Putzteufels Hüfte

Hermann bekam im hohen Alter von 90 Jahren noch eine neue Hüfte verpasst. Das wollte er so. Denn nicht nur das Laufen schmerzte, der Rentner konnte auch seiner Lieblingsbeschäftigung – dem Putzen – nicht mehr nachkommen. Und ohne intensive Hausarbeit fühlte Hermann sich nutzlos und unausgelastet.
Auch wenn Gattin Hedwig wahnsinnig wurde, wenn ihr Mann mit seinem Badewasser die Küche wischte oder die Mülltonnen nach jeder Leerung gründlich mit aufgespartem Wasser säuberte. Er entsprang eben der Kriegsgeneration und war sehr sparsam.
Wenn Hermann frühmorgens gegen fünf Uhr von der senilen Bettflucht befallen wurde, machte er sich auf den Weg in den Keller und schmiss die Waschmaschine an. Das Drehen der Trommeln fand er ungemein beruhigend, auch wenn nicht viel Wäsche drin war. Er hatte etwas zu tun.
All diese lieben Gewohnheiten ließen sich mit der kaputten Hüfte ohne Schmerzen nicht mehr beibehalten. Also ging Hermann ins Krankenhaus und ließ sich operieren.
Danach weilte er in der Reha-Klinik in Bad Sassendorf und sorgte sich insgeheim um sein Zuhause, das nun völlig verkommen würde. In Sachen Haushaltsführung traute er seinem Eheweib nicht über den Weg.
Dann kam der Abschied von der Reha, bei dem alle Patienten noch einmal eine Bewegungs-Anweisung für daheim in die Hand gedrückt bekamen. Die hüftoperierten Frauen erhielten einen genauen Plan, wie sie sich beim Putzen von Fenster & Co. bewegen sollten, ohne ihrem neuen Gelenk zu schaden. Für die Männer der Station hingegen gab es eine zeichnerische Darstellung zur richtigen Ausführung des Geschlechtsverkehrs mit künstlicher Hüfte.
Jetzt weiß Hermann nicht, wie er an die Putzanleitung kommen soll, denn bisher wollte keine Frau mit ihm tauschen.

Schönen Sonntag