Sagenhafter Ruhrpott

Gemeinsam mit ihrer Mutter, der renommierten Kinderbuchautorin Inge Meyer-Dietrich, hat Anja Kiel (Foto) aus Hagen den Fantasy-Roman „Die Hüter des Schwarzen Goldes“ geschrieben. Im Mittelpunkt der abenteuerlichen Erlebnisse zweier Kinder stehen die Schwarzmännchen, die einer alten Bergwerks-Saga aus dem Ruhrgebiet entspringen. (Foto: Bärbel Taubitz)

Hagen. (tau) Die rheinische Loreley und Co. kennt jeder. Aber wie sieht’s mit den Sagen aus dem Ruhrpott aus? Schon mal was von den Schwarzmännchen gehört? Eben. Die leben unter der Erde und bewachen die heimische Steinkohle. Vor vielen Jahren stieß Inge Meyer-Dietrich auf die alte Bergwerks-Saga über die kleinen Wesen mit den leuchtenden Haaren. Jetzt stehen sie im Mittelpunkt des neuen Romans „Die Hüter des Schwarzen Goldes“, den die preisgekrönte Jugendbuchautorin („Plascha“ u.a.) zusammen mit ihrer Tochter Anja Kiel geschrieben hat.

Verbundenheit zum Ruhrgebiet

Zwei Jahre haben die beiden an dem im August erschienenen Werk gearbeitet. Jede von ihrem Schreibtisch aus – der von Anja Kiel steht in Hagen! Hierhin zog es die studierte Kunsthistorikerin und freie Journalistin aus Gelsenkirchen vor rund fünf Jahren. Und die Volmestadt, in der sie nun mit ihrem Mann und der dreijährigen Tochter lebt, sieht sie gar nicht so sehr als „Tor zum Sauerland“, sondern als Teil des Ruhrgebiets, mit dessen Kultur sie sich stark verbunden fühlt. Zu ihren vielfältigen Tätigkeiten gehören auch Führungen durch die Zeche Zollverein in Essen.  „Dabei geht es ja vornehmlich um technische Aspekte,“ erklärt die Wahl-Boelerin die Idee zum Buch. „Ich wollte die Bergbaugeschichte gerne mal aus einer ganz anderen Ecke beleuchten!“

Und so wuchsen im regen Austausch mit ihrer Mutter die Abenteuer von Sophie und Luca, zwei ganz normalen Kids, die gar nicht viel miteinander zu tun haben (wollen). Das ändert sich jedoch, als sie bei einem Schulbesuch im Bochumer Bergbaumuseum in einen Strudel sagenhafter Ereignisse gezogen werden, die sie zunächst nur schwer glauben können. Denn der Kraftstein Achazurit, der das Gleichgewicht über und unter Tage sichert, wurde gestohlen. Und ausgerechnet sie sind auserwählt, sich einer weltbewegenden, gefährlichen Aufgabe zu stellen…

Gemeinsam Story erarbeitet

Die beiden Autorinnen schrieben abwechselnd, tauschten Ideen aus, schauten sich auch „ihre“ Schauplätze unter Tage noch einmal genauer an. Dachten sich neue Orte und Figuren aus, fügten ihre Aufzeichnungen zusammen. „Ich weiß nicht, ob ich alleine ein solches Buch zustande bekommen hätte, schließlich ist es mein Erstlingswerk“, bekennt Anja Kiel. „Meine Mutter mit ihren Erfahrungen war eine gute Unterstützung, wenn ich beispielsweise mal eine Schreibblockade hatte.“

Mit Henselowsky Boschmann fand sich ein Ruhrgebietsverlag, der ausschließlich Doku-Geschichten aus dem „Pott“ im Programm hatte, sich von „Die Hüter des Schwarzen Goldes“ aber so begeistert zeigte, dass er ihn als ersten Fantasy-Roman aufnahm. „Wobei unser Buch nicht wirklich ‚Fantasy’ ist, wie die Bezeichnung gemeinhin verwendet wird. Es ist eher eine realistische Geschichte mit Fantasy-Elementen,“ betont Anja Kiel.

Nicht nur für Kinder

Bei Lesungen in Bochum und Gelsenkirchen machte sie die Erfahrung, dass ihr Werk gerade bei Zuhörern, die sonst an dieser Gattung weniger Interesse haben, großen Anklang fand. Bei Erwachsenen übrigens genauso wie bei jungen Lesern. Denn auch wenn die beiden „Helden“ zwei Schüler sind, ist „Die Hüter des Schwarzen Goldes“ kein ausgesprochenes Kinderbuch.

Mit viel Liebe zum Detail haben Inge Meyer-Dietrich und Anja Kiel ihre Figuren und deren Beziehungen gezeichnet, die bilderreiche Sprache lässt den Leser schnell eintauchen in die unbekannte spannende Welt unter Tage. Und jeder Name birgt eine tiefere Bedeutung: Luca beispielweise bedeutet „Licht“ und Sophie „Weisheit“ – aber mehr wird an dieser Stelle nicht mehr verraten. Besser: selber lesen!

Wird es ein zweites Buch von Anja Kiel geben? „Gerne“, schmunzelt die 36-Jährige. „Vielleicht sogar eine Fortsetzung.“ Aber vorher steht bei der Autorin erst einmal ein ganz anderes großes Ereignis in diesen Tagen an: Die Geburt ihres zweiten Babys…