Regelmäßiges Messen schützt vor bösen Überraschungen

Iserlohn/Hagen. (Red.) Alleine in Deutschland leben nach Angaben der International Diabetes Federation 7,6 Millionen Menschen mit Diabetes, weltweit sind es 382 Millionen. Die Situation der Betroffenen zu verbessern, ist Ziel des Welt-Diabetes-Tag am 14. November, der in diesem Jahr unter dem Motto „Gesundes Leben mit Diabetes“ steht. Wer trotz und mit Diabetes ein gesundes Leben führen will, muss vor allem die Wechselwirkungen zwischen Blutzuckerspiegel, Ernährung und Bewegung kennen. Die Messung des Blutzuckerspiegels bildet die Grundlage, um eine schädliche Unter- oder Überzuckerung zu vermeiden. An unserem Lesertelefon drehte sich deshalb alles um das Thema Blutzuckermessung.

Die wichtigsten Fragen und Antworten gibt es hier zum Nachlesen:

Wie sieht ein geeignetes Messschema aus, wenn ich wissen will, wie mein Blutzucker auf Essen und Bewegung reagiert?

Dr. Matthias Riedel (niedergelassener Internist, Diabetologe und Ernährungsmediziner): Das kommt darauf an, ob Sie Insulin brauchen. Ohne Insulin messen Sie gelegentlich, ob die medikamentöse Einstellung stimmt. Dazu genügt es, einmal pro Quartal an drei aufeinander folgenden Tagen ein Messprofil zu ermitteln, bei Bedarf können auch punktuelle Messungen hilfreich sein. Nüchtern soll der Blutzucker unter 130 mg/dl liegen, ein bis zwei Stunden nach dem Essen nicht über 180 mg/dl. Das gilt auch für insulinpflichtige Diabetiker. Diese sollten immer dann messen, wenn eine Insulininjektion ansteht und zusätzlich bei besonderen Situationen. Dazu zählen akute Erkrankungen mit Fieber, Übelkeit, Schwindel oder Erbrechen, weil der Blutzucker dann stark schwanken kann. Zusätzliche Blutzuckerbestimmungen sind vor Autofahrten erforderlich, beim Sport, bei einer Ernährungsumstellung, bei längeren Reisen oder generell bei unbekannten Tagesabläufen.

Worauf muss ich beim Messen achten, damit die Werte genau sind?

Claudia Bobe (Diabetesberaterin DDG): Saubere Hände sind das A und O. Wenn mal kein Wasser und keine Seife zur Verfügung stehen, verwendet man am besten den zweiten Blutstropfen für die Messung. Eine scharfe Lanzette erleichtert die Blutgewinnung und ist darüber hinaus hygienisch. Hygiene ist wichtig, um Infektionen vorzubeugen. Bei jeder Messung sollte daher eine neue sterile Lanzette verwendet werden. Hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturen können die empfindliche Mess-Chemie der Teststreifen schädigen. Darum sollte die Teststreifendose nach Gebrauch sofort geschlossen werden. Es gibt Blutzuckermessgeräte, die fehlerhafte Messungen verringern.

Bisher trage ich meine Messwerte handschriftlich in ein Tagebuch ein. Gibt es eine Möglichkeit, Messergebnisse am Computer auszuwerten?

Dr. Peter Loeff (Ltd. Oberarzt und Diabetologe, Evangelisches Krankenhaus Köln-Weyertal): Elektronische Lösungen haben den Prozess der Dokumentation schon bisher enorm erleichtert. Neuerdings können Menschen mit Diabetes auch ihr Smartphone und das Internet für ihr Diabetes-Management nutzen. Das handschriftliche Tagebuch ist damit passé, denn die gemessenen Blutzuckerwerte werden automatisch vom Messgerät an die App übermittelt. Ergänzt der Patient die Werte um Informationen zu Sport, Mahlzeiten, Stress oder Urlaub, wird die Therapiesteuerung deutlich erleichtert und genauer. So müssen sich Menschen mit Diabetes keine Gedanken mehr über die lückenlose Dokumentation ihrer gemessenen Werte machen. Alle wichtigen Informationen und Zusammenhänge zwischen Blutzucker und eingetragenen Faktoren können jederzeit und ortsunabhängig über das Internet abgerufen werden.

Wie interpretiere ich die gewonnenen Messwerte?

C. Bobe: Durch die grafische Darstellung, zum Beispiel anhand von Kurven am Smartphone und am Computer, lassen sich schnell und übersichtlich Blutzuckerverläufe und Zusammenhänge abbilden. Intuitive Grafiken, ausführlich dargestellte Reports und einfach zu interpretierende Berichte bieten darüber hinaus viele hilfreiche Auswertungsmöglichkeiten. So sehen Patienten auf den ersten Blick, an welchen Stellen der Blutzucker aus dem Gleichgewicht gerät.

Ich muss schon seit drei Jahren Insulin spitzen – dennoch kommt es manchmal vor, dass ich mich bei der Insulindosierung verrechne. Wie kann ich das verhindern?

