Rosarotes Chaos – SonnTalk – Von Claudia Eckhoff

Ein Mann sieht rot? – Ach was! Für Michael Schäfer (Name von der Redaktion geändert) ist die Steigerung von Rot längst Rosa. Er liegt seit Wochen schon mit seinem Telefonanbieter wenig rosig über Kreuz. Telefonisch herrscht bei ihm der Notstand. Der sonst gutmütige Mann führt einen Lebensmittelmarkt und stürzt sich Tag für Tag gern in seine Arbeit.
Aber: In seinem riesigen Markt ist so einiges telemäßig vernetzt. Leergut-Station, Fernabfrage, Alarmanlage, das Telefon, die E-Mails, das interne Intranet mit Zugang zum Zentralrechner – überall ist „Hängen im Schacht“, zumal irgendwie alles unselig zusammenzuhängen scheint.
Seit Schäfer benachrichtigt wurde, dass sein Telefonanbieter nun „Plattformen umstellen“ müsse, ist jedenfalls mächtig Chaos angesagt. Internet gibt es gerade gar nicht. Dafür „rauchen“ viele reinkommende Telefongespräche nach wenigen Sätzen weg. Stattdessen piept dann die Büro-Alarmanlage hektisch auf, wahrscheinlich, weil sie Sabotage wittert. Geschätzte fünfzig Mal am Tag passiert das und Schäfer findet dies gar nicht zum Piepen. Seit Tagen ist er, der sonst einfach immer da ist, kaum noch im Laden. Er hat seinen Rechner abgebaut und zuhause installiert. Von dort aus versucht er nun – so gut es geht – sein Unternehmen zu führen. Mittlerweile sei immerhin der Fehler, an dem alles liegt, erkannt, hat ihm der Telefonanbieter gemeldet. Behoben ist er davon aber noch lange nicht.
„Wir haben Licht, wir haben Heizung – was wollen wir eigentlich noch mehr?“, versucht es das tapfere Schäferlein mit Humor. Aber ach: Jetzt stehen auch noch die Gehaltszahlungen an die vielen Mitarbeiter an. Und – jawoll – auch das hängt am Tele-Kabel! Die Idee, er könne doch als Markt-Chef seine Leute mit Naturalien bezahlen und jeden einfach ein Regal leerräumen lassen, findet er nicht zündend.
Apropos zünden: Wenn seine Leute ihr Geld nicht kriegen, sieht er vor Wut eher die Geschäftsstelle des Telefonanbieters in Flammen aufgehen.
Lieber Herr Schäfer, halten Sie durch. Alles wird gut, irgendwie, irgendwo, irgendwann.
Bis dahin: Schönen Sonntag.