Rathaus-Galerie wirft Schatten voraus

(Foto: Michael Eckhoff)

Hagen. (ME) Große Ereignisse werfen bekanntlich ihre Schatten voraus. Ein solches „Groß-Ereignis“ wird die Eröffnung der neuen Rathaus-Galerie an der Mittel-/Rathausstraße im Jahr 2014 sein. Sie wird das bisherige Geschäfte-Gefüge in der volmestädtischen City stark verändern und letztendlich teilweise eine Verschiebung der Passantenströme herbeiführen. Eine Reihe von Veränderungen zeichnet sich schon ab. So „verlagern“ sich bereits die ersten Läden aus den eher „unteren Gefilden“ der Elberfelder Straße in Richtung „Herz“ der Bummelzone.

Die Grundsteinlegung für den Bau der Rathaus-Galerie fand Ende August statt. Wenn das neue Shopping-Center im Jahr 2014 fertiggestellt sein wird, will es auf zwei Verkaufsebenen über 70 Fachgeschäfte, Dienstleistungsbetriebe, Cafés und Restaurants im Angebot haben. Die Mietfläche von circa 24.000 Quadratmetern ist – Stand: September 2012 – annähernd zu 70 Prozent vermietet. Zu den großen Mietern zählen der Kaufpark, der ja bereits an diesem Standort vorhanden ist, und Saturn. Der Kaufpark, bislang in einem früheren Kino auf recht engem Raum beheimatet, wird seine bisherige Fläche in etwa verdoppeln und sich an der Mittelstraße im völlig neuen „Gewand“ präsentieren. Und zu den Dienstleistern, die hier einziehen, wird zudem eine Bank-Filiale gehören – sie möchte die besonders ins Auge springende Ecke Ebert-Platz/ Rathaus-/ Mittelstraße einnehmen.

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Ein solches „Groß-Ereignis“ wird die Eröffnung der neuen Rathaus-Galerie an der Mittel-/Rathausstraße im Jahr 2014 sein. Unser Foto zeigt die Grundsteinlegung Ende August 2012. (Foto: Michael Eckhoff)

Architekten aus Wetzlar

Projektentwickler und Investor für das Projekt, das schlussendlich über mehr als 400 Tiefgaragenstellplätze verfügt, ist die GEDO-Gruppe aus Grünwald bei München. Die GEDO zählt im Bereich von Einkaufs- und Fachmarktzentren mit einer über 40-jährigen Firmengeschichte zu den großen Entwicklungs- und Investitionsunternehmen in Deutschland. Sowohl die Gesamtplanung des Shopping-Centers als auch die städtebauliche Einbindung des Projektes erfolgt durch die Architekten KuBuS aus Wetzlar, die großen Wert darauf legen, ihren Entwurf der in der Hagener Innenstadt vorherrschenden Fünfziger-Jahre-Baukunst anzupassen. Konzeptionsberatung und das langfristige Management liegen in den Händen der Koprian iQ-Firmengruppe: Das Unternehmen mit Sitz in Hamburg beschäftigt sich mit der Beratung, der Entwicklung, der Vermietung und dem Langzeit-Qualitätsmanagement von gewerblichen Immobilien und Shopping-Centern.

Keine Zweifel, der Bau des neuen Shopping-Centers wird Hagens Innenstadt verändern – in mannigfaltiger Hinsicht. Die Mittelstraße beispielsweise wird hiervon stark profitieren. Und auch der Ebert-Platz (samt anliegenden Straßen) wird noch mehr Kunden aus Nah und Fern anlocken. Umgekehrt bedeutet dies aber auch, dass es andere Viertel in der Stadtmitte geben wird, die ins Hintertreffen geraten werden. Dazu zählen sicherlich noch stärker als bisher die Straßenzüge zwischen Karl-Marx-Straße und Graf-von-Galen-Ring.

Erste Reaktionen

Die ersten Unternehmer reagieren bereits auf die zu erwartenden Veränderungen. Der Herrenausstatter Scherfig beispielsweise sah schon jetzt – mit dem Hinweis auf das neue Shopping-Center – künftig für sich keine ausreichenden Marktchancen mehr (obwohl die Lage dieses Geschäfts an der „mittleren Elbe“ eigentlich gut ist) und hat bekanntlich den Räumungsverkauf eingeleitet. Andere Anbieter, die ebenfalls im Bereich der „mittleren Elbe“ angesiedelt sind, versuchen, ein Stückchen „näher“ zu rücken – also in Richtung Kamp- oder Mittelstraße. Der DM-Markt hat bereits ein neues Lokal bezogen (neben Thalia), der Modeanbieter Takko nimmt ebenfalls seinen Umzug in Angriff und übernimmt demnächst das bisherige DM-Geschäft, und Takkos Nachbar „Schaukelpferdchen“ wechselt bereits in wenigen Wochen zur Kampstraße 15 (ins frühere Goldschmiede-Sander-Haus, zuletzt Schlecker).

Das neue Shopping-Center verändert Hagens Innenstadt. Viele Unternehmen werden umziehen. Das Team des Schaukelpferdchens mit Bianca (rechts) und Eckhard Schulz (l.) wollte nicht bis 2014 warten und nimmt schon jetzt den Umzug zur Kampstraße in Angriff. Mitte Oktober werden die Kisten gepackt. (Foto: Michael Eckhoff)

Bianca und Eckhard Schulz, die Inhaber des Schaukelpferdchens, starteten einst mit ihrem Spielzeug- und Kindermodegeschäft in der Hugo-Preuß-Straße. Dann führten sie lange Jahre ihr Unternehmen im Eckhaus Elberfelder-/Grabenstraße. Weiter ging’s in die „mittlere Elbe“ und somit in die Fußgängerzone, wo das Geschäft aktuell noch zu finden sind, und jetzt steht also ein erneuter Umzug an.

Lage unbefriedigend

„Die städtebauliche Lage jenseits des ’Hinkelsteinbrunnens’ am Adolf-Nassau-Platz,“ weiß Bianca Schulz, „ist für uns unbefriedigend. Auf viele fremde City-Besucher wirkt dieser viel zu groß geratene Brunnen wie ein Endpunkt, über den sie nicht hinausgehen.“ Sprich: es mangelt im unteren Elberfelderstraßenbereich immer mehr an Laufkundschaft. Bianca Schultz ist überzeugt davon, dass sich diese Lage durch die neue Shopping-Galerie deutlich verschärfen wird. Als sich die Chance bot, das leerstehende Ladenlokal im Sander-Haus in der Kampstraße (zuletzt Schlecker) anmieten zu könne, hat das Ehepaar Schultz nicht lange gezögert und zugegriffen. Aktuell wird an der Kampstraße renoviert und dann müssen am bisherigen Standort – voraussichtlich Mitte Oktober – langsam, aber zielstrebig die Umzugskisten gepackt werden.

„Davor,“ lacht Bianca Schulz, „graut es unserem Team schon ein wenig.“ Verständlich, schließlich muss bald ein rund 40.000 Artikel umfassendes Sortiment bewegt werden – vom kleinen Pixi-Buch bis hin zur Kinderkleidung. Eine weitere Herausforderung: das Schaukelpferdchen verfügt derzeit noch über 700 Quadratmeter („was viel zu groß war“), am neuen Standort sind es „nur“ 400. Da will alles gut geplant sein – „und wir wollen nicht allzu viel tragen,“ schmunzelt Eckhard Schulz und hofft auf „Mithilfe“ der Kunden im Vorfeld. Mode für Jugendliche und Kindermöbel werden sie übrigens künftig nicht mehr führen.