Rockendes Ballett in Hagen

Hagen. (saz) „Tanz ist ein Universum“, glaubt Ricardo Fernando, Ballettdirektor des Hagener Theaters. „In diesem Universum verbinden sich so viele verschiedene Aspekte von Darstellung, Musik und Emotion, dass es immer wieder wichtig ist, dem Publikum zu zeigen, was Tanz ausdrücken kann.“

Für das am kommenden Samstag, 7. Februar 2015, Premiere feiernde Stück „Ballett? Rock it!“ holte er sich zwei Gast-Choreographen ins Boot. Alle drei bringen eine eigene Handschrift mit und steuern ein Stück zum Ballettabend bei – jeder auf seine Weise mit Rockmusik als Leitlinie.

Überschreiten von Grenzen

Zur Eröffnung des Ballettabends wird dem Zuschauer mit „Heroes – H“ ein für fünf Tänzer konzipiertes Stück der Choreographin Marguerite Donlon präsentiert. Auch wenn das Konzept bereits in Saarbrücken zu sehen war und von Hagen aus über Kiel nach Chicago wandert, handelt es sich bei der hier aufgeführten Version trotzdem um ein Unikat – das „H“ steht für Hagen.

Vier Tänzer und eine Tänzerin erzählen ihre persönlichen Geschichten, dargestellt in Tanz und Musik, aber auch durch Erzählungen in ihren jeweiligen Muttersprachen. „Ich bewundere meine Tänzer für ihren Mut, aus sich heraus zu gehen. Sie selbst sind Helden“, schwärmt Marguerite Donlon. Sie glaubt, dass – im Einklang mit David Bowies Musik – die darin steckende Energie auch den Besucher des Ballettabends erreichen wird.

Kontrast in Beziehungen

Auf Bowie folgen in James Wiltons Part „Drift“ die Nine-Inch-Nails, deren Musik den noch jungen Choreographen schon von frühester Kindheit begleitet und geprägt hat. Das Stück hatte Wilton bereits 2010 für das „Scottish Dance Theatre“ geschrieben. Es handelt von zwei Menschen, die eigentlich nicht zusammen sein sollten, aber immer wieder um ihre Beziehung, aber auch gegeneinander kämpfen.

Zeitlose Rockmusik

Die Uraufführung von Ricardo Fernandos „Club 27“ stellt eine Hommage an wichtige Künstler der Rockgeschichte dar. In Anlehnung an den „legendären“ Club der Musiker, die mit 27 einen frühen Tod fanden, wird in dieser Choreographie die Musik von Jimi Hendrix, Janis Joplin, The Doors, Nirvana und Amy Winehouse verarbeitet. „Es handelt sich hier um eine freie Interpretation, eine Verbindung zwischen Teilideen der Texte und den Emotionen aus der Musik“, beschreibt Ricardo Fernando seine Choreographie. Das Stück werde zeitlos gehalten, so wie die Musik selbst und umfasse mehrere Epochen der Rockgeschichte.

Eine Hoffnung steckt in dieser Produktion: Das Hagener Theater möchte jüngere Zuschauer für das Ballett begeistern und der älteren Generation ein Erinnern an die Musik ihrer eigenen Jugend ermöglichen. Ein derartiges Miteinander von Ballett und Rockmusik hat es in Hagen in dieser Form bisher noch nicht gegeben.