Rathaus-Galerie: Eröffnung vielleicht erst im November

Hagen. (as) Sein Name ist Haase, er wusste von nichts. André Haase, diplomierter Kaufmann und Geschäftsführer von Rathaus-Galerie-Eigentümer Gedo, hatte bis zur letzten Minute gehofft, das neue Einkaufs-Center mit all seinen großen und kleinen Geschäften am Dienstagfrüh eröffnen zu können. Doch die Hoffnung starb. Nach heißen Diskussionen in der Nacht von Montag auf Dienstag zogen Vertreter von Bauverwaltung, Gedo, Feuerwehr, Brandschutz und TÜV die Reißleine: Nur Elektromarkt Saturn und Tiefgarage konnten am seit Monaten geplanten Eröffnungstag der Rathaus-Galerie, 14. Oktober 2014, tatsächlich öffnen. All die anderen Geschäfte mussten geschlossen bleiben.

Wann eröffnet wird, ist noch unklar. André Haase hofft, dass die große Öffnungs-Feierstunde spätestens bis zum ersten geplanten Late-Night-Shopping am 7. November 2014 nachgeholt werden kann. „Am liebsten aber früher“, sagt er.

„Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen“, sagt Oberbürgermeister Erik O. Schulz. Doch: „Sicherheit geht vor.“

„Wir möchten gewährleisten, dass all die Besucher ein entspanntes Einkaufserlebnis haben“, sagt Erik O. Schulz. „Dazu gehört, dass sich die Besucher darauf verlassen können, dass der Brandschutz funktioniert.“

Doch genau damit hapert es in dem rund 120-Millionen-Euro-Projekt Rathaus-Galerie. Etwa 800 große und winzigkleine Mängel umfasst eine Liste, die dem Technischen Beigeordneten Thomas Grothe vorliegt. Drei Punkte aus dem Bereich Brandschutz jedoch ragen aus den 08/15-Mängeln heraus. Erstens: Die Brandmeldeanlage tut’s nicht. Das heißt, ein Signal kommt nicht in der Brandmeldezentrale an. Zweitens: Etwa 50 Prozent der „nicht automatischen Melder“ haben nicht funktioniert. Drittens: Die Lautsprecheranlage, die mögliche Feuerwarnungen im Einkaufszentrum weitergeben soll, schweigt.

Brandschutz-Probleme länger bekannt

Die Erkenntnis, dass es Probleme mit dem Brandschutz gibt, ist nicht neu. Seit Ende September laufen in dem riesigen Bauprojekt die unterschiedlichsten baulichen Abnahmen. Unter anderem knöpften sich Feuerwehr und Bauordnungsamt die Erkenntnisse von TÜV und Brandschutzgutachter vor. Alle kamen zum gleichen Schluss: Hier muss gewaltig nachgearbeitet werden. Bei den festgestellten Brandschutzmängeln darf die Rathaus-Galerie nicht öffnen.

Viele Probleme bekamen die Handwerker in den vergangenen 14 Tagen in den Griff. Fest steht, dass der Brandschutz in sämtlichen Ladenstraßen der Galerie funktioniert. Auch bei Saturn gibt’s nichts mehr zu beanstanden. Nur: In den vielen großen und kleinen Geschäften gibt’s immer noch Probleme.

„Biologische Brandmelder“?

„Wir haben gehofft, die Technik kompensieren zu können. Wir haben überlegt, mit biologischen Brandmeldern zu arbeiten“, sagt André Haase. Will heißen: Er wollte in Absprache mit Bauordnung und Feuerwehr Menschen einsetzen, die an allen Ecken und Enden der Galerie stehen und um Ernstfall „Feuer“ rufen. Schließlich jedoch musste sich der Gedo-Geschäftsführer eingestehen, dass selbst der Einsatz hunderter freiwilliger „biologischer Brandmelder“ das Abstellen der Mängel nur verzögert hätte. Denn: Handwerker könnten sich im laufenden Betrieb erst nach Geschäftsschluss auf die Fehlersuche begeben.

Richtig gelesen: Fehlersuche. Zwar weiß man, dass verschiedene Bereiche der Brandschutz-Maßnahmen nicht funktionieren. Aber das Warum ist noch nicht geklärt. Thomas Grothe weiß, dass in einigen Fällen zwar die Lautsprecher der akustischen Warnanlage in den Geschäften installiert sind. Aber bei genauerem Gucken hinter die Verkleidungen stand fest: Die Kabel zu den Lautsprechern fehlen.

Spekulationen über Sabotage

Das Wort Sabotage macht die Runde. Schließlich hatte sich die Entwicklungs- und Verwaltungsgesellschaft Gedo in der Bauphase von der mit dem Brandschutz beauftragten Firma getrennt. Aus „leistungstechnischen Gründen“, wie es hieß. Gestern beschwichtigte André Haase die Gerüchte-Küche: „Ich kann die Sabotage-Vermutungen nicht bestätigen“, sagte er.

Einzelhändler und deren Angestellte erfuhren als Letzte, dass die Galerie vorerst noch geschlossen bleibt. Sie wurden, wie André Haase gestern sagte, in einer Rundmail informiert. Aber wer guckt schon morgens um vier Uhr in sein E-Mail-Postfach, wenn um sechs Uhr die Eröffnung des eigenen Ladens in der Galerie anstehen soll. Wie steht’s mit Regress? So lautete eine der am häufigsten gestellten Fragen. André Haase bleibt diplomatisch: „Das muss alles noch geprüft werden“, sagt er. „Gegen Fehler im Brandschutz sind wir schließlich versichert.“