Rumkumpeln – SonnTalk von Claudia Eckhoff

Echt krass: Das neue Wörterbuch „100% Jugendsprache 2017“ ist raus. Das
sollen Jugendliche kaufen oder besser Eltern und Großeltern. Ohne Lektüre kommen
die Älteren nämlich im Grunde gar nicht mehr klar mit dem jungen Gemüse, weil
ihnen einfach die die richtigen Worte fehlen.

Oder wissen Sie etwa, dass es nun „Alles Geile!“ heißt, statt „Alles
Gute!“? Ist Ihnen klar, dass es sich bei einer „Alkoholschwangerschaft“ um einen
schnöden Bierbauch handelt und bei einem „Allround-Laien“ um einen Versager?
Gute Mutter, jetzt seien Sie mal nicht altmodisch: Ihr Jüngster ist doch nicht
verliebt, sondern „hormongeflasht“. Der „kirschelt“ jetzt dauernd „zauberschön“
mit seinem „Süßvieh“ (der Liebsten). Die beiden „skyen“ den ganzen Tag (so wie
man früher auf Wolke 7 schwebte).

Alles ist gut, solange sie nicht „auf Rille“ sind (betrunken) und nur
noch „ammern“ (sinnlose Dinge tun oder sagen). Wenn die beiden sonntags wie
„Bewegungslegastheniker“ faul im „Assi-Smoking“ (Trainingsanzug) herumhängen,
den Ausbau ihrer „Assi-Stempel“ (Tätowierungen) erörtern oder sich „Blutsauger“
(Knutschflecke) verpassen, kriegen die Erziehungsberechtigten gleich
„Augenkrebs“.

Da braucht Papa aber gar nicht erst den „Babo“ (Chef) zu markieren. Das
findet Junior nämlich gar nicht „bambus“. „Bist du blond?“, fragt er dann
vielleicht zurück, was ausdrücken soll, dass er die väterlichen Mahn-Worte nicht
recht verstanden hat.

Sein jugendlicher Lebenszweck besteht aus „rumkumpeln“ (mit den
Freunden), mit dem „kawai“ (süßen) „Shaz“ (Schatz) oder dem “Brudingo“ (dem
guten Freund, den er wahlweise auch – englisch – mit „m8“ oder „mate“ betitelt).
Meistens haben seine Eltern eh keinen „blub“ (Schimmer), dass dem häufi­gen
Schweißgestank eine „Deo­phobie“ zugrunde liegt.

Und die Altvorderen verstehen auch einfach nicht, was ihr Kurzer meint,
wenn er ihnen ein höhnisches „Ach, ihr seid ja so 2014“ an den Kopf wirft.

Um die Jugendsprache zu „entsnowden“ (entschlüsseln) wäre das neue
Wörterbuch eben doch ganz nützlich.

Dann versteht man, dass ein einfaches „Baumhaus“ als Antwort auf die
Frage „Was machst du nach dem Abi?“ leider so viel bedeutet wie „Absolut kein
Plan.“

Schönen Sonntag.