RWE: Drei Buchstaben aus 4,5 Tonnen Blech

Koepchenwerk
Der RWE-Schriftzug am Koepchenwerk vor der Sanierung. Vandalismus und Witterungsschäden haben den Buchstaben zugesetzt. (Foto: Sabine Burggräf, 2017)

Herdecke. Das „W“ macht den Anfang. Hoch oben auf dem Dach des Schieberhauses am Koepchenwerk wird es derzeit montiert. Jetzt dauert es nicht mehr lange und der komplette Schriftzug „RWE“ wird – wie über Jahrzehnte schon – wieder an Ort und Stelle am Hang des Ardeygebirges in Herdecke zu sehen sein.

Die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, Eigentümerin des Industriedenkmals, ist nach monatelangen Arbeiten mit dem Ergebnis äußerst zufrieden.
„Dies ist für uns ein ganz besonderer Augenblick“, sagt Ursula Mehrfeld, die Geschäftsführerin der Stiftung, „denn der Schriftzug ist für Bürgerinnen und Bürgern in Herdecke und in der Region das Wahrzeichen der Landmarke Koepchenwerk.“

Denkmalgeschützt

Der mittlere Buchstabe des denkmalgeschützten Trios dient als Fixpunkt bei der Montage. Zuerst werden die hinteren Bleche direkt an das Tragegerüst montiert, dann folgen die Seitenteile und zum Schluss die weiße Vorderseite. Denn die Lettern bestehen aus einer weißen Vorderseite und einer dahinter liegenden grünlichen Kastenkonstruktion.

Rekonstruktion auf Kokerei Hansa

Die Handwerker der Zentralwerkstatt der Industriedenkmalstiftung auf dem Gelände der Kokerei Hansa in Dortmund-Huckarde leisten seit Monaten ganze Arbeit. Dorthin waren im September vorigen Jahres, in Einzelteile zerlegt, die drei sechs Meter hohen Lettern verbracht worden. Stück für Stück hatten die Männer sie vom Traggerüst auf dem Dach gelöst. Zu diesem Zeitpunkt waren alle Beteiligten noch davon ausgegangen, dass sich die Buchstaben reparieren lassen würden. Doch nach einer gründlichen Prüfung wurde schnell klar: Alle drei Elemente sind so stark geschädigt, dass eine einfache Instandsetzung nicht mehr in Frage kam. Wind und Wetter hatten ihnen ordentlich zu gesetzt.

In Abstimmung mit der Denkmalbehörde der Stadt Herdecke entschloss sich die Stiftung, alle drei Buchstaben in Eigenleistung in Ordnung zu bringen.

Die Handwerker meisterten eine Aufgabe von ganz neuen Ausmaßen. Räumlich betrachtet, musste dafür zuerst eine Werkstatt komplett umgebaut werden, um Platz zu schaffen. Die Original-Einzelteile der Buchstaben wurden nummeriert und dienten als Schablonen und Vorlagen. Die Bleche wurden mit der Flex zugeschnitten, dann gebohrt, geschweißt und geknickt. 4,5 Tonnen Schwarzblech und circa 1500 Schrauben verarbeiteten die Handwerker in den vergangenen neun Monaten.

Millimeterarbeit

Neben handwerklichem Geschick war aber auch Köpfchen gefragt, denn jeder Buchstabe für sich ist in vier Teile zerlegbar. Die Schlosser mussten ein genaues Aufmaß ermitteln und exakte Außenmaße erstellen. „Das war Millimeterarbeit im großen Maßstab“, so Ralf Conredel, Vorarbeiter bei der Stiftung. „Nach der monatelangen Arbeit mit den Einzelteilen sind wir jetzt natürlich sehr gespannt das Ergebnis zu sehen“, so Conredel.

Dach-Reparatur

Aber auch die Vorausetzungen für die Montage der Buchstaben mussten erfüllt sein. Denn das Dach des Schieberhauses war ebenfalls in einem schlechten Zustand. Es wurde nun neu ertüchtigt und gedeckt. Ähnlich sah es mit der Tragekonstruktion auf dem Dach aus. Sie war stark korrodiert und wurde repariert.

Fast im Originalzustand

Das Koepchenwerk ist ein national bedeutsames Monument der Energiewirtschaft. Es wurde in den Jahren 1927 bis 1930 errichtet. Seinen Namen trägt es nach seinem Ideengeber und damaligen RWE-Vorstand, Prof. Dr. Arthur Koepchen.

Das Koepchenwerk ist eines der beiden ersten Pumpspeicherkraftwerke Deutschlands und im nahezu authentischen technischen wie baulichen Zustand erhalten. Dazu zählen unter anderem die historische Maschinenhalle mit Kommandohaus inklusive der vier originalen Maschinensätze. Sie bestehen jeweils aus Turbine, Motor-Generator, Kupp­lung und Pumpe. Außerdem gehören dazu die vier markanten Druckrohrleitungen sowie das Schieberhaus mit dem Firmenschriftzug.

Die Aufgaben der Stiftung

Die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur wurde 1995 vom Land Nordrhein-Westfalen und der RAG Aktiengesellschaft gegründet, um hochrangige Zeugnisse des Industriezeitalters vor dem Abriss zu bewahren. Die Aufgaben der Stiftung bestehen darin, die ihr übertragenen Denkmale zu schützen und zu erhalten, wissenschaftlich zu erforschen, öffentlich zugänglich zu machen und sie einer neuen, denkmalgerechten Nutzung zuzuführen.
Bundesweit ist es die erste und bisher einzige Stiftung, die sich explizit für den Erhalt von bedeutenden Industriedenkmalen einsetzt.

Die Stiftung gibt den Anlagen Zeit, sich zu neuen, identitätsstiftenden Orten für Handel, Gewerbe, Freizeit, Kunst und Kultur zu entwickeln. Sie führt Bausicherungs- und Instandsetzungsarbeiten an den Gebäuden durch, entwickelt Nutzungskonzepte für einzelne Baukörper oder die gesamte Anlage und trägt durch Öffentlichkeitsarbeit dazu bei, die Akzeptanz für Belange der Industriedenkmalpflege zu erhöhen.

Industriedenkmale in NRW

Mittlerweile zählen Industrie­denkmale an 14 Standorten in NRW zum Bestand. Es sind Relikte von Anlagen des Steinkohlenbergbaus, wie z.B. Fördergerüste, Schachthallen und Maschinenhäuser, des Weiteren eine Kokerei als Beleg der Verbundwirtschaft im Ruhrgebiet, ein Denkmal der Energiewirtschaft in Gestalt des Koepchenwerks und das Hammerwerk Ahe-Hammer in Herscheid als technikgeschichtliches Zeugnis.