Rauchen statt beten

Moscheevereinsvorsitzender Nadim Akbaba(l.), Renate und Jürgen Bennek (r.), weitere Anwohner und Gemeindemitglieder trafen sich gemeinsam mit Manfred Nolte und Klaus Lanze von der Hasper Polizeiwache zum klärenden Gespräch. (Foto: Schievelbusch)

Haspe. (san) Mal wieder liegen zahlreiche Zigarettenkippen in der Hofeinfahrt, an der Hauswand entlang stehen und liegen achtlos weggeschmissene Getränkedosen. Erste Dreckspuren von angelehnten Schuhsohlen verunstalten die frisch gestrichene Fassade. Hauseigentümer Jürgen und Renate Bennek sind sauer. Seit nunmehr 15 Jahren leben sie in enger Nachbarschaft mit der ’Türkisch islamischen Gemeinde zu Hagen-Haspe e.V.’ Im Mühlenwert. Doch seit einigen Jahren wächst die Gruppe der jugendlichen Moscheebesucher, denen die Garagenzufahrt ein willkommener Sichtschutz ist – vor allem wohl, um ungesehen von den Vätern zu rauchen. Weiter hinten im Hof halten sich die Mädchen auf, sie wollen nicht von den Brüdern ’entdeckt’ werden.

Hilfe der Behörden

Weil er persönlich nicht das nötige Gehör fand, wandte sich Jürgen Bennek in der Vergangenheit immer wieder gleichermaßen an Gemeindevorständler, Ordnungsamt, Polizei und die Hasper Bezirksvertretung. Doch nach wie vor gesellen sich die Jugendlichen – Unrat hinterlassend – auf das Privatgelände, bis man kürzlich wieder aneinander rasselte. Auch der ein oder andere Anwohner von der Enneper Straße empfand die Situation der uneinsichtigen Heranwachsenden als bedrohlich.

Harmonie

Eigentlich ist das Miteinander zwischen den Bewohnern und der knapp 250 Mitglieder starken türkisch-islamischen Gemeinde, die seit 1985 im ehemaligen Hasper Apollo-Kino ihren Sitz hat, harmonisch. Moscheevereinsvorsitzender Nadim Akbaba und sein Mitstreiter Dogan Ulusoy sind auch in der Bezirksvertretung für ihr Engagement für ein interkulturelles Zusammenleben bekannt. Akbaba bot sich auf Nachfrage des wochenkurier sofort an, das Nachbarschaftsproblem anzugehen. So fand am Donnerstag eine Aussprache zwischen ihnen, weiteren Anwohnern, Vorbeter Yasar Toker sowie PHK Klaus Lanze und POK Manfred Nolte als Bezirksdienst der Hasper Polizeiwache statt. Wie auch das Ordnungsamt sieht die Polizei auf Bitten der Bezirksvertretung nach dem Rechten – wohlgemerkt ohne dass jemals strafrechtlich Handlungsbedarf bestanden hat.

Nicht respektabel sei das Verhalten der jungen Gemeindebesucher, gestand Nadim Akbaba. Aber auch die Gemeinde habe nicht umfassenden Einfluss auf alle Besucher. „Wir sind froh, wenn sich die Jugend überhaupt zu unseren Angeboten einfindet und beispielsweise nicht die Spielhalle aufsucht,“ so der Vorsitzende, „deshalb werden wir sie keineswegs vertreiben.“ Vermitteln will er und bittet Bennek darum, im ständigen Austausch mit ihm zu bleiben. Der Hauseigentümer nimmt das Entgegenkommen dankend an, gleichwohl er nach all den Erfahrungen und Bemühungen der letzten Jahre skeptisch bleibt.

Heutiges Jugendverhalten

Joachim Plate, ebenfalls ein Nachbar der Moschee, wohnt bereits seit 57 Jahren in seinem Haus Im Mühlenwert. „Solche Jugendlichen, die sich in unserer kleinen Straße vor der Schulaufsicht verstecken wollen, gab es immer schon – damals die Hauptschüler, und heute noch stehen die Waldorfschüler vor der Tür, um hier zu rauchen,“ bezeugt er ein typisches Jugendverhalten. „Aber die begegnen einem respektvoller, wenn man sie anspricht,“ empfindet Jürgen Bennek deren Verhalten. Letztlich bleiben ihm und seiner Frau nichts anderes übrig als die Kooperation mit der türkischen Gemeinde. Dort setzt man alle Hebel für eine gute Nachbarschaft in Bewegung. „Nur von den jungen Leuten darf er erst einmal nicht allzu viel Entgegenkommen erwarten, ist er doch dort schlicht ’der Nörgler’“, gibt Dogan Ulusoy zu bedenken. Und auch Polizist Klaus Lanze weiß, „die Jugendlichen sind heute aggressiver als noch vor einigen Jahren, das ist kein Hasper oder gar türkisches Phänomen.“

Zu guter letzt reichen sich Jürgen Bennek und Nadim Akbaba die Hände – auch wenn der Muslim nur das verspricht, was er halten kann und der verärgerte Anwohner eine gesunde Portion Skepsis behält. Mit dem bestärkendem Gesprächsangebot der Hasper Polizeikommissare im Rücken hat man in Haspe einen richtigen Schritt in Sachen gelebter Integration unternommen.

Standortwechsel

Im Übrigen verkündete Nadim Akbaba den Entschluss seiner Gemeinde, einen anderen Standort in Haspe zu finden. Dass der Ort Im Mühlenwert nicht optimal sei, wisse man schon länger. Die Türkisch islamische Gemeinde zu Hagen-Haspe e.V. setzt bei der Suche und Umsetzung vor allem auf die Mithilfe der Stadt Hagen.