Rauschende Rocknacht mit Green und Freunden

Hagen. (as) Wo auch immer sie auftauchen, liegt Musik in der Luft. Sie vibriert, klingt und rasselt. Das war auch kürzlich so, als Milla Kapolke und Rolf Möller den Wochenkurier am neuen Verlagssitz an der Körnerstraße besuchten. Kaum im Haus, wurden sie erkannt. „Ihr hier?“ hieß es. Und unter Umarmungen wurden Songs kurz angesungen und -gesummt. Musik, Musik, Musik.

Green hat einen Grund zu feiern. Und was für einen. Die Band wird 40 Jahre alt. Nach dem erfolgreichen Konzert „Green and Friends“ von 2014 wollen die Musiker am Samstag, 14. November 2015, in der Stadthalle eine rauschende Rocknacht feiern, die die vergangene noch in den Schatten stellen kann.

„Stücke irgendwie vereinnahmt“

Green wird 40. Milla Kapolke (l.) und Rolf Möller werben für das große Geburtstags-Event in der Hagener Stadthalle am Samstag, 14. November, um 20 Uhr. (Foto: A. Schneider)
Green wird 40. Milla Kapolke (l.) und Rolf Möller werben für das große Geburtstags-Event in der Hagener Stadthalle am Samstag, 14. November, um 20 Uhr. (Foto: A. Schneider)

Die Musik der 60er und 70er Jahre wird mit Green wieder lebendig. Stücke von den Beatles, den Rolling Stones, von Deep Purple oder Pink Floyd. „Das Wort Coverband gab’s damals noch gar nicht“, sagt Rolf Möller. „Aber so eine richtige Coverband waren wir selbst nach heutigen Maßstäben nie“, meint er. „Denn wir haben die Stücke nicht einfach nur nachgespielt. Wir haben sie interpretiert und irgendwie vereinnahmt.“ Und auf Qualität geachtet: „Wir spielen sehr konzertante Nummern“, sagt Milla Kapolke. „Also nichts mit ’Arme hoch und atemlos durch die Nacht’.“

Rolf Möller muss schmunzeln, wenn er an damals denkt. 1984, als er bei Green eingestiegen ist. Rolf Möller ist einer der Topschlagzeuger der deutschen Musikszene. Er sitzt bei Extrabreit an den Drums, sorgte bei Grobschnitt und später bei der Grobschnitt-Generationsband für den ganz besonderen, ihm eigenen Klang. Doch damals standen er und seine Bandkollegen ehrfürchtig vor Stücken beispielsweise von Pink Floyd. „Das waren nicht einfach irgendwelche Nummern“, sagt er. „Das waren Werke.“ Er gibt zu, dass er anfangs seine Zweifel hatte, diesem Anspruch gerecht zu werden. „Das wollen wir uns draufschaffen?“ Sie wollten. Und sie konnten.

Ein Sockenball mit Wallenstein

Milla Kapolke strahlt. Der Sänger und Bassist prägte Grobschnitt mit. Er gründete Marrakesh Express (1988 bis 2004). Er war einer der Motoren der Grobschnitt-Generationsband (2007 bis 2012). Und er war Gründungsmitglied von Green 1975. Sein Versuch, die Faszination von Green zu beschreiben, führt zu einem legendären „Sockenball“ in die Ischelandhalle. „Wallenstein war Top-Act des Abends“, erinnert er sich. Aber Wallenstein hatte keine Chance. Das Publikum feierte Green frenetisch. Als später die Jungs von Wallenstein auf die Bühne kamen, wurden sie ausgepfiffen. „So war Hagen“, sagt Milla Kapolke. Und so war Green. „Wir waren hier sehr angesagt.“

Green weckte aber auch immer schon Begehrlichkeiten. Milla Kapolke bekam ein Angebot von Grobschnitt und wechselte. Gitarrist Michael Munder landete bei Nenas damaliger Band Stripes. Gitarrist Bubi Hönig wurde von der Hardrockband Faithful Breath umworben und spielte schließlich bei Extrabreit.

Wenn die Freude grenzenlos ist

Dennoch blieb Green bestehen. „Wir haben die Zeit zwischen Tourneen und Aufnahmen mit anderen Bands genutzt, um mit Green zu spielen“, sagt Rolf Möller. Das ist noch heute so. „Wir freuen uns immer, wenn wir proben“, sagt Milla Kapolke.

Zurzeit ist die Freude fast grenzenlos. Klar, es wird viel geprobt für das große Jubiläums-Event am 14. November in Hagen. Mit der „alten“ Formation und mit den Freundinnen und Freunden, die an diesem Abend mitwirken werden. Mit Luisa Ortu, Jackie Bredie, Vanessa Henning, Josh Blackbird, Sandra und Sascha Miskovic, Manu Kapolke und Demian Müller-Hacke und mit Omin und Berni, zwei Musikern von der Vorgängerband von Green.

Eine Vorband gibt es wie immer bei Green nicht: „Dafür haben wir einfach keine Zeit“, sagt Rolf Möller und grinst. „Wir schaffen auch so locker dreieinhalb bis vier Stunden.“ Manchmal sogar ohne Pause. Zu den Freunden des Abends gehört übrigens auch Reiner Hänsch, der Sänger von Zoff. „Früher, in Hohenlimburg, waren wir in einer Schulklasse“, erzählt Milla Kapolke.

Ein Museum für den Hagener Rock

Apropos Schule: „Früher hatten wir alle nach der Schule die Möglichkeit, entweder Fußball zu spielen oder Musik zu machen“, sagt Milla Kapolke. In Hagen haben sich viele für die Musik entschieden. In Wehringhausen entstand eine Musik- und Rockszene, die noch heute ihresgleichen sucht. Hier entstanden Bands wie Grobschnitt und Extrabreit. Nena wagte ihre ersten musikalischen Schritte genau wie Inga und Annette Humpe. Jörg A. Hoppe hat es von Hagen ganz nach oben ins Musik-Management geschafft.

Natürlich hat sich die Szene verändert. Schade ist aber nach wie vor, dass die Stadt Hagen bislang jedenfalls nicht die Gelegenheit ergriffen hat, sich mit ihren eigenen Stars und Sternchen zu schmücken. Eine Erinnerungsstätte oder wenigstens eine eigene museale Abteilung wären Kultstätte für viele deutsche Rockfans. Doch das ist eine andere Geschichte…

Karten für das Geburtstagskonzert am Samstag, 14. November, um 20 Uhr (Einlass 18.30 Uhr) gibt es unter anderem beim Wochenkurier in der Körnerstraße 45.