„Ruhr.2011“ kann kommen

Hauptanziehungspunkt der Local-Hero-Woche im Juli wurde die für den Autoverkehr gesperrte Ebene 2. Mit Begeisterung nahmen mindestens 20.000 Besucher an drei Tagen an dem tollen Spektakel teil. (Foto: Bärbel Taubitz)

Hagen. (ME) Rund zehn Millionen Menschen haben in den letzten knapp zwölf Monaten die zahllosen Veranstaltungen des europäischen Kulturhauptstadtjahres „Ruhr.2010“ besucht. Damit wird das „Ruhrpott“-Spektakel als bestbesuchte Kulturhauptstadt überhaupt in die europäische Geschichte eingehen. Die spannende Frage in den letzten Tagen: Wie geht’s weiter? Kann das Ruhrgebiet einige Errungenschaften durch das neue Jahrzehnt retten?

Es kann! Die Verbandsversammlung des Regionalverbandes Ruhr (RVR) hat am Montag die bestmöglichen Entscheidungen für die Nachfolge von RUHR.2010 getroffen. Damit sind die Weichen für die nachhaltige Wirkung der Kulturhauptstadt gestellt. Dass die Kommunen des RVR trotz ihrer Finanznöte weiter bis zu 2,4 Mio. Euro jährlich für regionale Kulturförderung zur Verfügung stellen wollen, verdiene höchste Anerkennung, heißt es. Dadurch wurde für das Land NRW die Vorraussetzung geschaffen, die Ankündigung wahr zu machen, sich mindestens im gleichen Umfang finanziell an diesem Engagement zu beteiligen. „Mit der Entscheidung, die Kernaufgaben von RUHR.2010 bei der Kultur Ruhr GmbH zu bündeln, wird der Schwung der Kulturhauptstadt erhalten,“ schreibt der RVR in einer Presserklärung. So bleibe die Kultur weiterhin ein starkes Markenzeichen der Metropole Ruhr, national und international.

Erwartungen erfüllt

Schauen wir ein wenig zurück: Auf der Plattform von „RUHR.2010“ feierten insgesamt 53 Städte und Gemeinden ein Jahr lang auf zahlreichen Ebenen. Dabei gelang den klammen Kommunen ein außergewöhnlich breit gefächertes Programm, das die Erwartungen an massentauglichen Events genauso erfüllte wie das Bedürfnis nach künstlerischen Höhepunkten.

So auch in Hagen. „Volles Programm“ vermeldete das Kulturhauptstadtbüro Anfang des Jahres bei der fulminanten Eröffnungsfeier im Theater. Dass die Volmestädter trotz leerer Stadtkassen mitfeiern konnten, dafür sorgten Landesmittel (387.000 Euro) und Sponsoren, die das Budget auf rund 500.000 Euro erhöhten. Hinzu kamen ungezählte „Einsätze“ von ehrenamtlich Aktiven.

Hunderttausende

Zu den „Rennern“ im Hagener Kulturhauptstadtjahr gehörte unter anderem die Auseinandersetzung mit der „Baukunst um 1880/1925 - Jugendstil & Co.“. Hiermit soll es auch 2011 weitergehen. (Foto: Michael Eckhoff)

Damit war es dem Hagener Organisationsteam möglich, sich an völlig neue Projekte heranzuwagen. Ziel war es, nicht nur stärker als bisher mit besonderen Kulturprogrammen in die Stadt hineinzuwirken und mehr Menschen als bislang für Kultur zu mobilisieren, sondern auch, die Identifikation mit der eigenen Stadt und dem Ruhrgebiet zu stärken. Projekte wie „Stillleben A 40“ oder der „Day of Song“ mobilisierten Hunderttausende in der Region. In Hagen wurde der „Sänger-Tag“ Beispiel dafür, dass sich für eine mitreißende Idee viele Bürgerinnen und Bürger begeistern lassen. Tausende strömten zum Friedrich-Ebert-Platz, als 800 Chorsänger zum Mitsingen einluden. Hier konnte man ihn spüren, den Stolz auf eine Kulturregion, die trotz ihrer Strukturschwächen viele Attraktionen und Potentiale aufzuweisen hat. Markanter Anziehungspunkt für regionale und überregionale Besucherströme war das Kunstquartier, das mit seinen Ausstellungen auch viele Gäste aus den Niederlanden und Belgien mobilisierte.

