Runderneuerung für Fitnessorden

Mit einem Sprung zu Gold, Silber oder Bronze: Das Sportabzeichen wird in diesem Jahr 100 Jahre alt – die Bedingungen wurden indes runderneuert! (Foto: privat)

Hagen. (AnS) Es tut sich was in der deutschen Sportlandschaft: „Fitness prüfen und Gemeinschaft erleben“ heißt es gemeinhin beim Deutschen Sportabzeichen, welches rund eine Millionen Fitnesswillige Jahr für Jahr ablegen. 100 Jahre gibt es den dazugehörigen Bund bereits, 2013 wird sich zum runden Geburtstag in punkto Sportabzeichen einiges ändern: Eine Reform der alten und mitunter vielleicht etwas verstaubten „Plakette“ war dringend erforderlich, fanden die Verantwortlichen.

Und so kommen auf Vereine und Schulen reichlich Neuerungen zu und auch die Aktiven müssen sich in einigen Disziplinen und Leistungen umstellen.

Regina Gutschank vom Stadtsportbund Hagen lädt ein, sich am „neuen“ deutschen Fitnessorden zu versuchen. Am 4. Mai findet im Ischelandstadion und Westfalenbad der „Tag des Sportabzeichens“ statt. (Foto: Anja Schade)

Regina Gutschank, Sportabzeichenbeauftragte beim Hagener Stadtsportbund, sieht es gelassen. Sie weiß: Wie alles was neu ist, sorgt auch das reformierte Abzeichen für Aufregung in der Vereinswelt und wird zunächst kritisch beäugt. „Wir müssen das Ganze in eine positive Richtung schicken“, zeigt sie sich überzeugt. Jung und dynamisch präsentiert sich das Abzeichen und will vor allen Dingen eins: Menschen für den Sport begeistern mit dem Ziel: dranzubleiben und regelmäßig zu trainieren.

Leistungskatalog: Was ist neu?

Ganz individuell soll die Fitness jedes einzelnen überprüft werden. Maßgebend sind die vier motorischen Grundfähigkeiten Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination. Dazu kommt noch die allgemeine Schwimmfähigkeit, das heißt jeder muss – wie bisher auch – nachweisen, dass er sich über Wasser halten kann. Aber und das wird von Schulen und Vereinen als sehr zuvorkommend bewertet: der Nachweis bei Kinder und Jugendlichen muss nur noch einmal erfolgen, bei Erwachsenen alle fünf Jahre.

Zur Bewältigung kommen viele Disziplinen in Frage: klassisch sind die Bereiche Schwimmen, Leichtathletik und Geräteturnen. Die Anforderungen sind abgestimmt auf das Geschlecht und Alter der Sportlerinnen und Sportler. So können erstmals in diesem Jahr Sechsjährige und damit erste Grundschulklassen an den Prüfungen teilnehmen und auch bei den Senioren hat sich die Klassifizierung der über 80-Jährigen geändert. „Damit“, freut sich Regina Gutschank, „wird der Entwicklung Rechnung getragen, dass auch Ältere durchaus noch fit sein können.“

Die Sportwissenschaftler des DOSB haben sich Gedanken gemacht und vieles besser ausgearbeitet: So gibt es in diversen Altersklassen den Zonenweitsprung und den Zonenweitwurf, der die Fähigkeit und den Ablauf der Übung berücksichtigt und die Koordination anregen soll. Ein Beispiel: Beim Weitsprung muss sowohl das rechte als auch das linke Bein zum Absprung benutzt werden. „Ich habe schon oft gehört, dass sich die Sportler jetzt ihre Disziplinen, in denen sie besonders gut sind, besser aussuchen können“, weiß die Sportabzeichen-Beauftragte.

Neue Punktevergabe

Nach wie vor gibt es die Belohnungen in Bronze, Silber und Gold, bewertet wird aber mit Hilfe eines Punktesystems, dass je nach Leistung ein bis drei Zähler pro Kategorie vergibt. „Bronze ist auf die Freizeitsportler ausgelegt“, weiß Regina Gutschank. Für Silber und Gold haben sich die Anforderungen geändert und man muss eventuell etwas mehr tun! Und eine Zählung der goldenen Fitnessorden bei der Jugend entfällt – zum Ärger der Jugendbetreuer, die oft darin einen Anreiz sahen, die Kinder im nächsten Jahr erneut zu motivieren. Die Staffelung bei den Erwachsenen bleibt erhalten.

Das Abzeichen bleibt wie es ist – nur die Anforderungen haben sich geändert. (Foto: DOSB)

Die Prüfer müssen sich in den neuen Leistungskatalog reinfinden, denn jetzt ist nicht mehr auf den ersten Blick zu sehen, wie das Sportabzeichen geschafft wurde. Und auch auf den Stadtsportbund kommt Mehrarbeit zu, denn auch ein geändertes EDV-Programm gehört dazu. Schulungen laufen derzeit, die Daten können bisher noch nicht eingegeben werden. „Eine rege Hagener Seniorin, die bereits jetzt im März alle Disziplinen abgelegt hat, muss also noch etwas warten“, schmunzelt Regina Gutschank.

Hagen unter den ersten sechs

2240 Kinder, Jugendliche und Erwachsene erhielten 2012 ihr Sportabzeichen, viele von ihnen sind „Wiederholungstäter“. „Damit gehören wir mit unseren Teilnehmerzahlen zu den ersten sechs Bünden in NRW, darauf kann Hagen stolz sein.“ Und auch, wenn der Landessportbund einen Rückgang für dieses Jahr aufgrund der Neuerungen prognostiziert, Regina Gutschank will die Zahlen der Volmestadt 2013 wiederholen! Zur Aufklärung tragen Infoveranstaltungen und Mini-Schulungen bei, der Stadtsportbund steht für Fragen zur Verfügung.

Sportabzeichen-Tag

Alle Sportler sollten sich indes besonders einen Termin in ihrem Kalender vormerken: Am Samstag, 4. Mai 2013, von 11 bis 17 Uhr veranstaltet der SSB den „Tag des Sportabzeichens“ im Ischelandstadion und Westfalenbad. Ganz ohne Anmeldung kann dort das Sportabzeichen nach den neuen Anforderungen abgelegt werden. Keine Scheu: „Jedermann ist willkommen“, lädt Regina Gutschank alle Bürger ein, ihre Fitness zu testen. Weitere Einzeltermine werden selbstverständlich von Mai bis Oktober vom SSB und auch vielen heimischen Vereinen angeboten. Für Skepsis bleibt also keine Zeit.

Ob Bronze, Silber oder Gold: Auch wenn vieles neu erscheint, das Abzeichen will heute – anders als vor hundert Jahren – vor allen Dingen eins erreichen: regelmäßige Bewegung in allen Altersstufen mit dem Ziel, kontinuierlich Sport zu treiben und fit zu bleiben.