Riesengroßer Beratungsbedarf

Hagen. (mal/ME) Anlässlich des „Tags des alkoholgeschädigten Kindes“ führte der wochenkurier eine Telefonaktion mit Beratern der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eigentlich zum Thema „Alkohol und Schwangerschaft“ durch. Doch viele Menschen riefen auch an, weil sie sich Sorgen um ganz andere Angehörige machen – insbesondere viele Ehemänner standen im Mittelpunkt der Fragen. Der Beratungsbedarf während dieser Aktion war dementsprechend groß.

Wer schwanger ist, sollte lieber einen leckeren Saft bevorzugen und auf Alkohol unbedingt verzichten. (Foto: Lamers)

Birgit Buchmüller und Thomas Weßling, die Suchtberater der Bundeszentrale, antworteten auf die Leserfragen.

Hier eine Zusammenfassung:

Meine Schwiegertochter ist schwanger. Kann sie nicht einmal bei Geburtstagen mit einem kleinen Gläschen anstoßen?

Schon geringe Mengen Alkohol können dauerhafte Schäden beim ungeborenen Kind hinterlassen. Schwangere – und auch stillende Mütter – sollten deshalb auf Alkohol völlig verzichten.

Ist es nicht übertrieben, dass Schwangere überhaupt keinen Alkohol trinken sollen?

Nein. Der Alkohol gelingt über die Nabelschnur direkt zum Kind. Da die Organe des Kindes aber noch nicht voll entwickelt sind, kann es den Alkohol deutlich schlechter abbauen. Sein Organismus ist dem Alkohol schutzlos ausgeliefert.

Mein Mann trinkt seit langem über den Abend verteilt ein bis drei Bier. Es wird nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ich habe Angst, dass er abhängig wird.

Geraten Sie nicht in Panik. Alkoholabhängige steigern gewöhnlich die Dosis, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Ihr Mann trinkt aber immer die gleichen Mengen. Aber: Wer gesundheitsbewusst leben möchte, sollte nicht mehr als zwanzig Gramm reinen Alkohol am Tag trinken – die sind bereits in einer Halbliterflasche Bier enthalten.

Meine Schwester trinkt jeden Abend ein Viertel Liter Rotwein. Ist das gut für sie?

In einem Viertel Liter Rotwein stecken etwa 20 Gramm reiner Alkohol. Für Frauen liegt die Unbedenklichkeitsgrenze aber nur bei zehn Gramm reinem Alkohol pro Tag. Hinzu kommt, dass Ihre Schwester täglich Alkohol trinkt. Empfohlen wird, mindestens an zwei Tagen in der Woche alkoholfrei zu leben.

Meine Tochter kommt am Wochenende häufiger betrunken nach Hause. Aber sie meint, sie trinke nicht zu viel. Sie ist erst 16. Wie soll ich darauf reagieren?

Suchen Sie ein offenes Gespräch – wenn sie nüchtern ist. Versuchen Sie zu erfahren, warum sie sich regelmäßig betrinkt. Damit sie ihren Alkoholkonsum überprüfen kann, können Sie ihr im Internet die Seite www.kenn-dein-limit.info empfehlen. Dort gibt es unter „check your drinking“ einen Selbsttest zum Alkoholkonsum.

Mein Mann trinkt in letzter Zeit immer mehr, häufig eine halbe Flasche Kognak am Abend. Kann sich das von allein wieder geben?

Nein. Ein Alkoholproblem löst sich nicht von allein in Luft auf. Im Gegenteil. Gewöhnlich steigt die Dosis. Sagen Sie Ihrem Mann, was Sie beobachten – dass er immer mehr trinkt und dass Sie sich Sorgen um ihn machen. Vielleicht möchte er selbst etwas daran ändern. Dann kann er sich professionelle Hilfe holen, denn allein bekommt man eine Alkoholabhängigkeit selten in den Griff. Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen findet man im Telefonbuch oder im Internet.

Wo bekommen Angehörige von Alkoholabhängigen Unterstützung?

Schauen Sie in den örtlichen Telefonbüchern nach oder im Internet, zum Beispiel unter www.dajeb.de. Eine Broschüre für Angehörige von Suchtkranken zum Download gibt es unter www.bzga.de, Rubrik „Information und Bestellungen“, Bereich „Suchtvorbeugung“. Die Broschüre heißt: „Ein Angebot an alle, die einem nahe stehenden Menschen helfen möchten.“

Noch Fragen?

Das Beratungstelefon zum Thema Sucht der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ist täglich unter 02 21 / 89 20 31 erreichbar (Mo.-Do. von 10 bis 22 Uhr, Fr.-So. von 10 bis 18 Uhr).

Info-Materialien

„Alles klar?“ Tipps für den Umgang mit Alkohol, „Alkoholfrei leben?! – Hilfe bei Alkoholproblemen, „Ein Angebot für alle, die einem nahe stehenden Menschen helfen möchten“ – Ratgeber für Angehörige, „Alkohol – reden wir drüber!“ – Ratgeber für Eltern, alles kostenlos zu bestellen per Mail unter order@bzga.de, per Fax unter 02 21 / 8 99 22 57, schriftlich an BZgA, 51101 Köln:

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