Sauerland ist Sonnenschein-Schlusslicht

Hagen. (ME) Können Sie sich noch an Ostern 2011 erinnern? Das waren in Westfalen wunderschöne Tage mit reichlich Sonnenschein und 30 Grad.

Die westfälischen Freibad-Betreiber konnten uns in den Sommerferien wirklich leid tun - nur selten war es in einem Bad im August so voll wie auf unserem Foto. (Foto: Elsebad)

Viele Hagener unkten bereits damals, das könnte in unseren Breitengraden der Sommer gewesen sein. Na, und ein bisschen war es ja dann tatsächlich so. Im August gab es jedenfalls mehr Regen an Ruhr und Lenne, als den Volmestädtern lieb sein konnte.

Nass, aber warm

Nun sagt aber Regen nichts über Wärme aus. Oder anders formuliert: Es gab zwar einen nassen Sommer, aber gleichzeitig auch einen recht warmen. Das sei auch kein Wunder, sagen Experten, weil seit Jahrzehnten ein steiler Anstieg der mittleren Temperatur zu verzeichnen ist.

Unterm Strich durften wir uns eh 2011, Frühling und Sommer in Deutschland zusammengerechnet, über mehr Sonnenschein freuen, als viele Menschen wahrscheinlich denken. Die Meteorologen sagen sogar, landesweit habe es von März bis August den meisten Sonnenschein seit mindestens zwanzig Jahren gegeben.

Schlusslicht Sauerland

Dennoch wird uns hauptsächlich der Sommer 2011 nicht in allerbester Erinnerung bleiben. Das mag auch daran liegen, dass Norddeutschland, Nordrhein-Westfalen und insbesondere auch das Sauerland alles in allem unter den „Sonnenschein-Schlusslichtern“ zu finden sind. Das Sauerland verzeichnete gerademal 414 Stunden Sonne in den drei Sommer-Monaten, was sehr deutlich unter dem sogenannten klimatologischen Mittelwert der letzten dreißig Jahre liegt.

Besonders „dunkel“ war der Juli, er verzeichnete ein Minus in Höhe von 33 Prozent gegenüber dem Durchschnitt. Genau gegenteilig sah es beim Niederschlag in Nordrhein-Westfalen aus: vor allem im August durfte man nie das Haus ohne Regenschirm verlassen, hat es doch deutlich mehr geregnet als in diesem Monat ansonsten üblich.

Regenrekord in Oy

Früher konnte man sich in der Regel auf zahlreiche Erfahrungen verlassen, etwa darauf, dass es im Allgäu im Sommer nicht viel regnet. Doch ein Sauerländer, der in dieser schönen süddeutschen Region in diesem Jahr seinen Urlaub verbracht hat, kam im wahrsten Sinne des Wortes vom Regen in die Traufe – denn der Oberallgäuer Ort Oy-Mittelberg-Petersthal war das Dorf mit den meisten Niederschlägen: hier fielen von Juni bis August stolze 713 Liter auf jeden Quadratmeter.

Ebenso sah es an Nord- und Ostsee in diesem Sommer vorwiegend trübe aus – was übrigens durch zwei Rekordwerte untermauert wird. Im schönen Künstlerort Worpswede unweit von Bremen wurde am 2. Juni die kälteste deutsche „Dorf-Nacht“ dieses Sommers gemessen – das Thermometer sank auf miese 1,0 Grad. Rund sieben Wochen später schlug „Petrus“ in Rostock-Warnemünde zu und schickte den Mecklenburgern mit über 111 Litern pro Quadratmeter die größte Regenmenge, die in Deutschland in 2011 an einem Tag gemessen wurde (am 22. Juli).

Während bei uns und in Niedersachsen hauptsächlich der August viel zu nass war, konnten sich die Bundesländer im Süden und Osten über den 8. Monat weniger beklagen. Ihnen liegt bis heute – wie auch das Beispiel Rostock zeigt – vornehmlich der Juli schwer im Magen. Kletterten doch zum Beispiel in Berlin, Leipzig oder Magdeburg die Juli-Niederschlagswerte ganz erheblich über den Durchschnittswert. Dafür war es in Brandenburg, Sachsen, „Meck-Pomm“ und Sachsen-Anhalt gleichzeitig wärmer als bei uns.

Urlaub am Hochrhein?

Und welcher Ort war am heißesten und sonnenreichsten im Sommer 2011? Wir finden ihn an der Grenze zur Schweiz. Genauer: am Hochrhein. Der Ort heißt Rheinfelden, zählt über 30.000 Einwohner, liegt im badischen Landkreis Lörrach und ist eine wichtige Industriestadt (Chemie, Aluminium, Autozulieferer). Der örtliche „Wetterfrosch“ zählte zwischen 1. Juni und 31. August sage und schreibe 688 Sonnenstunden, also beachtliche 274 mehr als im Sauerland. Besonders heftig war der 22. August: an diesem Tag ächzten die Rheinfeldener unter 36,7 Grad.

Angesichts dieser Werte kann es doch keine Frage sein, wo man den nächsten Sommerurlaub plant: auf keinen Fall im bayrischen Allgäu, sondern in der badischen Nachbarschaft…

(Quelle: Deutscher Wetterdienst)