Privatbunker aus dem Zweiten Weltkrieg

Hagen. (anna) Er gilt als der besterhaltene private Bunker in Hagen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges: Im Haus Lange Straße 69 wurde im Juli 1938 aus einem normalen Keller ein „Hochsicherheitstrakt“: Der Boden ist tiefer gelegt, die Decken sind verstärkt mit Eisenträgern der Hasper Hütte. Gasschutztüren aus Stahl, Überdruckventile und gekennzeichnete Notausgänge sowie ein eisernen Ofen sind im Originalzustand erhalten geblieben. Hier suchten die Anwohner Schutz vor den Tod bringenden Bomben der Alliierten.

Das Mehrfamilienhaus wurde 1889 von einem Wilhelm Brinker erbaut. Zuvor stand ein Bauernhof an dieser Stelle. Der Großvater von Dr. Reinhold Busch erwarb das Haus dann im Jahre 1915. „Seitdem ist es in Familienbesitz“, erläutert Busch die Besitzverhältnisse, „jetzt gehört es meinen Kindern.“

An dem Bunker im Keller ist in all den Jahren seit dem Krieg nie etwas verändert worden. Nur das Gerümpel der Mieter zeugt von einer anderen Zeit.

In der Lange Straße 69 ist auch ein Kanonenofen aus dem Jahre 1938 original erhalten. (Foto: Anna Linne)
In der Lange Straße 69 ist auch ein Kanonenofen aus dem Jahre 1938 original erhalten. (Foto: Anna Linne)

1938 Vorsorge

Bereits 1938 war den Menschen klar, dass es einen Luftkrieg geben würde. Viele Hagener trafen damals schon Vorsorge für einen privaten Bunker. „Meist waren mehrere Häuser durch Löcher in der Wand miteinander verbunden, so dass auch Nachbarn leicht in die gesicherten Schutzräume gelangen konnten.“ Diese längst wieder zugemauerten Durchgänge sind ebenfalls noch sichtbar.

Der Hagener Bunker-Experte Horst Klötzer zeigt sich begeistert von den Relikten der Vergangenheit. Mit Hingabe erläutert er die Funktionen der einzelnen Gegenstände: „Die Menschen hatten damals die meiste Angst vor Gasangriffen“, weiß er,“ deshalb wurde jeder Raum des Bunkers mit einem Überdruckventil versehen. Die gassicheren, eisernen Türen wurden für die Menschen erst geöffnet, wenn mittels Ventil ein Unterdruck im Raum erzeugt war, so dass kein Luftzug entstehen und entweichen konnte.“

Original erhalten

In zwei Bunkerräumen sind diese an der Wand hängenden Ventile noch vorhanden. Ebenso eine Lüftung, deren Leitung in den Hof reicht. In jedem der vier Räume ist ein Notausgang gekennzeichnet, entweder durchs Kellerfenster oder durch eine Tür. Eine von zwei Kloschüsseln aus dem Jahre 1938 ist ebenfalls noch vorhanden. Ebenso ein Waschbecken aus Metall. Für den Bunker-Experten Klötzer eine tolle Sache.

Original erhalten ist auch der Kanonenofen im großen Bunkerraum, der den Menschen während der Bombenangriffe etwas Wärme spenden konnte. Seine Gebrauchsanweisung liegt – in Plastik eingeschweißt – noch neben dem Heizgerät.

In der ehemaligen Waschküche mit echtem eingemauerten Zuber mit Kohlefeuerung für die Kochwäsche sind zwei originale Bänke aus der Kriegszeit stehen geblieben. Einfach gezimmerte Holzbänke, auf denen die Menschen eng zusammengekauert der Entwarnung entgegen gefiebert haben.

Jetzt überlegen Dr. Reinhold Busch und Horst Klötzer, wie sie dieses einzigartige Denkmal für die Öffentlichkeit begehbar machen können.