Sch…hausparole

„Fake news“, also „gefälschte Nachrichten“, sind keine Erfindung von Trump, Putin, Le Pen oder Pegida. Es gibt sie schon seit Jahrhunderten. Die Methode, gefälschte Meldungen in Umlauf zu bringen, um daraus „politischen Honig“ zu saugen, das kannten schon die ollen Römer. Caesar zum Beispiel; seine „Reportagen“ über die Kriege in Gallien waren Berichte eines eitlen Feldherrn, die dazu dienten, das Volk in Rom für sich einzunehmen. Auch die 1870 von Kanzler Otto von Bismarck gezielt an die Presse weitergereichte „Emser Depesche“ gehört in diese Rubrik – sie hatte verheerende Folgen, schließlich löste sie den Deutsch-Französischen Krieg aus.
Statt von „Fake News“ sprach man früher gern von „getürkten Nachrichten“, manchmal auch von „Sch…hausparolen“, „Stammtischpalaver“ oder „Gerüchteküche“. Nun ja, der Ausdruck „getürkte Nachrichten“ ist der politischen Korrektheit zum Opfer gefallen – wegen seiner diskriminierenden Bedeutung. Aber von „Sch…hausparolen“ darf ruhig die Rede sein. Es gibt sie tagtäglich – in unendlich vielen Büros, oft in der Politik und häufig auch in der Wirtschaft. Dazu braucht man nicht einmal russische Hacker.
Die Methoden, einem Unternehmen mit fiesen Gerüchten Schaden zuzufügen, sind mindestens genauso alt wie die politischen „Fake News“. So sieht sich beispielsweise ein heimisches Auto-Unternehmen seit Jahren immer und immer wieder dem Gerücht ausgesetzt, es sei am Ende. Komisch nur, dass seine nach wie vor bestehende Existenz genau das Gegenteil beweist.
Neuerdings sieht sich auch der Wochenkurier mit solchen Gerüchten konfrontiert. In der Gerüchteküche brodelt es seit drei Jahren – – damals wurde der Wochenkurier von seiner Gründerfamilie verkauft. An eine Stiftung. Ihr gehört unter anderem eine Schule und eine weitere Zeitung.
Seitdem sind wir in repräsentativere Räume umgezogen, haben unser Aussehen verschönert und auch ansonsten eine Menge positiv verändert. Was offenbar nicht jedem passt. Und so lautete denn eine der netten Sch…hausparolen der vergangenen Wochen, den Wochenkurier gebe es ab dem 1. Mai nicht mehr.
Nun, liebe Leser und Leserinnen, heute ist der 3. Mai. Und was halten Sie in den Händen? Richtig! Den Wochenkurier.
Ach übrigens: Sch…hausparolen oder ähnliche Fake News werfen Sie am allerbesten immer genau dahin, wo sie ganz hervorragend hinpassen: in den Orkus.
Tilo