Rätsel um Eichelhäher gelöst

Das Rätsel ist gelöst: Der zahme Eichelhäher vom Eilperfeld war ein hilfloses Fundtier, das im Alter von rund zwei Wochen im Hagener Umweltzentrum abgegeben und von einer Mitarbeiterin in der Straßburger Straße hochgepäppelt wurde. Seit Sonntagabend bereichert der zahme Eichelhäher das Leben der Familie Knizia in Priorei. Der zehnjährige Enkel Timm war entzückt, als ihm der Vogel sofort auf die Schulter flog. Trotz der beiden Riesenschnauzer, die durch den Garten toben, fühlt sich der Eichelhäher bei der Familie wohl. (Foto: privat)

Hagen. (tau) Wer kennt den Eichelhäher, der seit geraumer Zeit Balkonen im Eilperfeld einen Besuch abstattet? fragte der wochenkurier in seiner letzten Samstags-Ausgabe die Leser. Der Wildvogel zeigt nur wenig Scheu vor Menschen, ließ sich schon von Anwohnern füttern, inspizierte Fensterbänke, legte dort ein entspanntes Nickerchen ein und posierte angstlos vor einer Fotokamera.

Bereits am Montag löste sich das Rätsel um den gefiederten Freund.

In Helfe gefunden

Ralf Blauscheck, Leiter der Hagener Biostation am Haus Busch, meldete sich in unserer Redaktion und berichtete, dass ein Gärtner des Grünflächenamtes vor einiger Zeit einen kleinen Eichelhäher in Helfe aufgefunden und in der Station abgegeben hatte. Übrigens eine Premiere! Bislang hatte es dort keinen Notfall seiner Gattung gegeben. „Das Küken war circa zwei Wochen alt, völlig unbefiedert, aber sehr rege und unverletzt,“ erzählt Ralf Blauscheck. „Man weiß nicht, ob das Nest zerstört oder die Eltern getötet worden waren.“

Eine Mitarbeiterin des Umweltzentrums nahm das Fundtier mit nach Hause und päppelte es dort in der Straßburger Straße – also mitten im Eilperfeld – im Familienkreis auf. Doch aus dem Baby wurde ein Jugendlicher, und Krähenvögel sind lebhafte Geschöpfe, besonders was ihre Stimme betrifft! „Im Wald sind sie die ersten, die lauthals Alarm  schlagen, wenn ein Mensch in ihr Revier eindringt,“ weiß der Tierkenner. Für die „Familie“ des Eichelhähers, ebenso wie für die Nachbarschaft ein zunehmendes Problem.

Lautstark Futter eingefordert

„Morgens um 6 Uhr forderte er mit durchdringendem Krächzen sein Fressen ein!“ berichtet Blauscheck. Darüber hinaus stellte er in seiner Entdeckungslust allen möglichen Blödsinn an, so dass eine Wohnungshaltung ab einem bestimmtem Alter untragbar wurde. Wirklich erziehen kann man diese Vögel nicht, auch wenn sie sehr gelehrig sind und scheinbar genau wissen, wie sie ihren Willen bekommen…

So begann für den Eichelhäher vom Eilperfeld ein schrittweises Leben in Freiheit, immer noch mit Bezug zu seiner Ersatz-Familie.

„Eichelhäher sind Allesfresser, von Würmern über Früchte bis hin zu Katzenfutter“, erklärt der Biostation-Leiter. „Ich habe es schon erlebt, dass sie warten, bis sich eine Katze wegdreht und sich dann über deren Napf hinterm Haus her machen.“

„Zurück“ ins wilde Leben

Aber solche Wildvögel bleiben, auch wenn sie von Menschenhand groß gezogen werden, nicht zeitlebens abhängige Pflegefälle. Es zieht sie zu ihren Artgenossen, deren Lebensweise sie dann schnell erlernen und übernehmen.

Der kleine Findling, mittlerweile rund fünf Monate alt und damit erwachsen,  zieht nun seine immer größer werdenden Aktionskreise und wird vielleicht irgendwann sein Leben in der Wildnis verbringen.

Zu Gast in Priorei

Wie uns kurz vor Redaktionsschluss mitgeteilt wurde, ist der zahme Eichelhäher seit Sonntagabend bei der Familie Knizia in Priorei zu Gast und hat dort mit dem Enkel Timm Ewald Freundschaft geschlossen. Der Zehnjährige war begeistert, als ihm sein gefiederter Freund gleich auf die Schulter flog. Auch von den beiden Familienhunden – zwei Riesenschnauzern -, die gerne durch den Garten toben, lässt sich der Eichelhäher nicht stören. „Er sitzt oft in unserer Weinpergula und knabbert von den Trauben“, erzählt Siegrid Knizia, die sich über den ungewöhnlichen Besuch sehr freut. „Wir werden ihn gar nicht mehr los“, meint die neue Pflegemutter, „mal sehen, wann er weiter zieht.“

Seine Kinderstube wird der Vogel wahrscheinlich nie ganz vergessen und eine gewisse Zahmheit mag bleiben. „So könnte es sein, dass er auch in Zukunft auf menschliche Stimmen reagiert“, vermutet Ralf Blauscheck.