Reinhold Messner: Grenzgänger und Abenteurer kommt im Januar nach Hagen

Hagen. Kaum ein anderer Mann verkörpert den Mythos und die Leidenschaft „Bergsteigen“ so sehr wie Reinhold Messner. Der Südtiroler hat viele Rekorde aufgestellt, ist dabei Wagnisse eingegangen und hat dabei den Blick für die Natur nicht verloren. Am Freitag, 26. Januar, kommt der Bezwinger des Mount Everest und vieler anderer Bergriesen in die Volmestadt. In der Stadthalle wird er seine Vortragsreihe „Weltberge – die 4. Dimension“ zeigen. Es ist Reinhold Messners neuester und zugleich bildgewaltigster Vortrag. Er zeigt dreizehn ausgewählte „Riesen“ auf bis dato unbekannte Art und Weise. Am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt entstanden auf Basis von Satellitenaufnahmen digitale Abbilder. Aus diesen Aufnahmen schufen Wissenschaftler, deren Bilder Messner hier exklusiv präsentiert, dreidimensionale, fotorealistische Abbilder. So wurden „virtuelle“ Darstellungen aus zuvor undenkbaren Perspektiven und in bislang unerreichter Genauigkeit möglich. Der Zuschauer wird so zum Teilnehmer historischer Expeditionen und zugleich Zeuge neuer, kommender alpinistischer Herausforderungen. Der Wochenkurier durfte bereits im Vorfeld mit Reinhold Messner sprechen und ihn rund um den neuen Vortrag und das Bergsteigen befragen.

Wochenkurier: Herr Messner, Sie haben so viele Berge bezwungen, sind auf so viele Gipfel gestiegen. Was für ein Gefühl ist es, endlich oben zu sein?

Messner: Je höher der Gipfel, desto banaler das Gefühl. Natürlich kann ich auf einem Dolomitengipfel – bei fantastischem Wetter, genügend Zeit zum Heruntergehen, Staunen über die Natur, die Umgebung, den Sonnenstand oder über mein Glücksgefühl – ein Gespräch mit dem Partner oder der Partnerin führen. Aber wenn ich ganz oben bin, auf dem K2, dem Mount Everest allein oder auch vielleicht nur zu zweit, dann ist man so weit weg von der Sicherheit der Zivilisation, dass man nur runter will. Da oben ist dann wenig von dem, was man als Gipfelglück empfindet, zu verspüren. Das Glück kommt nachher, wenn man zurück ist in der Zivilisation oder am Beginn der Zivilisation im Basislager wieder bei den Menschen. Das ist dann wie eine Wiedergeburt. Wir haben uns das Leben sozusagen selbst erkämpft.

Welche Gedanken gehen einem bei einem derartigen Aufstieg durch den Kopf?

Nichts Großes. Die große Philosophie findet vorher und nachher in den Schriften statt. Bergsteigen ist die einzige sportliche Tätigkeit, die auch Philosophie und Literatur hat. Die Beziehung Mensch/Berg ist eine kulturelle Erscheinung und eine sportliche. Aber Sie müssen eine starke Motivation angehäuft haben, um überhaupt die Anstrengung, die Schmerzen zu ertragen, die notwendig sind, um ohne Maske zum Beispiel auf den K2 zu steigen auf einer neuen Route.

Richtige Berge gibt es ja hier in Hagen nicht. Wie können Sie für uns Flachländler die Faszination Alpinismus erklären?

Ich bin nicht dafür da, den Alpinismus zu propagieren. Ich warne davor, das nachzumachen, was ich vorgemacht habe. Aber ich freue mich mit jedem Menschen der Lust hat, in die Natur hinaus zu gehen, dafür muss man nicht unbedingt auf die schwierigsten Berge klettern. Aber „Rausgehen“ und sich „Erholen“ – im weitesten Sinne der Wortes – von einer maschinellen, sterilen Welt, das täte uns allen gut. In diesem Zusammenhang darf ich auch ein positives Wort für das Herausgehen aussprechen und natürlich auch für den Erhalt einer wilden Natur,da und dort, auf dass dies auch weiterhin möglich bleibt.

Ihr Vortrag in Hagen heißt „Weltberge – die vierte Dimension“. Was bedeutet diese vierte Dimension für Sie?

Das, was wir in die Berge hinlegen. Ich sage natürlich: Berge sind dreidimensionale, biologische Formationen. Aber wir legen etwas herein und das erzähle ich in diesem Vortrag. Ich zeige Bilder, die dreidimensional die Berge zeigen, die vom Satelliten aus aufgenommen sind, Bilder, die noch niemand gesehen hat. Und lege dazu, sozusagen, unsere Gabe Sinn in etwas hereinzulegen, Bedeutung in etwas hereinzulegen und das ist in diesem Fall in die Berge hereingelegt. Vielen Dank für das Gespräch Herr Messner. Bis bald in Hagen!