Schach auf grünem Tuch

Hagen. (anna) Der Snooker-Verein Hagen mit seinen 38 Mitgliedern veranstaltet am Samstag, 7. Mai, ab 14 Uhr einen Tag der offenen Tür. Die Besucher haben dann die hervorragende Möglichkeit, in den Vereinsräumlichkeiten in der Jägerstraße 36-42 den Club, seine Mitglieder und das Snooker-Spiel unverbindlich kennen zu lernen.

„Am Samstag möchten wir ab 14 Uhr den Besuchern die Königsdisziplin des Billardsports etwas näher bringen“, meint Vorsitzender Martin Byczek (47), „jeder hat dann die Gelegenheit, die Raffinessen des Snookers, auch ’Schach auf grünem Tuch’ genannt, zu erproben.“ Auf einer Fläche von 140 Quadratmetern kann an drei Tischen gespielt werden. Auch eine Küche und ein Aufenthaltsraum gehören zum Vereinsheim.

Die 38 Snookerfans des Hagener Vereins, darunter fünf Frauen, sind zwischen 15 und 61 Jahren alt und kommen unter anderem aus Hagen, Wetter, Lüdenscheid und sogar Aachen. Die meisten spielen dreimal in der Woche mehrere Stunden lang. Ruhig und konzentriert vollzieht sich der Spielablauf. Lautes Gerede würde die Snooker nur in ihren Gedanken um die richtige Taktik stören.

Der Snooker-Verein Hagen, 1996 gegründet, spielt in der Verbands- und Oberliga mit zur Zeit vier Mannschaften. „Ein einheitliches Aussehen ist bei Liga-Spielen unerlässlich“, erklärt der 54-jährige Hans-Günter Schöne, 2. Vorsitzender. „Schwarze Hose, schwarze Schuhe, einheitliche Hemden und Westen sind einfach Pflicht.“ Weiterhin veranstaltet er jedes Jahr offene Hagener Stadtmeisterschaften und unterschiedliche Turniere.

Aber auch das Vereinsleben gestaltet sich bei den Snookern recht lebendig. Denn sie organisieren mindestens einmal im Jahr einen gemeinsamen Ausflug, eine Weihnachtsfeier und vereinsinterne Turniere, an denen nur die Mitglieder und ihre Familien teilnehmen können.

Was ist Snooker?

Snooker ist eine Billard-Variante, die mit speziellen Queues auf einem riesigen Snookertisch (3,86 x 1,77m) gespielt wird. Das Spielprinzip besteht darin, 15 rote und sechs andersfarbige Bälle mit unterschiedlichen Punktzahlen mit dem weißen Spielball nach bestimmten Regeln in Taschen am Rand des Tisches zu versenken (potten).

Der Name Snooker bezieht sich auf eine Spielsituation, in der ein Spieler einen Ball, den er laut Regeln anspielen müsste, nicht auf direktem Wege anspielen kann und so zu einer schwierigeren Lösung gezwungen ist. Er wurde „gesnookert“, heißt „in Verlegenheit“ gebracht. Das Wort „snooker“ hat aus dieser Bedeutung heraus auch im übertragenen Sinne Eingang in die englische Sprache gefunden (to snooker somebody: „jemanden sperren, behindern“).

Durch die großen Tische muss sich der Snooker beim Spiel schon mal einiger Hilfsmittel bedienen, um die weiße Kugel geschickt führen zu können - wie hier Hans-Günter Schöne (r.), der ein langes Queue benutzt. (Foto: Anna Linne)

„Snooker stellt, verglichen mit anderen populären Formen des Billards, größere Anforderungen an die spieltaktischen Fähigkeiten der Spieler“, erklärt Martin Byczek. „Die höhere technische Schwierigkeit ergibt sich hauptsächlich aus der im Vergleich zu vielen anderen Billardvarianten größeren Fläche des Spieltisches und aus dem kleineren Durchmesser der Bälle. Auch sind die Taschen weiter in die Banden eingezogen und enger. Die Einläufe in die Taschen sind zudem abgerundet (nicht so beim Poolbillard), so dass ein dort anstoßender, nicht präzise gespielter Ball wesentlich leichter wieder aus dem Tascheneinlauf herausläuft. Das abwechselnde Anspielen von roten und nicht-roten Bällen und das angestrebte Spiel auf den höchstwertigen schwarzen Ball erfordert darüber hinaus ein hohes Maß an Kontrolle über den weißen Spielball.“

Immer populärer

In Deutschland ist Snooker mit etwa 5000 im Verein organisierten Spielern eher eine Randsportart (zum Vergleich Großbritannien: etwa sechs Millionen), jedoch wird das Spiel in Deutschland immer populärer. Zur Zeit verfolgen die Hagener Snookerfans gebannt die Weltmeisterschaft im Fernsehen, deren Finale am Montag, 2. Mai, gesendet wird.

Gründungs-Mitglied Paul Gibhardt erinnert sich noch gut an die Anfänge des Hagener Clubs. Er sah 1995 auf Eurosport ein dem Billard ähnliches Spiel, das der Kommentator mit Snooker bezeichnete. „Ich wusste sofort, dass dieser Sport genau richtig für mich war“, berichtet Gibhardt, „ohne dass ich jemals an einem Snookertisch gestanden hatte.“

Fein und ruhig

An diesem Spiel faszinierte ihn, wie die Spieler auftraten, wie ruhig alles zuging und nicht zuletzt wie fein das ganze Ambiente aussah. Kurz entschlossen verbrachte er die nächsten Wochenenden damit, sich in Hagen nach einem Snookertisch umzusehen. Er wurde fündig in einer Spielhalle am Hauptbahnhof (mittlerweile ist dieser Tisch entfernt worden). „Nach etwa einem Jahr haben wir uns dann entschlossen, den Snooker-Verein zu gründen – mit einer Spielstätte am Emilienplatz“, berichtet Gibhardt. „Jetzt haben wir unser Domizil in der Jägerstraße und spielen in der Oberliga.“

Wer sich für Snooker interessiert, kann sich unter www.Snooker Club.de weiterführend informieren. Martin Byczek ist unter E-mail: vorstand@snookerclub-hagen.de oder Telefon 0 23 53 / 66 74 54 und Hans-Günter Schöne unter Telefon 01 77 / 7 83 55 92 zu erreichen.