Dr. M. Riedel: Ist ein Bolusrechner im Blutzuckermessgerät integriert, erleichtert dies die Bolusberechnung im Alltag. Schließlich soll sich im Leben nicht alles um den Diabetes drehen. Ist das Gerät vom Arzt voreingestellt, kann die Bolusberechnung sicher, schnell und einfach in wenigen Schritten erfolgen: aktuellen Blutzucker messen, zu verzehrende Kohlenhydratmenge eingeben und den automatisch berechneten Bolusvorschlag ablesen. Voraussetzung ist, dass das Gerät korrekt eingestellt ist und dass Sie eine entsprechende Einweisung oder Schulung erhalten haben.

Was sagt der Langzeit-Blutzuckerwert HbA1c aus?

Dr. P. Loeff: Neben der strukturierten Blutzuckerselbstmessung ist der beim Arzt ermittelte Langzeitblutzuckerwert HbA1c ein wichtiger Indikator für eine gute Blutzuckereinstellung. Ein Teil des Hämoglobins, des roten Farbstoffs in den roten Blutkörperchen, verbindet sich mit dem im Blut vorhandenen Zucker. Die Zucker-Hämoglobin-Verbindungen sind etwa 90 Tage im Blut stabil, so dass der HbA1c-Wert zeigt, wie hoch der durchschnittliche Blutzuckerspiegel in dieser Zeit war. Was der Durchschnittswert nicht zeigt, sind Blutzuckerschwankungen mit besonders hohen oder besonders niedrigen Werten.

Ich bin beruflich viel unterwegs und brauche ein Gerät, mit dem ich schnell und diskret messen kann. Das Hantieren mit Stechhilfe und Teststreifen ist mir zu umständlich…

C. Bobe: Es gibt Blutzuckermesssysteme, die Stechhilfe und Testkassette integrieren. Sie kombinieren alles, was zur Blutzuckermessung benötigt wird, in einem Gerät. Die Testkassette muss erst nach 50 Tests entsorgt werden. Das Hantieren mit Teststreifen und auch die lästige Suche nach einem Abfalleimer für die gebrauchten Streifen und Lanzetten entfallen – ob nun im Restaurant, beim Einkaufen oder auf Reisen. Damit können Menschen mit Diabetes auch in ihrem Alltag flexibel bleiben.

Müssen Blutzuckermessgeräte bestimmte Normen erfüllen?

Dr. M. Riedel: In den vergangenen Jahren ist die Zahl der erhältlichen Blutzuckermessgeräte stark angestiegen. Für den Diabetiker ist es auf den ersten Blick schwer zu beurteilen, welches Gerät auch wirklich gut ist. Grundvoraussetzung ist, das ein Gerät die DIN EN ISO-Norm 15197 erfüllt. Diese Norm erfüllen die meisten Geräte schon heute. Eine verschärfte Version dieser Norm, die eine höhere Messgenauigkeit erfordert, tritt 2016 in Kraft. Einige Geräte erfüllen diese Norm schon heute.

Soll ich den Blutzuckerspiegel auch messen, wenn ich noch kein Insulin spritzen muss?

Dr. P. Loeff: Gerade nach der Diagnose und zu Beginn einer Diabetestherapie kann es sinnvoll sein, selbst den Blutzucker zu messen. Bei Menschen mit Diabetes ohne Insulintherapie sorgen bereits drei Tagesprofile pro Quartal für einen guten und realistischen Überblick. Die Blutzuckerselbstkontrolle kann dabei helfen, den Körper verstehen zu lernen. Wer misst, weiß, ob seine Blutzuckerwerte zum Beispiel nach dem Essen oder vor dem Schlafengehen stimmen oder wie der Körper auf bestimmte Nahrungsmittel, körperliche Bewegung oder Stress reagiert. In der Einstellungsphase und bei Therapiewechsel übernehmen übrigens Krankenkassen auch ohne Insulintherapie die Kosten für die Teststreifen.


Diabetes-Management per App

Die Auswertung von Blutzuckermessungen am Computer zu Hause ermöglicht Diabetikern seit Jahren die Übersicht über ihre Messergebnisse. Jetzt erleichtert eine spezielle App das Diabetes-Selbstmanagement noch einmal, indem es die Werte vom Messgerät direkt an das eigene Smartphone überträgt, das die Daten wiederum auf ein Online-Portal hochlädt. Mit dem Accu-Check-Connect-System kann der Patient die Messwerte für bestimmte Personen freigeben, damit Arzt oder Diabetes-Team sie zur Therapiesteuerung einsehen und auswerten können.

Die Messwerte und Auswertungen sind für den Patienten immer und überall abrufbar, sodass ein handschriftliches Diabetes-Tagebuch nicht mehr geführt werden muss. Zusatzfunktionen erleichtern zudem die Kohlenhydratabschätzung und die Berechnung der Insulindosis. Eltern, deren Kinder insulinpflichtig sind, können per SMS über die Messwerte informiert werden und so im Notfall rechtzeitig reagieren.

Weitere Informationen: www.accu-chek.de.