Edison“ nach Hagen komme. Mit „Edison“ ist der US-amerikanische Erfinder und Unternehmer Thomas Alva Edison (1847-1931) gemeint. Der kam natürlich nicht nach Hagen. „Edison“ ist hier auch nicht als Personenbezeichnung, sondern als Markenname zu verstehen.

Der neue Tonfilm

Was nach Hagen kam, war der von Edison oder vielmehr von dessen Labor im US-Bundesstaat New Jersey entwickelte Tonfilm bzw. das zur Vorführung von Tonfilmen ebenfalls von Edison und seinem Unternehmen entwickelte und 1913 vorgestellte neue Kinetophone. Dieses Kinetophone bestand aus einem Edisonschen Kinetoscope als Projektor und einem Phonographen mit Zylinderwalze als Tonwiedergabe-Gerät. Edisons Unternehmen produzierte auch (kurze) Tonfilme für das Kinetophone.

Das bedeutete aber, dass mit der ersten Vorstellung am Dienstag, dem 24. Februar 1914, im Viktoria-Kino „der sprechende Film“, der, wie es in der Zeitungsanzeige heißt, „das mysteriöse Weiterleben nach unserem Tode versinnbildlicht“, in Hagen Einzug hielt.

Deutschland-Premiere?

Doch damit nicht genug. Wenn man der Anzeige glaubt, war es sogar die Deutschland-Premiere! Dort heißt es nämlich weiter, dass der Tonfilm bei der Vorstellung am 24. Februar 1914 „zum ersten Mal in Deutschland“ zur Aufführung komme. Sollte das stimmen, hätte die Tonfilm-Ära in Deutschland in Hagen begonnen! Allerdings lässt sich die Richtigkeit dieser Behauptung nicht mehr zuverlässig nachprüfen.

Große Ausstellung

Im Übrigen möchte der wochenkurier allen Lesern einen Termin ans Herz legen: Am 28. Mai wird im Osthaus-Museum an der Hochstraße die Ausstellung „Weltenbrand – Hagen 1914“ eröffnet. Bis zum August zeigt der städtische „Fachbereich Kultur“ zum überwiegenden Teil Eigenbesitz aus den Sammlungen der hiesigen Museen und Archive. Kunstwerke und historische Objekte stehen gleichrangig nebeneinander und ermöglichen einen spannenden Rundgang durch die Kulturgeschichte unserer Stadt. Ein umfangreiches Rahmenprogramm – unter anderem mit Stadtrundfahrten zu den „Kriegerdenkmälern“ – ergänzt die Schau.

→ Alle bisher erschienenen Teile der Serie.