Die Local-Hero-Woche im Juli lieferte die größten Besucher-Erfolge: Offene Gotteshäuser, Bau-Denkmäler, Sportstätten luden zu zahlreichen Besichtigungen. Kinderfest und Jugendparty richteten sich ans junge Publikum. Eine lange Museumsnacht aktivierte Nachteulen zu Führungen, Konzerten und Gesprächen bis Mitternacht. Hauptanziehungspunkt wurde die für den Autoverkehr gesperrte Ebene 2. Das Kulturbüro der Stadt Hagen hatte gemeinsam mit der freien Kulturszene ein vielfältiges Programm zusammengestellt, das Kinder und Erwachsene, Musik- und Theaterfreunde, Einheimische und Zugewanderte ansprach. Mit Begeisterung nahmen geschätzte 20.000 Besucher an drei Tagen an dem ungewöhnlichen Fest teil.

Weiter so!

Das Motto des Kulturhauptstadtjahres „Ruhr.2010“ hieß „Kultur durch Wandel - Wandel durch Kultur“ - abgeleitet von einem Ausspruch des Hagener Kunstmäzens Karl Ernst Osthaus. (Abbildung: wk-Archiv)

Die fruchtbaren neuen Ansätze sowie Kooperationen und Netzwerke sollen weiter gepflegt werden. Schon jetzt freut man sich auf die Wiederholung der Hagener Museumsnacht im übernächsten Jahr. Der Tag der offenen Gotteshäuser führte zur Gründung eines konfessionsübergreifenden Arbeitskreises, der für 2011 einen Tag der Religionen  vorbereiten wird. Auch die Karl-Halle-Gesellschaft plant für das nächste Jahr zusammen mit der Stadt Hagen weitere Projekte. Und der „Tag des Jugendstils“ und die Route der Wohnkultur verbuchten ebenfalls einen großen Erfolg mit 3.000 Besuchern auf dem Friedrich-Ebert-Platz und gut besuchten Führungen. Die Resonanz führte zu der dauerhaften Einrichtung eines Arbeitskreises Jugendstil mit privaten und öffentlichen Akteuren. Viermal pro Jahr soll künftig getagt werden, um neue Projekte zum Thema Jugendstil in Hagen anzustoßen. Der wochenkurier wird deshalb seine beliebte Serie auch in den nächsten Monaten fortführen.

Die beiden TWINS-Projekte „Wo ist zuhause“ und „Zäune“ führten zu gemeinsamen Aktivitäten zwischen den Städten Hagen und Smolensk (ein Hagener Projektchor ist bereits im Rahmen des Städtepartnerschaftsjubiläums in Smolensk aufgetreten, weitere Kooperationen sind in Planung) und es entstanden Netzwerke zwischen dem Theater Hagen und einigen Schulen. Das Thema „Integration statt Ausgrenzung“ wird in weiteren gemeinsamen Projekten zwischen Theater und Schule behandelt.

Der Veranstalterkreis RUHR.2010 in Hagen bleibt unter der Regie des Kulturbüros bestehen. Der Kreis ist weit gefasst und vereint nicht nur Kulturinstitutionen und -schaffende, sondern reicht auch in Bereiche der Heimatkunde, Denkmalpflege und Wirtschaftsförderung.

Kalender

Damit Hagen als Kulturhauptstadt RUHR.2010 noch möglichst lange in Erinnerung bleibt, hat das Kulturbüro der Stadt Hagen einen Foto-Kalender zusammengestellt. Denn eine Menge Fotografen haben die besonderen Augenblicke des Jahres 2010 festgehalten. Der Kalender ist für eine Schutzgebühr von 5 Euro erhältlich unter anderem in der der Hagen-Touristik im Rathaus an der Volme und im Museumsshop im Kunstquartier.