Resi Gerettet!

Garenfeld. (ric) Auf dem Hof der Familie Serringhaus-Lohmeier gab es Nachwuchs. Am 20. Juli 2011 kam ein gesundes Kälbchen zur Welt. Die Familie taufte es auf den Namen „Resi“. Doch dass die kleine Kuh nun gesund und munter mit Mutter „Else“ im Garenfelder Stall steht, ist keineswegs selbstverständlich. Denn fast wären die beiden Tiere beim Schlachter gelandet.

„Mein Vater betreibt seit vielen Jahren seinen Hof“, erklärt Andrea Serringhaus-Lohmeier. Regelmäßig fährt der Landwirt zu einem Viehhändler und kauft Jungtiere. Diese genießen auf seinem Hof ein angenehmes Leben. Im Sommer sind sie in der Herde auf grünen Weiden, im Winter geht es in den Stall. „Im Juni trafen neue Rinder bei uns ein. Doch kurze Zeit später entdeckten wir, dass eine Kuh trächtig war“, erinnert sich die Tochter des Landwirts. Der Hof ist darauf nicht ausgelegt – schließlich dienen die dort lebenden Tiere der Fleischgewinnung. Deswegen achtet die Familie darauf, keine tragenden Tiere aufzunehmen. Nachdem sie feststellte, dass Else bald Mutter werden würde, rief man den Viehhändler an.

„Else“ sollte zum Schlachter

„Resi“ und ihre Mutter „Else“ entgingen nur knapp der Schlachtung. Heute führen sie in Garenfeld ein schönes, sorgenfreies Leben. (Foto: ric)

„Der Mann wollte recht bald vorbeikommen und die Kuh abholen“, weiß Andrea Serringhaus-Lohmeier. Die Hagenerin half ihrem Vater dabei, das Tier von der Weide einzufangen. Doch als der Händler kam, war es ein Schock: „Er wollte die Kuh, die ja mehr oder weniger kurz vor der Geburt stand, zum Schlachter bringen. Das kam für uns nicht in Frage.“ Der Händler fuhr unverrichteter Dinge wieder von dannen.

Gemeinsam suchte die Familie dann nach einer Lösung. Befreundete Landwirte wurden angerufen, doch keiner hatte mehr Platz für Else und ihr ungeborenes Kälbchen. „Also zäunte mein Vater an Fronleichnam einen großen Teil der Wiese ab, damit die Kuh in einer sicheren Umgebung und mit Kontakt zu anderen Tieren leben konnte.“ Auch ein Unterstand samt Wasserfass wurde aufgestellt.

Schlachtung erlaubt

„Später habe ich im Internet recherchiert. Ich konnte nicht glauben, dass die Schlachtung tragender Kühe legal sein sollte“, meint die immer noch fassungslose Tierfreundin. Doch tatsächlich: „Für die Schlachtung tragender Tiere wurden (…) bislang weder im gemeinschaftlichen noch im nationalen Recht Regelungen getroffen. Ein Grund hierfür ist sicherlich die Tatsache, dass die Schlachtung tragender Tiere (…) als ein selten vorkommendes, unbeabsichtigtes Ereignis betrachtet wird. Erste eigene Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass bis zu 10 Prozent der weiblichen Rinder in verschiedenen Europäischen Mitgliedstaaten tragend zur Schlachtung kommen“, führt die „Allgemeine Fleischer Zeitung“ die Gesetzesregelung auf.

Andrea Serringhaus-Lohmeier kann dies nicht verstehen. „Wir reden hier doch von einem fertig entwickelten Tier, das bald auf die Welt kommt. Ich bin entsetzt. Besonders, wenn ich bedenke, wie es bei uns weiterging.“

Endlich geboren

Die Familie integrierte Nachbarn und Freunde in die Beaufsichtigung der Kuh. Regelmäßig ging jemand zur Weide und sah nach Else. „Wir waren alle sehr aufgeregt. Schließlich war es unser erstes Kälbchen.“ Dann, am 20. Juli, klingelte eine Nachbarin an der Haustür. „Resi“ war da und stand gesund und munter – nein, nicht auf der Weide bei ihrer Mutter, sondern daneben mitten auf einer kleinen Straße. Das Neugeborene war, sobald es laufen konnte, auf Entdeckungsreise gegangenen und hatte dabei geschickt sämtliche Zäune überwunden.

„Wir konnten es aber schnell wieder einfangen“, lacht Andrea Serringhaus-Lohmeier. Heute, eine Woche später, springt Resi fröhlich umher. Die Familie ist froh, das kleine Wesen und seine Mutter vor der Schlachtung gerettet zu haben. „Wir haben sie sofort ins Herz geschlossen“, sind sich die Garenfelder einig.