Ruhraue: „Stahlband“ erinnert an alte Industrie in Herdecke

Professor Dr. Inge Habig (vorne l.)

Professor Dr. Inge Habig (vorne l.), Sabine Kelm-Schmidt (stellvertretende Landrätin), Mit-Autor Dr. Gerhard E. Sollbach und Jens Bergmann (r.) vom Hagener Heimatbund präsentieren den stählernen „Leporello“ an der Herdecker Ruhraue. Das neue Denkmal erinn

Herdecke. (ME) Die Stadt Herdecke ist seit einigen Tagen um ein Denkmal reicher. Möglich gemacht haben es unter anderem der Hagener Heimatbund, Prof. Dr. Inge Habig, die Stadtverwaltung, Dr. Gerhard E. Sollbach und viele, viele großzügige Spender.
Rund 20.000 Euro hat das „gute Stück“ gekostet. Es soll an die vergangene Wirtschaftsgeschichte Herdeckes an Mühlengraben und an der Ruhr erinnern. Angereichert durch viele Fotos und einige erläuternde Texte führt es als „stählernes Band“ in „Leporello-Form“ die Vergangenheit dieses Areals eindrucksvoll vor Augen.
Große Bedeutung
Inge Habig, die Initiatorin, erläutert: „Das neu errichtete Geschäfts- und Wohngebiet auf der Ruhraue überdeckt heute ein einstmaliges Industriegebiet von großer Wichtigkeit für Herdecke. Es gehörte in einen größeren Zusammenhang der industriellen Entwicklung, die sich an östlichen und westlichen Abschnitten des Mühlengrabens und der Ruhr vollzogen hatte. Am Oberen Mühlengraben war das handwerkliche Gewerbe schon am Ende des 19.Jahrhunderts aufgegeben. Viele alte Häuser dort blieben bis heute erhalten.
Nach der Beendigung jeglicher Industrietätigkeit 2005 auf der Ruhraue und am Harkortsee wurde dort zunächst eine Brache hergestellt – durch Entfernung aller Zeugnisse einstmaliger Arbeits- und Wirkungsstätten.
Die heute vorhandene Neubebauung erlaubt kein Fenster für einen erinnernden ‚Blick zurück‘. Und dennoch ist die ursprüngliche topografische Grundstruktur zwischen ehemaligem Unteren Mühlengraben – überbaut als Mühlenstraße – und Harkortsee erhalten geblieben und noch ablesbar.
Darauf weisen auch die unlängst von der Stadt an der Wand des Edeka-Marktes angebrachten großen Gedenktafeln mit Luftbildern des Geländes hin.
Mit der Aufstellung des neuen ‚Leporello‘ – quasi gegenüber der Ruhraue – ist jetzt ein weiterer Ort der Erinnerung an die Wirtschaftsgeschichte sowohl am Oberen wie am Unteren Mühlengraben vorhanden.
Er zitiert diese Geschichte im systematischem Zusammenhang. Aufgrund der Quellen, die von heimischen Historikerinnen und Historikern in vielen Schriften verarbeitet wurden, tritt hier diese Vergangenheit Herdeckes auf elf Text- und Bildtafeln auf den Plan.“
Historische Meile
Auf den verschwundenen Spuren des Unteren Mühlengrabens entstand in den letzten Jahrzehnten überdies so etwas wie eine Wegmeile mit historischen Merkpunkten. Diese Wegmeile beginnt schon am Verkehrskreisel mit dem „Modell“ der einstigen Choranlage der alten Stiftskirche. Dann überspringt sie die Einmündung der Hauptstraße und gelangt, von dem kostbaren Fachwerkhaus Hauptstraße 1 ausgehend, entlang der ursprünglichen, jetzt neu aufgebauten Mauer, zu dem großen Gebäude Mühlenstraße 28. Schließlich führt sie über die Einmündung der uralten Kampstraße zu dem schönen Denkmal der Äbtissin Philippina von Romberg mit dem Mühlenstein.
„Im Anschluss daran nimmt jetzt diese jüngste Erinnerungsstätte einen ihr angemessen Platz gegenüber dem Standort der ehemaligen Stiftsmühle ein“, so Inge Habig.
Der Hagener Heimatbund übernahm die Trägerschaft des „Leporello aus Cortenstahl“. Gespendet wurde es von Firmen, Institutionen, Bürgern und Freunden Herdeckes. Den originellen Entwurf der Hagener Architektin Lena Dechêne führten die Herdecker Unternehmer Markus Pazic, Andrè Bruchhäuser sowie die Firma Planbegrün mit Betonierungs- und Pflasterarbeiten ästhetisch eindrucksvoll aus.
Die Texte schrieben Inge Habig und Gerhard E. Sollbach.